Herzogenrath - Jansens Garten: Opfer des Radschnellwegs?

Jansens Garten: Opfer des Radschnellwegs?

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
14341848.jpg
Michael Jansen in seinem Garten in Straß: Unmittelbar hinter der Hecke verläuft die Bahntrasse. Sollte der geplante Radschnellweg hier irgendwo entlanglaufen, bleiben kaum Alternativen, die Jansens Garten nicht erheblich verkleinern würden. Foto: Verena Müller
14341852.jpg
Blick über die Vegla-Glashalde: Links von ihr befindet sich eine tiefe Senke, hinter den Bäumen fahren Züge – in dem Fall ein Güterzug. Foto: Verena Müller

Herzogenrath. Als Michael Jansen in der Zeitung las, der Streckenverlauf des Radschnellwegs sei noch offen, war er gelinde gesagt irritiert. „Wenn ich lese ,immer noch frühes Stadium der Machbarkeitsstudie‘ und ,im Sinne der Umweltverträglichkeit‘, kann ich mich nur wundern. Die Städteregion treibt von der Öffentlichkeit unbemerkt die Umsetzung des Radschnellwegs voran“, glaubt er.

Schließlich hat er vor rund zwei Wochen Post von der Städteregion erhalten. Inhalt: eine knapp formulierte Bitte um einen persönlichen Gesprächstermin und ein Auszug aus dem Kataster. Jansens Befürchtung: Der Radweg könnte direkt durch seinen Garten verlaufen. „Mich hat die Städteregion in Kenntnis gesetzt, dass 70 Prozent meines Gartens laut Katasterausdruck dem Bau des Radweges zum Opfer fällt“, so der 44-Jährige.

Er wohnt gemeinsam mit seiner Frau und seiner Mutter in dritter Generation am Ende der Straße Auf den Heggen. Sein Grundstück grenzt an der einen Ecke an das ehemalige Bahnwärterhäuschen, der Rest der Grundstücksgrenze verläuft parallel zur Bahntrasse. Dazwischen befindet sich ein schmaler Trampelpfad. Wenn der Radschnellweg auf dieser Seite der Trasse verlaufen soll, bleiben also kaum Alternativen zu Jansens Garten.

Um nicht zu sagen: keine. Es sei denn, man reißt das bewohnte Bahnwärterhäuschen ab. Oder man untertunnelt die Schienen. Jenseits jener liegt das Wurmtal, ein Naturschutzgebiet. Und der Vorschlag, den Radweg auf die Neustraße zu legen, also rund 800 Meter weiter, wurde verworfen. Da wird es für Jansens Idyll eng.

Der Garten, in dem Jansens Großmutter einst Kartoffeln angebaut hat, ist derzeit eine Baustelle: Den Teich mit den Molchen und Lurchen, den sein Vater angelegt hatte, wollte Jansen eigentlich erweitern. „Aber solange ich nicht weiß, wie der Radweg verläuft, mache ich nichts.“ Dass sein Interesse an einem Radweg in seinem Garten gering ist, versteht sich. Seine Hunde hätten weniger Auslauf, das Haus würde an Wert verlieren, die Beleuchtung des Wegs könnte störend sein – so sieht der Radio- und Fernsehtechniker das.

Aber es geht ihm nicht nur um sein Eigentum. „Die Natur hat sich hier ihren Raum erkämpft“, sagt Jansen. Und nimmt auf sie Rücksicht. Ein Teil der Klinkerfassade des Hauses ist nach wie vor nicht verfugt, weil Erdhummeln die Hohlräume erobert haben. Schon an der Einfahrt hört man sie brummen. In der alten Hecke nisten Vögel und neben dem Fußpfad hat Jansen schon mal einen Biber gesichtet.

„Wie der über die Schienen gekommen ist, weiß ich nicht“, erzählt er. Die Forderung von Naturschützern, auch auf dieser Seite der Bahntrasse Flora und Fauna unter besonderes Protektorat zu stellen, ist für Jansen also mehr als schlüssig. Und notwendig. „Hier ist nur Landschaftsschutzgebiet“, weiß er.

Geht man den möglichen Streckenverlauf Richtung Süden gedanklich weiter ab, ergeben sich von der Topographie her, aber auch von der Belegung der Flächen weitere Fragen. Zwischen Bahntrasse und der Wohnbebauung (beziehungsweise ein paar Meter weiter dem Friedhof) liegt ein verwilderter Garten mit altem Baumbestand. „Ich weiß nicht, wie man den Verlust dieser Bäume auffangen will“, sagt Jansen. An das Friedhofsgelände schließt sich rechts die Schützenwiese an. Hat man diese passiert, steht man vor dem Tor zur Vegla-Glashalde. Zwischen ihr und der Bahntrasse liegt eine Tiefe Senke von geschätzt 80 Metern. Diese müsste verfüllt werden, sollte der Radweg nicht unmittelbar auf der Halde verlaufen.

Gen Süden ergeben sich ebenfalls Fragen: „Wie will man ins Wurmtal anschließen? Durch einen Tunnel? Einen beschrankten Bahnübergang?“, überlegt Jansen.

Die Städteregion Aachen betont auf Nachfrage gegenüber unserer Zeitung, dass mit Blick auf die Streckenführung ein beispielhaftes Beteiligungsverfahren in Gang gesetzt worden sei und dass es für die aktuell bevorzugte Variante einen erklärten politischen Willen gibt. „Im November 2016 haben sowohl der Bau- und Verkehrsausschuss der Stadt Herzogenrath als auch der Städteregionsausschuss beschlossen, dass die laufende Machbarkeitsstudie zwischen Kohlscheid und Herzogenrath für den Streckenverlauf auf der Westseite der Bahnlinie zu Ende geführt werden soll“, teilt Sprecher Robert Flader mit.

„Für den Bereich Auf den Heggen werden zurzeit verschiedene Lösungsmöglichkeiten untersucht. Sobald diese konkret vorliegen, wird auch mit den Anwohnern das Gespräch gesucht. Im Anschluss sollen die Lösungsmöglichkeiten dann den politischen Gremien der Städteregion sowie den Städten Aachen und Herzogenrath präsentiert werden.“

Jansen bleibt skeptisch: „Ich befürchte, dass der Plan für den genauen Streckenverlauf dieses Prestigeprojekts längst fertig in der Schublade der Städteregion liegt“, sagt er. Und seinen damit verbundenen persönlichen Verlust und die Nachteile für die Natur könnten kein Geld und keine Ausgleichsflächen aufwiegen.

Leserkommentare

Leserkommentare (5)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert