„Jakob Lenz”-Inszenierung auf der Energeticon-Bühne

Von: Elisa Zander
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Letzte Proben vor dem großen Auftritt: Studierende der Hochschule für Musik und Tanz Köln präsentieren in Alsdorf die Kammeroper Jakob Lenz. Foto: Elisa Zander

Alsdorf. Die Bühne steht, die Scheinwerfer sind eingerichtet, das Orchester hat seine Plätze gefunden. Nach drei Tagen Vorbereitung laufen nun seit einer Woche die letzten Proben für die Kammeroper „Jakob Lenz” im Energeticon.

Die Hochschule für Musik und Tanz Köln hat sich in Kooperation mit dem Energeticon und den städtischen Bühnen Münster des Werkes angenommen, das Wolfgang Rihm Ende der 1970er Jahre für die Hamburger Staatsoper schrieb.

Sängerinnen, Sänger und das Orchester der Hochschule haben unter der Regie von Manfred Kaderk und der musikalischen Leitung von Stephan Wehr die Inszenierung erarbeitet.

Schizophrener Dichter

Jakob Lenz, deutscher Schriftsteller in der Zeit des Sturm und Drang, dessen Leben in der Novelle „Lenz” von Georg Büchner skizziert wurde, war die Vorlage für die Kammeroper, die Wolfgang Rihm daraus machte. Heute lässt sich sagen, dass es wohl eines der erfolgreichsten Musiktheaterwerke der letzten Jahrzehnte ist. „Ich kenne kein Stück, das so häufig und mit solch einer Begeisterung der Intendanten auf den Spielplänen der Schauspielhäuser steht”, sagt Manfred Kaderk.

Zentralgestalt ist Namensgeber Jakob Lenz, der Inhalt dreht sich um das Leben von eben jenem und das Fortschreiten seiner Schizophrenie. Musikalisch umgesetzt wird das durch sechs Stimmen, die die unterschiedlichen Charaktere des Jakob Lenz symbolisieren und ihn letzten Endes in den Selbsttötungsversuch treiben.

Komponist Wolfgang Rihm hat für die Umsetzung genaue Details festgehalten, die minutiös das Verhalten von Lenz und seinen Stimmungen beschreiben. „Es ist wahnsinnig spannend, auf diese Weise den zunehmenden Wahnsinn und Verfall eines Menschen darzustellen”, sagt Manfred Kaderk.

Außerdem ist es über die zusätzlichen Stimmen möglich, andere Facetten von Jakob Lenz aufzuzeigen, stellen sie doch auch szenische Gegenspieler dar. Die Kammeroper, die mehr Schilderung von Gemütszustand als Handlung kennt, ist ein Auf und Ab zwischen emotionalen Ausbrüchen und ruhigen Passagen, dissonanten Klängen und tonalen Phrasen, die sich von Zeit zu Zeit in tänzerische Rhythmen auflösen.

Musikalisch ist das Ensemble bestens aufgestellt. Stephan Wehr ist sichtlich stolz auf die Gruppe, die seit Februar intensiv und konzentriert gemeinsam probt. „Nico Müller, der den Jakob Lenz singt, ist für uns ein echter Glücksgriff. Die Stimme ist konsolidiert, seine Erfahrung ist notwendig, denn es ist eine enorme Herausforderung, nahezu 70 Minuten ohne Pause zu singen”, weiß der musikalische Leiter.

Insgesamt sind 26 Künstler an dem Projekt beteiligt. Es ist ein hoher logistischer Aufwand für ein Bühnenwerk, das in seiner Form für Alsdorf einen neuen kulturellen Höhepunkt bietet.

Premiere am Donnerstag

Sechs Aufführungen wird das Ensemble präsentieren, drei davon im Alsdorfer Energeticon.

Die Premiere findet am Donnerstag, 17. Juni, um 20 Uhr statt. Weitere Aufführungen sind am Freitag, 18. Juni, um 20 Uhr und am Sonntag, 20. Juni, um 18 Uhr.

Karten kosten 12 Euro, ermäßigt acht Euro.
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