Jahrzehntelang im selben Krankenhaus: Zwei Ärzte erzählen

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Viel hat sich auf Marienhöhe beim Medizinischen Zentrum der Städteregion in den vergangenen Jahrzehnten geändert: Mediziner der ersten Stunde erinnern sich. Foto: Conny-Stenzel-Zenner (2), Karl Stüber
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Bezeichnet es als Glück, nach Würselen gekommen zu sein: Dr. Ulrich Rietkötter.
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Bereits seit dem Jahr 2006 im Ruhestand: Professor Dr. Hans-Walter Staudte.

Würselen. Als diese beiden Ärzte zum Medizinischen Zentrum der Städteregion (MZ) kamen, war das Krankenhaus noch ganz jung. Das war lange vor der Fusion der beiden Häuser Bardenberg und Marienhöhe. Professor Dr. Hans-Walter Staudte (73) kam aus Mainz in die Orthopädie und Dr. Ulrich Rietkötter (64) kam schon als Student aus Bochum, um dann als Assistenzarzt in der Chirurgie zu beginnen.

Beide sagen, dass sie Glück hatten, nach Würselen, nach Marienhöhe, zu kommen. Das war Anfang der 70er. Beide sind geblieben.

Damals gab es nur wenige Kliniken in Marienhöhe. Sieben Chefärzte belegten mehr als 400 Betten. Da waren die Anästhesie, die Gynäkologie, die Radiologie, die Internisten, die Unfallchirurgen, die Allgemeinchirurgie und die Orthopädie. „Sie waren alle Individualisten“, erinnert sich Professor Hans-Walter Staudte, der selbst die Orthopädie leitete, bis er ärztlicher Direktor des neuen Hauses wurde, das zum 1. Januar 2001 aus dem Zusammenschluss des Knappschaftskrankenhauses Bardenberg und aus dem Kreiskrankenhaus Marienhöhe entstand.

Besser als viele andere

„Wir hatten immer gute medizinische Geräte“, erinnert sich Orthopäde Staudte. Da stand beispielsweise in der Radiologie der erste Ganzkörper-Computertomograph. „Wir waren besser als viele andere Krankenhäuser ausgestattet“, urteilt der ehemalige ärztliche Direktor, der die Auswirkungen der Gesundheitsreformen spürte. „Auf einmal wurde der Chefarzt zum Unternehmer. Die Liegezeiten der Patienten im Krankenhaus wurden immer kürzer, aber wir wollten nicht an Qualität verlieren.“

Damals lernten die Mediziner, eng mit der Presse zusammen zu arbeiten. „Bei uns hielt ein Norovirus Einzug. Es starb niemand, aber wir lernten, transparent zu sein“, erinnert sich Hans-Walter Staudte. Noroviren sind auf der ganzen Welt verbreitet und zählen zu den häufigsten Erregern von nicht-bakteriell bedingten Magen-Darm-Erkrankungen.

Weil eine hohe Ansteckungsgefahr besteht, die Übertragung geschieht schon durch die Luft, wurden mehr als 800 Fälle im Krankenhaus bekannt. „Damals sprachen wir öffentlich über die ersten Fälle, über die Maßnahmen, die wir ergriffen haben. Unser Haus verlor kein Vertrauen bei den Patienten.“

Schwierig war, was hinter den Türen passierte. „Wir führten die pauschalen Abrechnungen der Patienten ein. Wir hatten Glück, dass ein Kollege aus Düsseldorf kam, der sich damit auskannte. Aber das brachte Unruhe ins Haus.“ Ein Haus, das modern werden musste.

„Unser Haus hat vor der Fusion sicherlich nicht schlechter dagestanden als das Knappschaftshaus“, sagt Dr. Ulrich Rietkötter. Das hatte Gründe, denn in Marienhöhe „wurde, jedenfalls in der Unfallchirurgie, die ich beurteilen kann, wirtschaftlich gearbeitet und investiert.

Dagegen fielen reichlich anfallende Überstunden unter Ausbildung ohne finanzielle oder zeitliche Vergütung“, sagt der gebürtige Bochumer, der das, ebenso wie seine Kollegen, nie bereute. „Als ich nach meinem Studium 1977 als Arzt begann zu arbeiten, hatte ich eine ganze Station. Wir haben uns fast gestritten, wer nach Dienstschluss anfallende Notfalleingriffe machen durfte, denn die Erfahrungen, die wir sammelten, konnte uns keiner mehr nehmen.“

Hochmoderne Methoden

In der Unfallchirurgie kamen ab 1980 durch den neuen Chefarzt Dr. Hartmut Engelbrecht immer neue hochmoderne Operationsmethoden dazu. Als einziger Assistenzarzt der Unfallchirurgie operierte Dr. Ulrich Rietkötter zusammen mit dem damaligen Oberart Dr. Manfred Ziemons. Mit all seiner Erfahrung macht er das auch noch heute. Mit immer anderen Operationsteams. Oftmals sind es Prothesen, künstliche Gelenke, die er operiert. „Junge Ärzte wechseln heute viel schneller die Stelle als früher. Wir operieren immer wieder mit anderen Teams“, erzählt der Oberarzt, der noch bis Ende des Jahres im MZ arbeitet.

Gearbeitet hat er unter einigen Geschäftsführern. Heute schätzt Dr. Rietkötter den Verdienst von Geschäftsführer René Bostelaar hoch ein. „Er hat endlich das operative Geschäft an einen Standort gelegt. Er hat in Marienhöhe investiert, in moderne Geräte und hat hervorragende Ärzte geholt. Heute muss nur noch alles zusammen wachsen und zu einer Einheit werden. Die Voraussetzungen zu einem erstklassigen Krankenhaus sind alle da.“

Erstklassig sind auch die neuen Zimmer und die Kaiser Karl Privatstation. „Früher lagen die Patienten zu viert auf 3-Bett-Zimmern. Das war jahrelang Standard. Das wäre heute gar nicht mehr denkbar“, urteilt Dr. Rietkötter.

Früher gab es viel mehr Kontakt zu den Patienten, hatten die Ärzte und das Pflegepersonal viel mehr Zeit. „Heute steht alles unter den Aspekten der Effizienz und Wirtschaftlichkeit.“ Das bedeutet auch, dass jeder im Krankenhaus nicht mehr Dienste macht bis zum Umfallen. „Früher kamen wir um 7.30 Uhr und sind gegangen, wenn die Arbeit fertig war. Das konnte durchaus bis 22 oder 23 Uhr sein“, sagt der fünffache Vater mit einem Lächeln auf den Lippen. „Heute wird darauf geachtet, dass wir möglichst keine Überstunden machen.“

Die Zeiten haben sich geändert. Für die Ärzte, für das Pflege- und für das Verwaltungspersonal. Dr. Rietkötter freut sich auf seinen Ruhestand, in dem sich Professor Staudte schon seit 2006 befindet.

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