„Ironman”: Tränen in den Augen am Ziel

Von: Thomas Vogel
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Feste und sehr, sehr lange in
Feste und sehr, sehr lange in die Pedale treten: Siglinde Koch auf der 180,2-Kilometer-Etappe in Florida.

Herzogenrath. Die Aufregung steigt schon Tage vorher auf, nimmt zu, je näher der Moment rückt. Für die Dinge ringsherum ist keine Aufmerksamkeit mehr da. Jetzt zählt nur noch eins: volle Konzentration. Ein Jahr, 365 Tage hartes Training - nur für diesen Augenblick.

7500 Kilometer von zu Hause entfernt ist es dann soweit. Und plötzlich scheinen die Nerven zu versagen. Siglinde Koch bekommt Panik, glaubt, sich nicht gut genug vorbereitet zu haben. Kurz überlegt sie, ihn nicht anzutreten: ihren ersten Ironman-Triathlon. 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen und alles an einem Stück, ohne Unterbrechung.

Was für die meisten nicht schaffbar und total verrückt klingt, ist für die Bundeswehrsoldatin eine Herausforderung. Aufgeben darf jetzt keine Option mehr sein. Schließlich sagt ihr Mann: „Du gehst jetzt da rein!” Und die 32-Jährige rennt los. Zusammen mit 2900 Menschen stürmt sie in den Golf von Mexiko. Um sie herum schäumt und brodelt es. Die Eindrücke sind überwältigend. Im Wasser legt sich endlich die Aufregung. Schnell entzerrt sich der Abstand zwischen den Hunderten gleichfarbigen Badekappen der Frauen und Männer, die durch den Ozean pflügen. Koch nimmt sich kurz Zeit, um die Eindrücke in sich aufzunehmen, krault vorbei an Quallen, Rochen und anderen Fischen.

Sehr hart trainiert

Dann die Disziplin, vor der sich die Sportlerin am meisten fürchtet: die Radfahr-Etappe. Doch der Tritt in die Pedale klappt von Beginn an ohne große Probleme. Die Amerikaner schalten wild durch die Gänge, Koch aber schaltet kaum. Das Training in Norddeutschland, wo sie derzeit stationiert ist, macht sich bezahlt. „Ich habe neben mir oft Kommentare aufgeschnappt wie very windy und mich gewundert: Es geht doch kaum Wind, kommt ihr mal an die Nordsee.”

Für den Wettkampf hatte sich Siglinde Koch penibel an einen festen Ernährungsplan gehalten - bis sie an einem Versorgungsstand vorbei läuft, an dem es Schoko-Cookies gibt. „Einer kann nicht schaden, hab ich mir gedacht. Bis zum Ziel sind es schließlich fünf geworden”, erzählt sie und grinst. Das Ziel? Sie hat es erreicht, hat die volle Distanz nach 13,30 Stunden hinter sich gebracht. Die letzten zwei Meilen ist sie fast gesprintet. Hinter der Ziellinie fällt die Anspannung ab. „Ich hatte eine Gänsehaut und Tränen in den Augen”, berichtet sie. „Da holt einen alles ein”.

Vor rund fünf Jahren hat die Sanitäterin mit der Ausdauersportart Triathlon in der Kurzdistanz begonnen. Als sie in Brunssum stationiert wurde, begab sie sich auf die Suche nach einem deutschen Verein. „Es war ein glücklicher Umstand, dass ich Simone Otten von der DJK Elmar Kohlscheid kennengelernt habe”, resümiert sie rückblickend. Ohne Simone Otten, da ist sich Siglinde Koch sicher, hätte sie den „Ironman” nie geschafft. „Simone hat mich auch schon mal härter angepackt. Das hat mir so viel geholfen und mich weitergebracht.”

Der DJK bleibt sie treu, auch wenn sie nicht mehr hier wohnt: „So eine tolle sportliche Heimat findet man nur selten”. Auch das liegt maßgeblich an Simone Ot-ten. Vor zehn Jahren hat sie die Triathlon-Abteilung bei der DJK aufgebaut und gibt seitdem ihre Erfahrung weiter, leistet viel mentale Arbeit. Das berichten auch Horst Zachow und Marcel Thiel unisono.

An der Belastungsgrenze

Beide wissen um die Faszination, sich auch an der körperlichen Belastungsgrenze immer wieder zu motivieren. „Für jeden, den diese Sportart interessiert, ist die Langdistanz ein Traum, den man für Geld nicht kaufen kann”, erklärt Thiel. Beide gehören zu den fünf Leuten bei der DJK, die sich diesen Traum erfüllt haben. Zachow hat erst mit 50 Jahren mit Triathlon angefangen. Mit 53 ist er in Köln zur Langdistanz angetreten und hat sie gemeistert, obwohl er mit Problemen zu kämpfen hatte.

„Nach 216 Kilometern habe ich Muskelverkrampfungen gespürt”, erzählt er. Dann ist es wichtig, kurz langsam zu machen und Elektrolyte und Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Marcel Thiel ging beim Osteeman-Triathlon in Glücksburg an den Start. Nach 11,18 Stunden ist er im Ziel angekommen. Im Moment hat der Würselener allerdings wenig Zeit für den Sport. Er ist frischgebackener Vater. „Für 2013”, so der 32-Jährige, „fangen aber die Füße aber schon wieder an zu jucken”.
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