Intensive Bild- und Klangsprache beeindruckt Zuhörer

Von: mas
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Die Musik unterstreicht die Textpassagen, obwohl sie manchmal auch gegenläufig ist: Aber immer sehr emotional ging es bei der Lesung von Willi Achten – begleitet von Hejoe Schenkelberg – im Alten Rathaus in Würselen zu. Foto: Sigi Malinowski

Würselen. Wie „hört“ sich der einsetzende Nachtnebel an? Der eine oder andere Zuhörer im Saal des Alten Rathauses in Würselen mag beim Umsetzen von Wort in Klang eine Gänsehaut bekommen haben. Als Willi Achten liest und Musiker Hejoe Schenkelberg leise aus seinem Akkordeon einen kalte aber doch wohlklingende Klangsequenz erzeugt.

Willi Achten, gebürtiger Mönchengladbacher und jetzt in Vaals lebend, stellt seinen jüngsten Roman vor. „Nichts bleibt“ ist ein Roman, der die Geschichte des Kriegsfotografen Franz Mathys beschreibt. Achten, der Niederrheiner, hat dabei mit seinem engagierten Musiker Schenkelberg – er sprang für den verhinderten Heribert Leuchter ein – so etwas wie eine mitreißende Atmosphäre geschaffen.

„Wir sind zwar im ersten Kapitel, aber doch schon mittendrin“, liest Willi Achten und beschreibt die Beziehung, die der Kriegsreporter zu seinem Sohn, zu seinem Vater, zu verschiedenen Frauen und zu den schrecklichen Geschehnissen in den Kriegsgebieten hat, die er aufarbeitet.

Dabei beruft sich Willi Achten auf eine wahre Geschichte, hinter der Warsameh (ein Asiate) als Person steht. Aus Warsameh hat er Franz Mathys als Protagonisten entstehen lassen.

Den Tränen nahe

Der Roman bringt, so fühlt sich das auch im Alten Rathaus an, die Zuhörer in manchen Passagen an den Rand des Erträglichen heran. Beispielsweise, als Willi Achten beschreibt, wie Mathys‘ Vater von zwei gewaltbereiten Männern getötet wird und der Sohn sich dafür an dem Duo rächt.

An anderen Stellen, wiederum sehr gefühlvoll in der Musik Schenkelbergs umgesetzt, stellt Achten die Träume seiner Hauptperson in Verbindung mit Wünschen und Gefühlen tief eindringend dar. Eine Zuhörerin ist bei der Beschreibung eines angeschossenen, kriechenden und blutenden Hundes den Tränen nahe, als sie ihrem Begleiter zuflüstert: „Emotional ist das kaum noch zu verarbeiten.“

Dann sind da die Momente gesprochener Bilder, in denen der Autor von der Sehnsucht Mathys‘ erzählt, der kaum mit dem Verlust seines Sohnes klarkommt. Dieser lebt seit einem Unfall bei der Mutter. Schriftsteller Willi Achten hat eine eigene Sprachschöpfung entwickelt. Wie beispielsweise in der Satzkonstruktion: „In der Luft lag der Klang des Frostes“. Diesen Klang wiederum „übersetzt“ Hejoe Schenkelberg musikalisch.

Schluss wird nicht verraten

Fast eineinhalb Stunden bleibt es bei der Lesung im Alten Rathaus bei dieser Mischung zwischen Spannung und Auflösung. Ohne, dass der Schluss verraten wird. Dazu muss das Buch ganz gelesen werden. Erhältlich beispielsweise in der Buchhandlung Schillings. Sie richtete die Lesung gemeinsam mit dem Förderverein Stadtbücherei Würselen aus.

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