Würselen - Integration: Faez und Fersita wollen endlich arbeiten

Integration: Faez und Fersita wollen endlich arbeiten

Von: Karl Stüber
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Die Afghanin Fersita Erfany hat Erfahrungen in der Adlerapotheke bei Stephanie Hohle gesammelt. Foto: Karl Stüber
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Praktika in Würselen mit viel Engagement absolviert: Der Syrer Faez Jean hat bei Max Breuer in der Kaiserapotheke Einblicke gewonnen Foto: Karl Stüber

Würselen. Der Syrer Faez Jean und die Afghanin Fersita Erfany wollen unbedingt in Deutschland Fuß fassen und anderen nicht zur Last fallen. Sie wollen arbeiten und nach ihrer Flucht vor Krieg und Leid hierzulande selbst aufkommen, sagen sie im Gespräch mit unserer Zeitung – und handeln danach.

Sie sind der Stadt Würselen zugewiesen worden und haben dort dank Vermittlung des Vereins Förderkreis Asyl Würselen in zwei Apotheken mehrwöchige Praktika absolviert. Und sie pauken eifrig Deutsch als Grundlage für weitere Bemühungen, um auf dem Arbeitsmarkt anzukommen.

Apotheker Max Breuer hat gerade eine Nacht Notdienst in der Kaiserapotheke hinter sich, ist aber schon wieder im Geschäft. Brigitte Seidel vom Förderkreis Asyl hat Faez Jean und Breuer zusammengebracht. „Ich halte es für eine Selbstverständlichkeit, sich zu engagieren“, sagt der Apotheker. „Es ist kein Hexenwerk, dabei zu helfen, Menschen zu integrieren.“ Das bedeute auch, aufeinander einzugehen. „Ich habe beim Bewerbungsgespräch mit Faez Jean wohl viel zu schnell gesprochen. Da muss man aufeinander Rücksicht nehmen und geduldiger sein – und dann funktioniert das auch mit der Verständigung“, sagt er und lobt, wie gut der Syrer schon Deutsch spricht und versteht, auch wenn es (noch) nicht so schnell zugeht.

Ob unsereins so flott die Sprache lernen würde, die im syrischen Aleppo gesprochen wird, wo der Flüchtling zuvor lebte? Ach ja, Aleppo, das derzeit zerbombt wird. Zum Glück ist die Familie des Syrers nicht mehr dort. Frau und drei Kinder befinden sich im Libanon. Das Leben dort sei aber teuer, sagt der 40-jährige Faez Jean und will seine Familie unbedingt unterstützen. Er will arbeiten, Geld verdienen, sie nachholen. In der Kaiserapotheke hat der Syrer, der in Damaskus ein Architekturstudium begonnen hatte, im Back-Office-Bereich, also nicht in vorderster „Kundenfront“ mitgearbeitet. „Da geht es um den wichtigen Bereich Warenwirtschaft und Lagerhaltung sowie Rechnungswesen“, erläutert Apotheker Breuer.

Beispielsweise muss angelieferte Ware kontrolliert, ausgezeichnet und ins Ausgabesystem eingespeist werden. Eine verantwortungsvolle Aufgabe. In dem dreiwöchigen Praktikum hat sich Faez Jean gut geschlagen, wird ihm bescheinigt. Der Tätigkeitsbereich entspricht in etwa der eines Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten (PKA). Eine duale Ausbildung. Breuer wünscht sich, dass an Berufskollegs beschleunigt Sprachmodule angeboten werden, in denen Deutsch als „Fremdsprache“ vermittelt wird, um Auszubildende mit Migrationshintergrund fit zu machen.

Brigitte Seidel sagt, dass ihr Schützling bald eine Aufenthaltserlaubnis mit damit verbundenem Ausweis erhält – als Grundlage für weitere Sprachkurse und mehr. Sie bedauert, dass dies oft lange dauert und aufgrund unzureichender Finanzierung von Sprachkursen Flüchtlinge zu lange zur Untätigkeit verurteilt sind, obwohl sie unbedingt Leistung zeigen und bringen wollen. Deutschlands Wirtschaft boomt, Arbeitskräfte sind gefragt, auch für Apotheken.

Schulgeld sorgt für Probleme

Max Breuer macht darauf aufmerksam, dass es in einem zweiten Ausbildungsberuf für Apotheken beim qualifizierten Nachwuchs eng werden könnte. Es geht um PTA. Das Kürzel steht für Pharmazeutisch-technische(r) Assistent(in). Hier müsse nach Zurücknahme des finanziellen Engagements des Landes der Auszubildende zum Besuch einer Fachschule Geld aufbringen und so Mittel aus seiner Ausbildungsvergütung dafür abzweigen. Das tue weh und sei ungerecht gemessen an anderen Ausbildungsberufen, bei denen kein Schulgeld berappt werden muss, sagt Apotheker Max Breuer.

Und es führe aus seiner Sicht dazu, dass junge Leute sich eher Berufen zuwenden, in denen sie nicht für ihre Ausbildung zahlen müssen. Breuer sagt, dass er dies durch Minijobs in seiner Apotheke aufzufangen versuche – etwa durch Arbeit samstags. Mit dem so gezahlten Geld könne der/die Auszubildende die Ausbildung finanziere. Das werde gern genutzt.

PTA möchte Fersita Erfany werden. Sie hat in der Adlerapotheke ein Praktikum bei Stephanie Hohle absolviert. „Ich bin von Brigitte Seidel und zwei Kundinnen, die Flüchtlinge in Deutsch unterrichten, darauf angesprochen worden, ob ich nicht ein Praktikum bei mir im Hause ermöglichen kann“, sagt Hohle. „Wir nehmen ohnehin gerne Schülerpraktikanten“, habe sie Bereitschaft signalisiert. Hohle hat früher an einer Berufsschule in Aachen unterrichtet, kennt sich also bestens mit der Förderung von Nachwuchskräften aus. „Es ist für unseren Berufsstand sehr wichtig, gute Leute zu finden“, sagt sie.

Fersita Erfany ist Feuer und Flamme. Das Praktikum habe ihr Spaß gemacht, erzählt sie. Die 26-Jährige lebt seit zwei Jahren mit ihrem Mann und der Schwiegermutter in Würselen. Ein Freund habe sie auf das Berufsfeld Apotheke aufmerksam gemacht. Sie hat einen Ausweis bekommen, kümmert sich nun mit Hilfe des Förderkreises Asyl um die Teilnahme an weiteren Sprachkursen. Zum Aufgabengebiet eines/r PTA gehört Laborarbeit, das Prüfen der eingehenden Stoffe, aus denen zum Beispiel nach ärztlicher Anordnung spezielle Salben hergestellt werden.

Gerne würde Fersita Erfany Kunden bedienen. Aber da ist der Weg noch weit, muss neben fachlichem Können auch weitere Sprachkompetenz erarbeitet werden. Laut Seidel könnten zur schnelleren Einübung der neuen Sprache ehrenamtliche Begleiter beitragen. „Da geht es darum, aktiv zu sprechen und umgangssprachliche Begriffe zu lernen, die über das normale Schuldeutsch hinausgehen. Das wäre wichtig für den täglichen Umgang.“

Apothekerin Hohle hat innerhalb von drei Wochen einen guten Eindruck von ihrer Praktikantin gewonnen: „Sie wird ihren Weg machen.“

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