Integration: Einsatz für diejenigen, die durch alle Netze fallen

Von: Sara Morrhad
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Der alte und der neue Stipendiat mit den Unterstützern: Abdulwahab Karimi (vorne r.) und Michel Dib (v.M.) mit Sascha Derichs (v.l.) und Klaus Spille vom Verein Partner für Bildung sowie Waltraud Pennartz und Jana Blaney (h.r.) von der VHS. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Der Afghane Abdulwahab Karimi und der Libanese Michel Dib haben eines gemeinsam: Beide wollten sie als Geflüchtete einen Integrationskurs besuchen und damit den ersten Schritt in Richtung einer beruflichen Zukunft in Deutschland gehen. Doch wegen ihrer Nationalitäten durften sie nicht teilnehmen, denn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert den Kurs ausschließlich Menschen bestimmter Herkunft.

Auch die Selbstfinanzierung entpuppte sich für beide als schier unmöglich, denn um eine Arbeitsstelle zu bekommen, die die Kurskosten von rund 2730 Euro deckt, sind ausreichende Deutschkenntnisse nötig.

Als die VHS von dem Teufelskreis erfährt, in dem sich Michel Dib 2016 wiederfindet, wendet sie sich an den Verein Partner für Bildung e.V. Nachdem die VHS damals Michel Dibs Geschichte erzählt, beschließt der Verein sich seines Problems anzunehmen. Im Alter von 14 Jahren flüchtete Michel Dib vor dem Bürgerkrieg mit seiner Familie nach Syrien, wo er selbst eine Familie gründete. In Amerika studierte er Informatik und war lange Jahre als Computer Consultant in Syrien tätig.

Nach einer erneuten Flucht, diesmal nach Deutschland, erhielt seine syrische Frau eine Berechtigung zur Teilnahme an einem Integrationskurs. Michel Dib aufgrund seiner libanesischen Staatsangehörigkeit allerdings nicht. Um dem in Baesweiler lebenden Ehepaar nun eine gemeinsame Teilnahme zu ermöglichen, finanzierte der Verein Partner für Bildung Michel Dib den Integrationskurs an der VHS in Alsdorf.

Ähnlich war es in dem Fall des 31-jährigen Abdulwahab Karimi. Er besitzt zwar die afghanische Staatsangehörigkeit, lebte jedoch nach eigenen Angaben von Geburt an im Iran, wo er bisher immer im Bau tätig war. Vor 21 Monaten kam er nach Deutschland und wohnt mittlerweile mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Würselen. Seit Mai bietet der Verein nun auch Abdulwahab Karimi mit einem Stipendium die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Integrationskurs.

Michel Dib hat mittlerweile den mündlichen Teil seines Integrationskurses abgeschlossen und wünscht sich mit Blick auf die Zukunft, nach den nötigen Weiterbildungen, in der IT-Branche tätig bleiben zu können. Abdulwahab Karimi hat sich zum Ziel gesetzt, in den pädagogischen Bereich zu wechseln und Soziale Arbeit zu studieren. Um das erreichen zu können, möchte er zunächst den Integrationskurs mit dem Sprachniveau B1 abschließen, der ersten Stufe der selbstständigen Sprachanwendung. Künftig plant er weitere Deutschkurse, bis er das für das Studium nötige C1-Niveau erreicht hat.

Für den Verein stellen die beiden mit ihrer Geschichte zunächst Ausnahmefälle dar, man gehe allerdings davon aus, dass es durchaus noch weitere Fälle dieser Art gebe.

Der Verein Partner für Bildung widmet sich insbesondere der Förderung von Projekten, die zur Bildungsbeteiligung in der Städteregion Aachen beitragen, für die allerdings keine staatlichen Mittel zur Verfügung stehen. „Was die Verwaltung nicht kann, das wollen wir mit Hilfe des Vereins möglich machen“, sagt Sascha Derichs, Geschäftsführer des Vereins Partner für Bildung und Leiter des Bildungsbüros der Städteregion Aachen.

Auf Spenden angewiesen

Die Angliederung des Vereins an das Bildungsbüro vereinfacht die Arbeit vor allen Dingen hinsichtlich verwaltungstechnischer Abläufe. Finanziert wird der Verein aus Spenden, weshalb er auch immer auf Starthelfer und Unterstützung in Form von Spenden angewiesen ist.

Gespendet werden kann auf das folgende Konto: Sparkasse Aachen, IBAN: DE31 3905 0000 1070 7468 45; BIC: AACSDE33; Kontoinhaber: Partner für Bildung e. V.

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