Freizeittipps

Inklusion: „Die Lehrer fühlen sich ein wenig alleingelassen“

Von: mabie
Letzte Aktualisierung:
6875519.jpg
„Beim Thema Inklusion sind noch nicht alle Felder bestellt!“ Karl-Josef Laumann (r.), sprach darüber mit Rodas Bürgermeister Christoph von den Driesch.

Herzogenrath. Das neunte Schulrechts-Änderungsgesetz bietet auch in Roda viel Raum für Diskussionen. Denn darin ist das Thema „Inklusion“ enthalten, das für abendfüllende Diskussionen auch mit Politikern und Pädagogen sorgen kann.

Dem Austausch stellten sich Bürgermeister Christoph von den Driesch und der nun ehemalige CDU-Landesfraktionsvorsitzende Karl-Josef Laumann bei einer regen Runde mit rund 50 Gästen in der Roda-Schule.

Von den Driesch stellte auch angesichts der angespannten Haushaltslage gleich die Frage nach den mit der Inklusion verbundenen Fahrtkosten für Schüler. Derzeit sei für ihn „keine ausreichende Grundlage erkennbar, was passiere, wenn mehr Schüler aufgrund der inklusiven Beschulung gefahren werden müssen“. Zudem machte er bei Lehrern wie Eltern Verunsicherung aus, die sich auch in „unklaren Ausbildungshintergründen der für die Inklusion geforderten Pädagogen“ niederschlage. „Die Lehrer fühlen sich ein wenig alleingelassen

Für Diskussionspartner Laumann war die Bildungspolitik nicht nur „die Königin der Sozialpolitik“, sondern bereite als vernünftig betriebene Inklusion in der Schule auch die spätere Inklusion von Menschen mit einer Behinderung am Arbeitsplatz vor. Er lobte dabei die bislang geleistete Arbeit in einem seiner Ansicht nach gut aufgebauten Fördersystem.

Was ist wirklich wichtig?

In Sachen Inklusion sah Laumann aber noch zu viele Felder als nicht bestellt an. „Ich kann Ihnen nicht genau sagen, was wirklich wichtig ist, aber ich bin fest davon überzeugt, dass es Kinder gibt, die eine Förderung brauchen.“ Die Frage nach der Inklusion war für ihn keine ideologische, sondern eine praktische, die auch beinhalte, welche Schulformen über die Umsetzung der Inklusionspläne hinaus Bestand haben. „Bei Förderschulen für Kinder mit einer geistigen Behinderung mache ich mir die wenigsten Sorgen“, sagte Laumann. Anders sehe es mit Lernbehinderungen aus, da hier im Bereich der Sekundarstufe eins 112 Schüler pro Schule und im Berufsschulbereich schon 144 Kinder benötigt wurden, um den bisherigen Betrieb aufrechtzuerhalten. Neben den zu erfüllenden Zahlen machte er noch ein anderes Problem aus: die zeitnahe Erkennung des Förderbedarfes.

„Meine Sorge ist, dass bei vielen Kindern der Förderbedarf in den ersten drei Schuljahren nicht mehr festgestellt wird“, so Laumann. Die Kombination mit den geforderten Schülerzahlen könne so zu einem Domino-Effekt führen, der gerade Förderschulen in ländlichen Gebieten in ihrem Bestand gefährden könne. Der Lösungsansatz könnte laut Laumann so aussehen, dass das inklusive und das bisherige Schulsystem eine Zeit lang parallel geführt werden, um Erfahrungen zu sammeln. Die Kirche im Dorf lassen wolle er auch in Sachen Barrierefreiheit der Schulen. „Wenn wir in jeder Stadt von jeder Schulform eine Schule barrierefrei haben, sind wir schon einen großen Schritt weiter“, schloss er. „Dazu kommt, dass wir immer wieder ein Problem damit haben, als Region überhaupt Sonderpädagogen zu bekommen, wenn wir sie brauchen“, ergänzte von den Driesch.

Die Zuhörer gaben den Politikern aber noch auf den Weg, nicht in Ideologien zu denken, sondern an die Kinder. „Wer einmal in einem Sondersystem ist, hat es sehr schwer, es wieder zu verlassen“, wie ein Gast bemerkte.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert