Inklusion als Schwerpunkt: Malecha will ins Landesparlament

Von: Verena Müller
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Vor der Werkstatt für Kunst und Kultur „Aber Hallo“: Eva Maria Malecha (27) will für die Grünen ins Landesparlament einziehen. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Wenn man so will, war der Weg von Eva Maria Malecha in die Politik vorbestimmt: Der Vater, Hartmut Malecha, saß für die Grünen erst in Würselen im Stadtrat und gehört heute zu den Alteingesessenen im Alsdorfer Pendant. Die Mutter, Magdalena Malecha, hat die ersten integrativen Kitas in Alsdorf mitgegründet.

Das hätte für Eva Maria Malecha so oder so ausgehen können: entweder totale Ablehnung oder eben von Kleinauf dabei. Letzteres war der Fall. „Es gibt ein prägendes Erlebnis, von dem mein Vater noch heute erzählt“, sagt die 27-Jährige. Hartmut Malecha hatte seine Tochter mit in den Stadtrat genommen, zu den Haushaltsdebatten.

Eva Maria, damals zwei Jahre alt, saß auf dem Boden und malte mit dem Fuß. Als der Stift auch den Teppich zu „dekorieren“ drohte, nahm Hartmut Malecha der Tochter den Stift ab. Die Reaktion kann man sich leicht ausmalen. „Nein!!!“, brüllte das Kleinkind mitten in die Rede der CDU. „Das war die Stimme des Volkes“, lautete der Kommentar des damaligen Bürgermeistern, Martin Schulz. Hartmut Malecha erzählt heute gerne, von da an gewusst zu haben, dass die Tochter einmal in seine Fußstapfen treten würde.

Oder besser gesagt: ihn überholt. Denn den Stadtrat streifte sie nur kurz, um 2009 Städteregionstagsmitglied zu werden und nun , kurz vor Ende ihres Masterstudiums, für die Grünen den Einzug in den Landtag anzustreben.

„Für mich ist es normal, dass man sich engagiert“, sagt die Studentin. Jugend, Bildung und Inklusion sind Themen, die ihr dabei naturgemäß wichtig sind. „Inklusion auch deshalb, weil es mich selbst betrifft, aber es geht nicht nur darum, auf die eigenen Barrieren zu achten, sondern auch die der anderen zu kennen“, erläutert sie. Ob man nun behindert ist oder nicht. Denn: Teilhabe am Leben zu ermöglichen und die individuelle Förderung aller Menschen liegen ihr am Herzen. Das betreffe nicht nur die Bildung, sondern auch die Freizeitgestaltung oder die politische Teilhabe.

Dabei müssten die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht zwingend verändert werden. „Es geht mir in erster Linie um eine Sensibilisierung. Wenn man es gewohnt ist, damit umzugehen, muss man sich um Gesetze nicht mehr kümmern“, findet sie. Es sei zwar inzwischen normaler geworden, Behinderte zu sehen, aber angeguckt werde man immer noch.

Deshalb gibt es zwischen ihr (oder dem Programm der Grünen) und der CDU einen unüberwindbaren Graben: „Die CDU glaubt, dass es gut ist, wenn Behinderte in einem abgeschlossenen System aufwachsen. Also an Förderschulen. Ich bin für eine Öffnung. Eine individuelle Förderung und einen geschützten Raum muss es geben, ja. Aber keine Abschottung.“

Umdenken sei hier angebracht. Statt Kinder von Förderschulen auf normale Schulen zu schicken, sollten die Förderschulen für andere Kinder geöffnet werden. „Die haben die Räume, das Personal und das knowhow.“ Und: „Auch andere Kinder haben Vorteile von der Inklusion.“

Ein gelungenes Beispiel für ein perfektes Miteinander ist aus ihrer Sicht die Werkstatt für Kunst und Kultur „Aber Hallo“ in Alsdorf-Busch. Hier ist Eva Maria Malecha quasi groß geworden. „Von den kunstpädagogischen Zeichenkursen bis hin zu Ferienworkshops“, sagt die Studentin. „Alle Kinder konnten kommen, und es ist nicht aufgefallen, wer wer ist.“

Natürlich liegen Malecha auch Natur- und Klimaschutz am Herzen – in ihrer Partei wäre alles andere undenkbar – und traditionell liegt sie deshalb auch mit der SPD in puncto Braunkohle über Kreuz. Aber sie betont: „Inhaltlich muss man sich streiten, persönlich aber gut miteinander auskommen können.“ Das habe sie auf lokaler und städteregionaler Ebene gelernt und will das auch auf Landesebene fortführen.

Wie Ausschüsse funktionieren, wie man Anträge schreibt – überhaupt politische Prozesse – seien ja auf allen Ebenen vergleichbar, „aber wie man mit Themen umgeht, ist im Landtag dann doch etwas anderes“, denkt sie. Mit „lebensfroher Tatkraft wolle sie an diese Herausforderung herangehen. „Ich habe einen totalen Spaß an Politik und gehe darin auf. Ja, manchmal ist es viel – gerade jetzt, wo der Haustürwahlkampf begonnen hat. Aber ich mache das gerne und schaffe das auch.“

Und wie schätzt sie ihre Chancen ein, einen Sitz im Landesparlament zu erhalten? „Listenplatz 37 ist nicht unmöglich, aber auch nicht ganz sicher“, sagt sie.

Eva Maria Malecha, geboren 1989, wuchs die ersten vier Jahre in Würselen auf, bis die Familie nach Alsdorf zog. In Busch besuchte sie die Grundschule und in Würselen das Heilig-Geist-Gymnasium. Warum nicht das Alsdorfer Gymnasium? Wegen der Treppen.

Nach dem Abitur nahm sie an der RWTH Aachen ihr Studium der Politikwissenschaften und Philosophie auf. Ihre Masterarbeit hat das Thema „Politische Teilhabe von Menschen mit Behinderung in Deutschland“.

Zum Jahresende will sie ihren Abschluss haben. Sie ist im Rahmen ihres hochschulpolitischen Engagements unter anderem Beauftragte für die Belange behinderter und chronisch kranker Studierender der RWTH.

Politische Aktivitäten: 2006 Mitgründerin der Grünen Jugend im Altkreis Aachen; 2006 bis 2009 Sprecherin der Grünen Jugend; 2007 bis 2009 sachkundige Bürgerin im Jugendhilfeausschuss der Stadt Alsdorf; seit 2009 Städteregionstagsmitglied (Fraktionssprecherin im Kinder- und Jugendhilfeausschuss, Mitglied im Ausschuss für Schulen und Bildung, Mitglied im Frauenforum und Vorsitzende des Inklusionsbeirats); 2015 bis 2017 Mitglied des Kreisvorstands.

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