Alsdorf - Ingo Appelt: „Comedy ist ein Dienstleistungsangebot“

Ingo Appelt: „Comedy ist ein Dienstleistungsangebot“

Von: Elisa Zander
Letzte Aktualisierung:
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War bereits 2010 in der Stadthalle zu Gast: Ingo Appelt. Jetzt kommt er wieder und hat neue Erkenntnissen im Gepäck. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Frei nach dem Gebot „Liebe deine Nächste“ „predigt“ Ingo Appelt am Mittwoch, 12. Februar, in der Stadthalle Alsdorf. Warum er ein ambivalentes Verhältnis zum eigenen Geschlecht hat, warum Frauen mit ihren Männern ins Kabarett gehen und welche Chancen die Frauenquote bringt, erzählte er vorab im Interview.

Frauen sind Göttinnen – wann und wie sind Sie denn zu dieser Erkenntnis gelangt?

Appelt: Ich habe da lange dran gearbeitet. 25 Jahre. Ich habe eher den Ruf eines Schmuddel-Kopps, eines Männer-Witzemachers. Dann sagen die Frauen: Wir gehen lieber zu Dieter Nuhr, der ist viel netter. Also drehe ich das radikal um. Ich bin ein Wanderprediger, der Messias der Weiblichkeit und der Martin Rütter des Mannes, der ihm sagt: Streng‘ dich an!

Sind Sie ein Frauenversteher?

Appelt: Absolut. Und zwangsläufig. Wenn man mit Frauen zusammenlebt, muss man sie verstehen. Wenn man sich anguckt, wie viele Junggesellen es gibt das zeigt, dass sie immer weniger Bock auf Beziehungen und Kinder haben. Ich habe zwei Beziehungen in meinem Leben in den Sand gesetzt. Das finde ich sehr traurig.

Mit Ihrem Programm sind Sie seit 2011 unterwegs. Warum die lange Tourzeit? Oder hat sich das Programm zwischendurch geändert?

Appelt: Es ändert sich viel. Es ist ja eine These, ich bin wie ein Therapeut. Ich erzähle genau, wie die Kommunikation zwischen Mann und Frau funktioniert. Ein Mann kann nicht einfach sagen, was er denkt. Denn er merkt, dass die moralische Latte der Frau viel höher hängt. Sobald die Frauen das Sagen haben, sind wir Männer ganz raus. Wenn ich als Mann einer Frau auf den Arsch gucke, bin ich sexistisch. Wenn Frauen in der Werbung den Männern auf den Arsch hauen, ist das lustig.

Weil es sehr lange andersherum war?

Appelt: Es war Jahrtausende anders. Männer neigen tendenziell dazu, Prinzen zu sein. Mütter erziehen einen Jungen dazu. Die Frau ist die Löwin zu Hause und geht mit ihrem Mann auch so um. Bei ihrem Sohn macht sie das nicht.

Also sind doch die Frauen Schuld?

Appelt: Nein, Schuld ist nicht richtig. Die Frauen machen das im Grunde schon richtig, aber man muss Jungs auch anders erziehen. Ich sehe das bei meinen eigenen Kindern. Ein Mädchen zu erziehen, ist einfach anders. Da geht es um Selbstbewusstsein, Lernen.

Mario Barth, Michael Mittermeier, Dieter Tappert als Paul Panzer – überall geht es um Frauen und/oder die Beziehung zwischen Mann und Frau. Ist nicht langsam alles erzählt?

Appelt: Es kann schon sein, dass alles erzählt ist, aber es wird nicht besser! Die Frauen haben ein Siegesgefühl. Die Männer sind so verschüchtert, das ist wirklich lustig. Männer müssen auch immer etwas tun, um Frauen zu gefallen. Wenn sie einen Mann beeindrucken wollen, bauen sie scheiße. Sie werfen Steine von einer Autobahnbrücke, zünden sich mit einem Sprengstoffgürtel an – ich habe da ein ambivalentes Verhältnis zu meinem eigenen Geschlecht.

Warum, denken Sie, zieht das Thema immer noch Scharen an Publikum in die Hallen?

Appelt: Frauen langweilen sich mit ihren Männern zu Tode. Die Frau will das Dschungelcamp gucken, Shopping-Queen, Germanys next Topmodel – das findet der Mann alles langweilig. Also geht man ins Theater oder ins Kabarett. Und da sind solche Themen ganz gut. Comedy ist mittlerweile ein Dienstleistungsangebot für Frauen.

Wo ist Ihre Schmerzgrenze bei Pointen?

Appelt: Ich bin ein Weltmeister darin, das auszutesten. Das ist das, was mir gefällt und was mich gefährlich macht. Meint er das ernst oder nicht? Bei mir ist permanenter Zweifel angebracht.

Was halten Sie eigentlich von der Frauenquote?

Appelt: Das muss sein. Allein wenn ich in die Politik schaue, haben wir da viel zu wenigen Frauen, auch bei uns, ich bin ja Sozialdemokrat. Die SPD ist eine von alten Männern regierte Partei mit wenigen Frauen. Und damit sind wir zum Tode verurteilt. Aber wie bekomme ich Frauen in die Politik? Das ist das gleiche Problem wie in der Wirtschaft.

Was müsste denn passieren für die Frauen, für die Emanzipation?

Appelt: Das ist die Frage, wie man Emanzipation versteht. Grundsätzlich führt Emanzipation dazu, dass Männlichkeit entmachtet wird. Wenn man sich das anschaut: Die emanzipiertesten Länder, sind die friedlichsten. Die größte Gewaltrate ist da, wo Frauen unterdrückt werden. Oder wenn ich an die Hitzlsperger-Debatte denke – wie entsetzlich! Die Männer trauen sich nicht, sich zu outen, weil sie Angst vor ihren männlichen Fans haben. Männer sind total intolerant und Schwulenfeindlichkeit ist leider ganz weit verbreitet.

Im Moment gibt es viel Comedy – auf der Bühne, im Fernsehprogramm – wie geht es weiter mit der Comedy-Szene?

Appelt: Ich habe das Gefühl, es kommt nicht viel nach. Es verlagert sich viel ins Internet. Es gibt fast nur noch Personality-Shows. Und wenn ich gucke, wo ich auftrete, bin ich eher in Kabarettzentren unterwegs.

Wenn Sie am Mittwoch nach Alsdorf kommen, stehen Sie nicht zum ersten Mal auf der Bühne der Stadthalle. Für diejenigen, die vielleicht noch kein Ticket haben: Warum lohnt sich der Abend? Sind Sie live anders als im Fernsehen?

Appelt: Ich habe den Eindruck, die Leute haben eine völlig falsche Vorstellung von mir. Man muss keine Angst haben vor mir. Also: Nehmt eure Männer, meine Damen, schleift sie in die Halle, der Martin Rütter der Männer kommt und erklärt, wie es richtig geht. Ich hab‘ es ja auch gelernt.

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