Individuelle und öffentliche Mobilität: Erfolgsmodelle auf Kurs bringen

Von: Stefan Klassen
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Stillgelegtes Gleis bei Siersd
Stillgelegtes Gleis bei Siersdorf: Wird hier einmal die Euregiobahn nach links Richtung Baesweiler und Setterich fahren? Foto: Archiv (2), Stefan Klassen, Karl Stüber

Nordkreis. Der Blick von der alten Halde auf die neue Trasse macht deutlich: Es geht voran mit der Bundesstraße 57neu, der Ortsumgehung von Baesweiler. Wer von der Anhöhe im Carl-Alexander-Park gen Übach-Palenberg hinunterblickt, sieht die Arbeiter am zweiten Bauabschnitt werkeln.

Der erste, die Umfahrung Setterichs, ist bereits seit einem Jahr fertig. Allerdings hält sich dort der Verkehr derzeit noch in Grenzen. Die Autofahrer warten offenbar auf den Lückenschluss zur L 240n Richtung Alsdorf sowie den Bau der L 50n, die von Setterich aus auf direktem Wege zur Autobahn 44 (Anschlussstelle Aldenhoven) führen soll.

Auf jeden Fall soll künftig der Durchgangsverkehr aus Setterich und Baesweiler herausgehalten und die B 57 (Hauptstraße/Aachener Straße) zurück- und umgebaut werden. Frei nach dem Motto: weniger Verkehr gleich mehr Attraktivität für Anwohner, Kunden und Einzelhändler.

Doch gehen solche Rechnungen auf? Was ist, wenn Interessenkonflikte zwischen dem Streben nach verbesserter Infrastruktur einerseits und der Ökologie andererseits bestehen - siehe kürzlich die Diskussion um die B 258n in Herzogenrath? Und macht es angesichts horrender Energiepreise und der Klimadiskussion nicht Sinn, den Öffentlichen Nahverkehr zu stärken anstatt neue Umgehungsstraßen zu bauen? Sind Bus- und Bahnverbindungen im Nordkreis im Wettbewerb mit dem Individualverkehr konkurrenzfähig genug? Was ist gut für die Bürger? Sagen Sie ihre Meinung, diskutieren Sie mit!

Die Richtung ist im Nordkreis jedenfalls seit einigen Jahren klar vorgegeben: Der Schienenverkehr feiert mittels der Euregiobahn in der nördlichen Städteregion ein fabelhaftes Comeback. Der Ringschluss von Alsdorf gen Stolberg ist in Sicht, und auch Baesweiler hofft auf den Anschluss ans Schienennetz. Letzterer wird derzeit von Fachleuten auf seine Finanzier- und somit Machbarkeit geprüft. Zur Diskussion stehen vor allem zwei Streckenvarianten: eine neue von Herzogenrath Richtung Carl-Alexander-Park und Baesweiler Gewerbegebiet, eine andere - über teils vorhandene Trasse - von Alsdorf über Kellersberg und Siersdorf nach Baesweiler/Setterich.

Klar ist allen beteiligten Akteuren von Politik bis Nahverkehrsunternehmen, „dass es sich um kein Wunschkonzert handelt”, sondern „auch und vor allem eine Kostenfrage ist”, wie etwa Hendrik Schmitz (CDU), Landtagsabgeordneter aus Baesweiler, präzisiert. Welche Variante erreicht mehr Menschen, hätte mehr Fahrgäste, würde sich am ehesten rentieren?

In den Stadtgebieten Herzogenrath und Alsdorf ist die Euregiobahn jedenfalls ein Erfolgsmodell, das niemand mehr missen möchte und nun auch in Baesweiler Begehrlichkeiten weckt. Unterdessen gibt es auch in Würselen noch eine alte Trasse aus Richtung Merzbrück entlang der Wilhelmstraße Richtung Markt, Stadtgarten und Aachen. Doch dort entlang sollen künftig Fahrräder rollen, plant die Städteregion. Allerdings ist die Finanzierung des Premium-Radwegs, der quer durch die Region und über ebendiese Trasse führen soll, noch nicht geklärt.

Klar ist in der Düvelstadt unterdessen, dass die Sebastianusschleife im Herzen der Innenstadt ausgebaut werden soll. Noch fehlt allerdings die Zusage für eine Geldspritze vom Land, ohne die nichts läuft, wie Stadt-Sprecher Bernd Schaffrath betont. „Der Bescheid steht noch aus.” Falls alles glatt gehe, könne 2013 mit der Neugestaltung von Sebastianusstraße, Wilhelm- und Friedrichstraße begonnen werden.

An zentraler Stelle soll sich auch in Alsdorf etwas tun, sagt Bürgermeister Alfred Sonders. An der Kreuzung Luisenstraße/B 57 „soll der Verkehrsfluss durch neue Rechtsabbiegespuren verbessert werden”. Und er hat zudem im Blick: Die Fortführung der Euregiobahn über den Bahnhof Maria-grube. „Dieses Projekt ist bedeutsam, weil damit ein großer Stadtbezirk, die Altgemeinde Mariadorf-Hoengen, mit immerhin rund 20.000 Einwohnern, noch besser angebunden werden soll.

Außerdem werden die Gewerbegebiete Industriepark, Werner-von Siemens-Straße und die IGA durch die Trassenfortführung Richtung Aldenhoven noch besser erreichbar.” Was eine Weiterführung angehe, gebe Alsdorf der Variante Kellersberg/Siersdorf/Setterich den Vorzug. Diese Streckenführung sei wirtschaftlicher und „bindet wesentlich mehr Menschen ans Gleis an als die Baesweiler Alleinlösung”.

In Herzogenrath ist man da schon wesentlich weiter. „Wir sind in allen drei Stadtteilen gut aufgestellt”, sagt Bürgermeister Christoph von den Driesch, was die Euregiobahn betrifft. Und die Attraktivität der Verknüpfungspunkte von Bahn- und Busverkehr werde durch den Aufbau von „dynamischen Fahrgastinformationssystemen durch die Aseag künftig noch mehr gesteigert”.

Ist also alles auf Kurs, was den Individualverkehr, die Schienenanbindung und die Buslinien in Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen angeht? Wo gibt es Verbesserungsbedarf? Hapert es an Radwegen? Sagen Sie Ihre Meinung, wir sind gespannt!

Nahverkehrsanbindung stetig verbessern

In puncto Optimierung der Busanbindung „besteht ein permanenter Austausch zwischen der Stadt Herzogenrath und der Aseag beziehungsweise dem AVV”, betont der Herzogenrather Bürgermeister Christoph von den Driesch. Darüber hinaus werde kontinuierlich daran gearbeitet, die Strecken nach Aachen (Aufstockung der Schnellbuslinie 147; Einrichtung einer zusätzlichen Linie 80) auszubauen.

„Wir sind in Alsdorf hervorragend angebunden, auch durch die Euregiobahn”, sagt Alsdorfs Erster Bürger Alfred Sonders. Zudem kündigt er an: „Wir werden stadtintern noch einmal die Taktung der Busverbindungen - auch der Schnellbusse - optimieren.

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