Würselen - In kleinen Episoden und mit tiefsinnigen Gags

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In kleinen Episoden und mit tiefsinnigen Gags

Von: ehg
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Würselener Treff mit Stadtdirektor a.D. Albert Cramer (2.v.l.); Hans-Peter Drabent vom Stadtverband (l.), Harald Gerling von der Senioren-Union (Mitte), Bundestagsabgeordneten Helmut Brandt (2.v.r.) und Moderator Rolf Rüland (r.). Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Würselen. Wenn in Würselen von Stadtdirektoren gesprochen wird, dann fällt als erster der Name Cramer. Warum dem so ist, das förderte eine Talkshow zu Tage, die mit dem 87-jährigen einstigen Verwaltungschef von der Senioren-Union im Alten Rathaus veranstaltet wurde.

Aus dem Stegreif heraus „löcherte“ Heimatkundler Rolf Rüland den im Kreis Düren geborenen Verwaltungsfachmann, der am 1. April 1969 seinen 20-jährigen Dienst bei der Stadt Würselen antrat, bemerkenswerterweise einen Tag nach der Schließung der Grube Gouley. Garniert mit kleinen Episoden und tiefsinnigen Gags ließ Albert Cramer, dem Würselen von Anfang an zur Heimat geworden ist, sein langes Leben im verbindlichen Plauderton Revue passieren.

Immer noch stark bewegen den einstigen Chef der Verwaltung seine Kriegs- und Nachkriegserlebnisse. Als der Krieg den Westen Deutschlands erreicht habe, habe er die Welt nicht mehr verstanden. Mit seinem Bruder und seiner Mutter habe er die Dürener Bombennacht am 16. November 1944 in der Evakuierung in Heiligenstadt (Thüringen) überlebt. Dort schnupperte Cramer nach Abschluss seiner Schulzeit erste Verwaltungsluft.

Seine Verwaltungslehre absolvierte er nach der Rückkehr aus der Evakuierung bei der Dürener Verwaltung. An der Uni Köln angeschlossenen Verwaltungsakademie führte er seine berufliche Ausbildung fort. Schließlich wurde er Amtsdirektor der Verbandsgemeinde Lüdenscheid und Beigeordneter der Kreisverwaltung. Dieses Amt bekleidete er bis zum Wechsel nach Würselen. Zu den Mitbewerbern auf die dortige Stelle zählte auch der spätere CDU-Bundesminister des Inneren, der Hesse Manfred Kanther.

Schließung der Grube Gouley

Mit der Schließung der Grube Gouley sei bei seinem Amtsantritt eine große Herausforderung vorgegeben worden. Bei der Umstrukturierung sei es darum gegangen, aus der Aus- eine Einpendlerstadt zu machen. In Cramers zweite Amtszeit fiel auch die Neugestaltung der Innenstadt mit dem vom Architektenbüro Parade (Düsseldorf) geplanten Neubau des Rathauses.

„Das Gebäude durfte nicht höher sein als der Kirchturm von St. Sebastian“, merkte Cramer an. Bei der Kommunalen Neugliederung sei Würselens Selbstständigkeit nie in Frage gestellt worden. Hilfreiche Kontakte stellte er zum damaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau und Innenminister Herbert Schnoor sowie zum Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes her. Als stellvertretender Vorsitzender des Städtetages nahm Würselens Verwaltungschef mit dem Innenminister an einem Empfang des Staatsratsvorsitzenden Erich Honnecker in Essen teil.

Der Wunsch nach einer Partnerschaft mit der thüringischen Stadt Hildburghausen sei damals noch nicht erfüllt worden. Nach dem Fall der Mauer und seiner Pensionierung stellte sich der geistig noch äußerst rege Stadtdirektor in den Dienst der Wiedervereinigung. Er half in Hildburghausen drei Jahre lang eine Woche im Monat beim Aufbau einer demokratischen Verwaltung.

Verbunden fühlte sich der Verwaltungsfachmann vom ersten Tag seines Wirkens in Würselen an den Vereinen. Auf seine Initiative hin schuf der Aachener Bildhauer Bonifatius Stirnberg den Jungenspielbrunnen. Das Morsbacher Siedler-Jungenspiel ernannte ihn ob seiner Verdienste um das jahrhundertealte Brauchtum zum Ehrenpritschenmeister.

Gemäß der Satzung stand der Verwaltungschef dem damaligen Ausschuss Würselener Karneval (heute: Komitee Würselener Karneval) vor. Als ein neutraler Präsident gesucht wurde, verpflichtete er seinen „Adlatus“ Hubert Pütz dazu, für lange 25 Jahre. Ausgezeichnet wurde er als Präsident des Senats mit dem Sonderorden „Aachener Grenzlandschild“ und zum Ehrensenator ernannt.

Den Brexit in Großbritannien kritisierte der überzeugte Europäer vehement. In der Pause gab der Bundestagsabgeordnete Helmut Brandt die aktuelle Stellungnahme der Bundesregierung dazu ab. Zu seinem Demokratieverständnis sagte der überzeugte Sozialdemokrat Cramer: „Bei aller Unterschiedlichkeit der demokratischen Parteien ist es deren Pflicht, zum Wohle der Bürger da zu sein.“ Das Wort „politischer Gegner“ sei ihm zuwider.

Neben dem Dienst an den Menschen in seiner Heimatstadt als Chef der Verwaltung kennt der Talkgast „nur“ seine Familie. Es ihm eine große Freude, am 16. November die „Eiserne Hochzeit“ (65 Jahre) feiern zu dürfen. Der Vorsitzende der Senioren-Union, Harald Gerling, bedankte sich bei ihm herzlich für einen unterhaltsamen Abend und überreichte ihm für seine erkrankte Frau Marianne einen Blumenstrauß.

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