In großer Sorge um die Nahversorgung

Von: Markus Bienwald
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Noch kein Gras drüber gewachsen: Hier soll nach Wunsch der Anwohner bald ein Lebensmittel-Discounter neu gebaut werden. Foto: Markus Bienwald
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Unterschriftensammler zum Erhalt der Nahversorgung: (v.l.) Adolf Karnbach, Maria-Luise Kresimon, Roswitha Prast, Erwin Sailer, Werner Prast, Hans-Jürgen Paszek und Uschi Singer-Siegerichs. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. „Da muss man einfach mal den Mund aufmachen“, findet Uschi Singer-Siegerichs. Und sie ist nicht alleine, deswegen unterstützt sie die aktuelle Unterschriftenaktion, die sich zum Ziel setzt, die Nahversorgung in Merkstein zu erhalten. Denn seit bekannt wurde, dass der Netto-Markt am August-Schmidt-Platz entfallen werde, rückt das frühere Gelände von Thüllen respektive Schmühl in den Fokus.

Vor allem in der sogenannten Weißen Siedlung, die in den 30er-Jahren gegründet wurde, sowie in der „Blumensiedlung“, die in den 50er-Jahren für Bevölkerungswachstum in direkter Nähe zur Grube Adolf sorgte.

Denn dort leben Menschen, die entweder Erstbezieher der dort entstandenen Immobilien waren oder später hinzugezogene Familien, die sich das ehemalige Siedlungshäuschen nach eigenen Wünschen umgebaut haben. „Darum brauchen wir vor Ort eine Nahversorgung“, sagt Hans-Jürgen Paszek.

Mit den anderen Anwohnern will er mit einer Unterschriftensammlung quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. „Der Netto am August-Schmidt-Platz ist sowieso nicht mehr zeitgemäß“, sagt Paszek und kann sich deshalb lebhaft vorstellen, dass der Konzern einen anderen Standort bevorzuge. Seit dem Weggang von Thüllen in einen Neubau in Baesweiler ist das frühere Autohaus-Gelände an der Ortsdurchfahrt vakant und verwildert zusehends. Für viele ein Dorn im Auge. So soll nach Vorstellung der Anwohner dort ein neuer Netto etabliert werden. Das würde die Nahversorgung sichern und einen möglichen Schandfleck vermeiden. „Und es hilft dabei, unseren Stadtteil wieder schöner zu machen“, sagt Singer-Siegerichs.

Nicht nur sie findet, dass Merkstein auch durch die immer „löchriger“ werdende Geschäftswelt an der Geilenkirchener Straße zunehmend unattraktiv wird. „Merkstein ist tot, hier gibt es keine Ortsmitte mehr“, klagt sie. Und sie fühlt sich alleine gelassen mit dem Problem. Roswitha Prast empfindet das auch so: „Man hat in Merkstein das Gefühl, dass hier nichts bewegt wird, hier ist einfach nichts mehr los“, sagt sie. Einzig Esslokale und Imbisse gebe es, für die Nahversorgung müsse man sich ins Auto setzen. „Dann fahre ich doch gleich durch nach Übach, da habe ich alles an einer Stelle“, sagt Prast. Vor einem Schandfleck auf besagtem Gelände warnt auch Adolf Karnbach. „Jetzt ist schon alles gut bewachsen, aber wie sieht es dann erst in einem halben Jahr aus?“, fragt er.

Mit Blick auf den demografischen Wandel fragt sich nicht nur er, wo Senioren demnächst Dinge für den täglichen Bedarf besorgen sollen. „Stellt die Stadt dann jedem von uns ein Taxi zum Einkaufen zur Verfügung?“, fragt Singer-Siegerichs.

Bis Mai 2016, wenn der bisherige Netto-Markt am August-Schmidt-Platz schließt, ist das vielleicht noch keine Frage. Doch die mindestens 1,5 Kilometer Distanz zum nächsten Supermarkt seien in ihren Augen für ältere, nicht mehr mobile Menschen ohne Fahrzeug nicht hinnehmbar. Und auch darum macht sie jetzt ihren Mund auf, „damit später keiner sagen kann, es habe sich ja niemand gekümmert“.

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