Aachen - In der Dell keimt der Widerstand: Bürgerinitiative will Baupläne stoppen

In der Dell keimt der Widerstand: Bürgerinitiative will Baupläne stoppen

Von: Gerald Eimer
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Mit der Ortserweiterung Richtericher Dell verfolgt die Stadt ehrgeizige Ziele. In hochwertigen und klimaschonend errichteten Häusern sollen bis zu 3000 Menschen ihr neues Zuhause finden.
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Stellen das geplante Wohngebiet in Richterich-Dell grundlegend infrage: Hubert Marx, Inge Hirtz, Christian Locher und Peter Philippen-Lindt von der „BI-Dell“ (von links). Foto: Heike Lachmann

Aachen. Es hat etwas von David gegen Goliath: Im Aachener Norden haben sich einige Bürger auf den Weg gemacht, eines der ehrgeizigsten und größten Bauvorhaben im Stadtgebiet zu stoppen. Mit dem Slogan „Flächenfraß ohne Maß“ ziehen sie gegen die geplante großflächige Wohnbebauung der Richtericher Dell zu Felde. Sie sind zuversichtlich, das Vorhaben noch zu Fall bringen zu können.

Wieso erst jetzt, möchte man fragen. Schließlich wurden erste Pläne, wie das Baugebiet dereinst aussehen soll, schon vor knapp zehn Jahren vorgelegt. Alles in allem sollen am Ende auf einem rund 60 Hektar großen Gelände gut und gerne 3000 Menschen ihr neues Zuhause finden. Aachens größtes neues Wohngebiet werde dringend benötigt, argumentieren Politik und Verwaltung, schließlich würde nicht zuletzt auch der RWTH-Campus zu weiter steigenden Bevölkerungszahlen führen.

Doch daran haben Peter Philippen-Lindt und Christian Locher, die beiden Wortführer der Bürgerinitiative „BI-Dell“, beträchtliche Zweifel. „Wenn das Bevölkerungswachstum bewiesen wäre, hätten wir kein Problem mit dem Wohngebiet“, sagen sie. Aber sie trauen den Zahlen nicht. Nicht erst der Zensus habe verdeutlicht, wie zweifelhaft die statistischen Grundlagen sind. Auch Avantis habe gezeigt, wie fehlerhaft Prognosen sein können.

Langfristig sei die Bevölkerungsentwicklung rückläufig, vermuten sie. Daher laufe man derzeit wohl eher auf eine Immobilienblase zu – eine Befürchtung, die angesichts der regen Bautätigkeit in Aachen zuletzt auch mehrfach Politiker geäußert haben.

Der Druck, so viele neue Einfamilienhäuser zu bauen, sei gar nicht da, ist Philippen-Lindt überzeugt. Zumindest aber sollten sie nicht auf gutem Ackerboden errichtet werden. „Aus heutiger ökologischer Sicht ist das gar nicht mehr zu verstehen“, meint Landwirts-Sohn Hubert Marx. Solch „wertvollster Bördeboden“, auf dem mit allen Hackfrüchten „Supererträge“ erwirtschaftet werden könnten, dürfe nicht für den Hausbau missbraucht werden, fordert er.

Stattdessen sollte man doch erst mal die „Innenentwicklung“ vorantreiben und nach Freiflächen im schon bebauten Stadtgebiet schauen, von denen es auch in Richterich einige gibt. Widersinnig finden Marx und seine Mitstreiter es, dass andernorts alte Halden renaturiert werden, in Richterich jedoch bester Boden zugebaut werden soll.

So wollen sie nun gemeinsam dafür sorgen, dass die bisher vorliegenden Gutachten „kritisch hinterfragt“ werden und auf diese Weise die Planer bremsen. Erstes Ziel: Bevor weiter am Bebauungsplan gearbeitet wird, soll zunächst die Flächennutzungsplan-Änderung abgeschlossen werden. Dies schon deshalb, weil Planungskosten in Millionenhöhe eingespart werden könnten, falls der Ackerboden am Ende doch kein Bauland werden darf.

Und bevor überhaupt das erste Haus in Angriff genommen wird, müsse die Erschließungsstraße fertiggestellt sein. Die entsprechenden Anträge sollen im Dezember in der Bezirksvertretung behandelt werden. Eine politische Mehrheit scheint dafür derzeit jedoch nicht in Sicht.

So ist die Bürgerinitiative, die sich nach einer völlig chaotischen ersten Bürgeranhörung Anfang des Jahres gebildet hat, zugleich bestrebt, vor allem die Mitgliederzahl zu erhöhen, um eine „große Schwungmasse“ zu schaffen, wie Locher es ausdrückt. Mindestens vierstellig soll sie werden, um Politik und Verwaltung Paroli bieten zu können. Noch zählt man erst acht Aktive und etwa 60 Unterzeichner. „Aber wir sind ja noch am Anfang“, sagt Locher.

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