In Alsdorf werden dringend Pflegeeltern gesucht

Von: mas
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Alsdorf. Friedel Wirtz formulierte sehr emotional. Der interimsmäßige Ausschussvorsitzende richtete einen Appell an alle, parteiübergreifend.

„Wir brauchen dringend Pflegefamilien sowie Pflegeltern“, rief der Grünen-Politiker zur Werbung fürs Thema auf. Zuvor hatte der Jugendhilfeausschuss einen fast einstündigen Vortrag der Jugendamtsmitarbeiterinnen Sabine Weller und Berit Strack vernommen.

Die Ausschussmitglieder zeigten sich hoch beeindruckt vom Vortrag. Beginnend mit den Grundlagen des Kinder- und Jugendgesetzes, „einer ganz wichtigen Arbeit“, so befinden die beiden Fachkräfte. Der Tätigkeitsbericht stand unter dem Titel „Pflegekinderdienst und Erziehungsstellen“ sowie die Darstellung der Vernetzung und Kooperation mit den Jugendämtern in der Städteregion Aachen.

Vermehrt Säuglinge

Sowohl Bereitschafts- als auch Dauerpflege seien im vergangenen Jahr gestiegen. Das gelte auch für die Inanspruchnahme der Erziehungsstellen. Bei der Verwandtenpflege gingen die Fallzahlen leicht zurück. In 2014 gab es erneut 29 Unterbringungen in Bereitschaftsfamilien. Die Bereitschaftspflege wird stark nachgefragt, bei einer sehr unterschiedlichen Altersstruktur. Vermehrt werden Säuglinge und Kleinstkinder in Familien untergebracht.

Die Stadt Alsdorf hat inzwischen 20 Bereitschaftspflegefamilien. Aufgrund der Vielzahl der unterzubringenden Kinder konnte allerdings nicht immer eine Alsdorfer Familie gefunden werden. Hier wich man aber erfolgreich in Nachbarstädte aus.

Was leisten die Jugendämter? Hilfe zur Erziehung, Vollzeitpflege, Hilfeplanung, Hilfe für junge Volljährige und weitere Leistungen. Die Voraussetzung ist die pädagogische Ausbildung eines Elternteils.

Ein sehr umfangreiches Gebiet ist der Pflegekinderdienst. Dazu zählt die Ausbildung von neuen Pflegeeltern und von Erziehungsstellen, deren Betreuung sowie Fort- und Weiterbildung von Pflegeeltern. „Diese Eltern brauchen gute Unterstützung und viel Hilfe“. Dafür leisten die Ämter Assistenz in Form von Vorbereitungsseminaren, die sich über sechs Abende plus eines kompletten Wochenendseminars strecken.

Berit Strack: „An diesem Prozess sind insgesamt schon sehr viele Personen beteiligt.“ Denn auch die Zusammenarbeit mit den allgemeinen sozialen Diensten zählt dazu. Zudem wurden die Aufgaben eines Vormunds vorgestellt. Zu ihnen gehören die Klärung der rechtlichen Situation eines Kindes, Heranziehung von Unterhaltsverpflichteten, Anforderung wichtiger Unterlagen und Urkunden, sowie die Vorbereitung von relevanten Anträgen und die Beteiligung an der Hilfsplanung.

Über allem steht aber: „Kinder sollen bei ihren Eltern bleiben, soweit das möglich ist“, unterstrich Sabine Weller. Dabei schilderte sie aber auch einen Fall von besonderer Schwere, in dem ein Kind, das häusliche Gewalt erfahren hatte, insgesamt sechs Wechsel der Pflegeunterbringungen mitgemacht hatte und nun in einer Familie „endgültig“ untergekommen ist.

Weller unterstrich, die Betreuung der Pflege- und Erziehungsfamilien finde durch regelmäßige Hausbesuche und durch ständigen telefonischen Kontakt statt. Aber auch hier sei es ein Problem, genügend Familien zu finden. „Besonders eklatant ist das, wenn wir Säuglinge vermitteln müssen.“

Hohe Flexibilität

Sehr positiv stellten die beiden Referentinnen die Zusammenarbeit mit Bereitschaftspflegefamilien heraus. Sabine Weller: „Diese verfügen in der Regel über eine sehr hohe Flexibilität und bringen große Leistungen.“

Gemeinsame Aktivitäten in diesem Jahr umfassen beispielsweise ein Zirkusprojekt auf dem Gelände des Herzogenrather Abenteuerspielplatzes. Zudem werden im Sommer die „rollende Waldschule“ verpflichtet und Familienwochenenden in der Eifel und in Wegberg angeboten.

Seminar für Pflegeelternbewerber

Pflegefamilien und Erziehungsstellen stehen an erster Stelle auf der Wunschliste aller Jugendämter in der Städteregion. Als Vorbereitung für die Aufnahme eines Kindes bieten die Städte Herzogenrath, Würselen und Alsdorf Pflegeelternbewerbern ab Ende August ein Seminar an, in dem sie Informationen über die Entwicklung von Kindern, rechtliche Hintergründe und Erfahrungsberichte bereits belegter Pflegefamilien erhalten.

Das Vorbereitungsseminar für Erziehungsstellen beginnt nach den Herbstferien. Bei Erziehungsstellen verfügt mindestens ein Partner über eine pädagogische Ausbildung. Diese Familien bieten Kindern mit oftmals traumatischen Erlebnissen und vielen Bindungsabbrüchen ein Zuhause.

Kontakt bei Interesse

Stadt Alsdorf: Berit Strack, Telefon 02404/50-278 und Mona Stollenwerk, Telefon 02404/50-204;

Stadt Würselen: Stephan Schillings, Telefon 02405/67-327 und Gabriele Eschweiler, Telefon 02405/67-337;

Stadt Herzogenrath: Michael Redlin, Telefon 02406/83-513 und Angelika Fiedler-Grohe, Telefon 02406/83-514.

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