Immerwährende Frage nach dem Sinn des Lebens

Von: Helena Mertens
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In der Buchhandlung Katterbach in Herzogenrath-Kohlscheid las Heribert Körlings aus seinem jüngsten Herausgeberwerk vor und debattierte mit dem Publikum das Dasein des Menschen. Foto: Helena Mertens

Herzogenrath. Wer und warum bin ich? Eine Frage, die sich irgendwann wohl jeder Mensch im Laufe seines Lebens stellt. Doch diese Reflektion der irdischen Existenz zwingt uns zu einer Entscheidung. Glaube ich an theologische Grundsätze oder vertrete ich naturwissenschaftliche Ansätze?

Bei einer Lesung von Heribert Körlings ging es jetzt um die Komplexität jenes Themas, das die Gemüter spaltet. Der gebürtige Eschweiler hat sein zweites Werk zu dem umstrittenen Theologen, Psychoanalytiker und suspendierten Priester Eugen Drevermann vorgestellt und einen Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaft evoziert.

„Im Einklang leben. Worte zur Schöpfung“ lautet der Titel des von Heribert Körlings herausgegebenen Buches, das prägnante Zitate von Drevermanns zahlreichen Werken auf 144 Seiten herunterbricht. Das Buch sei, ebenso wie sein erstes Werk über Drevermann, unter anderem für Religionslehrer geschrieben.

Seit 1983 befasst sich der Deutsch- und Religionslehrer Heribert Körlings mit Drevermann und seiner Ansicht der Welt. Mit 30 Jahren lernte Körlings den Theologen bei einer Tagung kennen, seitdem stehe er mit ihm in Briefkontakt. Weil der 61-jährige Lehrer über Jahre hinweg gespannt auf weitere Publikationen Drevermanns wartete und sein Interesse über Drevermanns schriftstellerischen Tätigkeiten bei einem Verlag bekundete, ergab sich die Gelegenheit eines Herausgeberwerkes über Drevermann.

Von dem umstrittenen Kirchenkritiker ist der in Kohlscheid lebende Heribert Körlings fasziniert: „Ich bin sehr angetan, denn ich kann viel von der Person und dem Werk Drevermanns auf mein eigenes Leben beziehen. Deshalb lese ich es auch heute vor, weil sich jeder darin wiederfinden kann.“ Drevermann vertritt mit seiner dialogistischen Anthropologie die Ansicht, dass der Schöpfer nicht als Erlöser, sondern als Vater Jesu und der Menschen existiert, so Körlings.

Die zwischenmenschliche Beziehung und Gott als Gegenüber eines Dialogs zu sehen, sei für ihn zentral. Letztlich bleibe Gott für Drevermann eine Kraft, die über den Abgrund der Welt trägt. Doch die Exegese und Theologie Drevermanns muss sich auch bei dem Herzogenrather Publikum am Anschluss an Körlings Lesung einiger Kritik aussetzen.

Debattiert wird über die Sinnperspektiven des Lebens und die Frage, ob Gott als Unterdrücker oder vielmehr als Quelle der Freiheit betrachtet werden kann. Heribert Körlings ist sich jedoch sicher: „Wenn man Drevermann mit einem gewissen Vorverständnis liest, kann man ihm sehr viel abgewinnen.“

Auch in der Zukunft wird sich Heribert Körlings mit dem Kirchenkritiker auseinandersetzen. Mit einem weiteren Projekt will er einen größeren Lesekreis ansprechen und das Denken Eugen Drevermanns nicht nur zitieren, sondern auch stärker kommentieren und so die Möglichkeiten und Grenzen seines Denkens aufzeigen.

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