Im Würselener Dom hat jetzt das Reinigungskommando das Sagen

Von: ehg
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Jeder Schnörkel, jede Ritze: Sorgfältig muss die altehrwürdige Kanzel abgestaubt werden...

Würselen. Weniger die kreischende Flex der Steinmetze als vielmehr die dickleibigen Industriestaubsauger des ehrenamtlichen Reinigungskommandos der Pfarre geben im „Dom” derzeit den Ton an. Mitglieder des Bauausschusses und der Gruppe „Acht bis Zehn” haben unter der Regie des Vorsitzenden Horst Schneider damit begonnen, den Kirchenraum von Grund auf zu reinigen.

Stühle und Bänke werden wieder dort platziert, wo sie vor mehr als einem halben Jahr - am Pfingstmontag hatte der vorerst letzte Gottesdienst stattgefunden - ihren Platz räumen mussten.

Vorher werden sie gründlich abgesaugt und abgeledert. Obwohl Altäre, kleine Orgel, Predigtstuhl und die Fenster mit Folie abgehängt worden waren, hatte sich der feine Staub durch kleinste Ritze den Weg bis in die hintersten Winkel gesucht. Alles, auch Wände und Säulen, muss abgesaugt werden.

Auf drei Ebenen rücken in luftiger Höhe drei fleißige Staubsauger dem Staub zu Leibe. Auf den ersten Blick eine Sisyphusarbeit: „Es macht aber trotzdem Spaß”, sagt Heinz-Peter Hess, Mitglied des Bauauschusses, in froher Erwartung, dass zu Weihnachten in St. Sebastian die Messe gefeiert werden kann. Nach stundenlanger Arbeit für Gottes Lohn kann sich das Ergebnis sehen lassen, anders als bei Sisyphus, der immer wieder von vorne anfangen musste. In den nächsten Tagen werden die Steinmetze die Restarbeiten erledigt haben.

40 Zentimeter ausgekoffert

Die staubige Angelegenheit hatte damit begonnen, dass der alte Boden aufgenommen wurde, um 40 Zentimeter für den neuen Unterbau auszukoffern. Eine entsprechend dicke Glasschaumschicht wurde daraufhin eingebracht. „Sie dämmt gegen Kälte und Feuchtigkeit”, erläutert Horst Schneiders, warum nun keine Holzpodeste mehr nötig sind. Auf diese Schicht ist der neue Basalite-Naturstein aus Italien verlegt worden, mehr als 800 Quadratmeter. Hinter der Altarinsel und im Bereich der Sakristei ist der Boden um eine Stufe angehoben worden.

Damit er sich vom übrigen Kirchenraum abhebt, ist hier Anröchter Dolomit verlegt worden. Überhaupt ist der neue Fußboden so gestaltet, dass er den großen Kirchenraum in mehrere Einheiten gliedert. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob sich die Sanierungsarbeiten „nur” auf den Boden beschränkt hätten.

Horst Schneider: „Es ist zwischenzeitlich aber wesentlich mehr passiert.” Die Windfangtüren sind eingekürzt worden und haben neue Schließer erhalten. Dazu sind diese gereinigt und aufgearbeitet worden. Eine neue Beschallungsanlage mit Digitaltechnik wurde installiert. Schneider erklärt: „Der Schall wird nun eingepegelt. Die Übertragung ist so an allen Orten der Kirche gleich gut.” Und damit die Projektoren nicht das Bild der neuen Orgel beeinträchtigen, sind neue Liedanzeiger eingerichtet worden.

Auf der Orgelempore wurde zudem der Putz an den Wänden erneuert. Da alte Kriegsschäden zu Tage traten, war der Aufwand größer als erwartet. „Die Brüstung der Orgelempore wird im nächsten Jahr in Abstimmung mit dem Orgelbauer ganz erneuert”, wirft der Vorsitzende des Bauausschusses einen Blick voraus. Die vorhandenen Metallgitter sollen dabei verwendet werden.

Der von Künstler Albert Sous geschaffene Altar wird unter der Orgelbühne vor der Taufkapelle einen würdigen Platz finden. „Von dort auch werden künftig die Gaben zur Bereitung durch das Mittelschiff zum Altar gebracht.”

Schädlingsbekämpfung folgt

Noch in Angriff genommen werden muss die Schädlingsbekämpfung an den Holzaltären und den Holzschnitzfiguren. Sie soll in Abstimmung mit dem Generalvikariat und der Denkmalpflege in einem Heizluftverfahren im Frühjahr erfolgen. „Alles, was abgebaut werden kann, wird dazu in die Werkstatt der ausführenden Firma in Lippstadt gebracht”, erläutert Heinz-Peter Hess.

Letzte Einzelheiten werden in diesen Tagen geklärt. Alle Hände voll wird das Reinigungskommando noch zu tun haben. Die „Rentner” werden auch während der Woche in die Hände spucken, bevor am kommenden Samstag wieder die gesamte Mannschaft, Frauen und Männer, anrückt.
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