Im Traditionsgasthaus gehen die Lichter aus

Von: ehg
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Blicken auf ein erfülltes Gastwirts-Leben zurück: Hildegard und Bert Schürmann. Nun schließt ihre Gaststätte „Ajjen Drenk“. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. In der Gaststätte „Ajjen Drenk“ an der Haaler Straße 109 werden am Sonntag, 2. Oktober, nach mehr als 140 Jahren die Lichter ausgehen. Dann werden sich die Gastwirte Hildegard und Bert Schürmann, die am 2. August 1968 das Erbe ihrer kinderlosen Vorgängerin Maria Schaffrath angetreten hatten, aufs Altenteil zurückziehen.

Damals waren sie – wie die Jungfrau zum Kind – zu einer traditionsreichen Kneipe im Ortsteil Haal gekommen. Bert Schürmann erinnert sich: „Ich kam von der Bundeswehr zurück und fand mich nicht im erlernten Beruf, sondern hinter dem Tresen wieder.“

Wie die Gaststätte zu ihrem Namen „Ajjen Drenk“ kam, vermag Bert Schürmann zu erklären: „Hier wurden die Pferde der Fuhrwerke, die den Ravelsberg passierten, mit Wasser getränkt.“ Wie alt sie ist, konnte bisher nicht exakt ergründet werden. Der Gastwirt: „Die Gaststätte dürfte mindestens 140 Jahre existiert haben. Wurde doch der Rauchclub Haal 1876 in ihren Mauern gegründet.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Maria und Gerhard Schaffrath die zerstörte Wirtschaft wieder aufgebaut. Überliefert ist, dass der Wirt im Saal – er bestand damals schon – auch den fortgeschritteneren Semestern die ersten Tanzschritte beibrachte, wahrlich eine echte Gaudi. Die ersten Kugeln rollten Mitte der 50er Jahre auf der Scherenbahn „Ajjen Drenk“ wieder, damals noch mit Kegeljunge, bis die Bahn automatisiert wurde. Zu Schürmanns Zeiten schoben mehr als 20 Kegelclubs im Monat bei ihnen eine „ruhige“ Kugel. Zu ihnen zählten aus dem Ortsteil der 1. Haaler Kegelclub, die Drenker Jonge und die Drenker Mädcher sowie der Club „Geselligkeit“.

Um den Ansprüchen der Zeit gerecht zu werden, bauten die Eheleute Schürmann den Saal 1972 um. Sechs Jahre später wurde die Gaststätte zeitgemäß umgestaltet, bis in den Keller. Neben den Kegelclubs waren zahlreiche Vereine bei „Ajjen Drenk“ beheimatet. Der älteste und treueste Stammgast war der Rauchclub. Ab 1972 hielt die KG „Au Ülle“ ihre Versammlungen dort ab. Unvergessen sind aber auch die Ordensfeste in heiterer Männerrunde. Das Bundestambourkorps „Alte Kameraden“ probte jeweils freitags jahrzehntelang flotte Märsche und bildete dort seinen Nachwuchs aus. Die Senioren der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten veranstalteten bei Schürmann drei Feste im Jahr.

Und schließlich war da noch das Oppen-Haaler Jungenspiel, das bei „Ajjen Drenk“ sein Zuhause fand. Stolz sind die Wirtsleute heute noch darauf, dass in ihren Räumen 1972 die Kommunale Neugliederung gefeiert wurde. Die Vereine werden sich eine neue Bleibe suchen müssen. Der Rauchclub – das steht fest – wird zum Salmanushof am Salmanusplatz umziehen. Im Alten Bahnhof haben sich die „Au Ülle“ seit geraumer Zeit ihr „Nest“ eingerichtet.

Am 2. Oktober geht die Ära Schürmann an der Haaler Straße 109 zu Ende. „Ein paar Tränen werden mit Sicherheit fließen, wenn wir von unseren Stammgästen Abschied nehmen werden“, blickt die Wirtin voller Wehmut zurück und voller Zuversicht in die Zukunft. Wie es dort weitergehen wird, steht noch in den Sternen.

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