Nordkreis - Im Nordkreis wird Streusalz knapp

Im Nordkreis wird Streusalz knapp

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
streu_schmal_bu
Kontrolle über die Körner: Am Steuerpult stellt Streufahrzeugfahrer Hubert Schunk in Baesweiler die Streumenge pro Quadratmeter ein. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Dass er seine Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung so langsam nervt, nimmt Markus Schallenberg gern in Kauf. „Man muss schon schwer hinter den Lieferanten her sein und immer wieder nachhaken, um dieser Tage überhaupt noch Streusalz zu bekommen”, sagt der Mitarbeiter des Baesweiler Bauhofes.

Eine Stunde pro Tag hängt er in dieser Sache locker am Telefon. Seine Hartnäckigkeit trägt Erfolg. Vor zwei Tagen hat ein Lkw 30 Tonnen in die beiden Silos gepumpt, für den Freitag sind weitere 25 Tonnen vom Händler fest zugesagt. Gerade rechtzeitig, um für das am Wochenende erwartete Schneegestöber gerüstet zu sein.

In anderen Kommunen des Nordkreises gehen die Vorräte indes deutlich zur Neige. Und Nachschub ist keineswegs in Sicht. So ist es nicht bloß die Kälte, die die Mitarbeiter dort zittern lässt. Das Wort Notfallplan nimmt Franz-Josef Mahr, Leiter der Kommunalen Dienstleistungsbetriebe Würselen (KDW), zwar nicht in den Mund, doch spricht er von „einer abgespeckten Lösung”, wie sie in Zeiten des KDW noch nie erforderlich war.

„Wir können mit unserem Restsalz nur noch die wichtigsten Straßen abfahren und die Zuwege zu den Krankenhäusern frei halten.” Was nicht Morsbacher Straße, Kaiserstraße oder Hauptstraße ist, muss auf die Tauwirkung der Körner verzichten. Radwege werden schon seit Tagen nicht mehr bestreut. Doch selbst so werden die knapp 50 Tonnen, die von 230 im Spätsommer georderten und zwischenzeitlich aufgestockten noch übrig sind, „maximal für eine Woche reichen”.

Oben auf der Liste?

Mahr hofft sehr darauf, dass es sich bald auszahlt, dem Lieferanten über viele Jahre hinweg treu geblieben zu sein. „Wir stehen bestimmt hoch oben auf der Liste, wenn wieder Salz da ist.” Wenn. Wann das aber soweit ist, ist auch in Herzogenrath die bange Frage. Denn die Lager einer Hannoveraner Firma, die Rodas Baubetrieb beliefert, sind derzeit leer.

„Da geht gar nichts mehr”, sagt Betriebsleiter Markus Schlösser. Und bei anderen Händlern anzufragen, sei wohl aussichtslos. „Deren Vorräte sind ebenfalls knapp, und die beliefern zunächst ihre Stammkunden.” Deshalb gelte bei knapp 60 Resttonnen Streusalz nun: räumen statt streuen! „Wir schieben den Schnee vermehrt auf die Seite, das spart Salz.” Vier Räumfahrzeuge sind dazu im Einsatz.

Doch in einer an Gefälle wahrlich nicht armen Kommune, muss vielerorts Salz her. Sonst würde etwa auf der Oststraße, der Geilenkirchener Straße und der Schütz-von-Rode-Straße der Verkehr erlahmen. Geht das Salz ganz aus, müsse zur Not Splitt gestreut werden, der zwar Schnee und Eis nicht taut, aber die Fahrbahn griffiger macht. Auf kleine Wunder zu hoffen, kann dabei vielleicht nicht schaden. „Kurz vor Weihnachten hieß es auch schon einmal, dass nichts mehr geliefert wird - und dann stand kurz darauf doch noch ein Lkw da.”

Die Hoffnung stirbt auch in Alsdorf zuletzt. „Übers Wochenende kommen wir noch hin”, sagt Walter Buttgereit, kaufmännischer Leiter des Eigenbetriebs Technische Dienste. „Am morgigen Freitag soll eigentlich Nachschub kommen.” Falls nicht, „wird es richtig eng, dann müssen wir die Streumengen deutlich reduzieren”.

Doch die, die jetzt noch beliefert werden, zahlen dafür einen hohen Preis. Hat Markus Schallenberg im Herbst die Tonne Streusalz zum Frühbezugspreis von knapp 80 Euro ordern können, muss er aktuell gut 20 Euro mehr pro Tonne hinblättern. Was sollte er anderes tun? „Wer jetzt noch etwas bekommt, muss einfach zuschlagen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert