Im Nordkreis sind die Delikte gesunken

Von: Naima Wolfsperger
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Straßenkriminalität, Taschendiebstahl und Einbrüche, das seien Punkte, in die man gut eingreifen könne. Symbolbild: dpa

Nordkreis. Insgesamt ist es ein beruhigendes Bild: So viel Grün für gleichbleibende oder sinkende Kriminalitätszahlen, wie sie am Montag bei der Pressekonferenz der Polizei in Aachen vorgestellt wurden, gibt es nicht immer. Man darf sich aber nicht täuschen lassen.

Sandra Schmitz, Leiterin der Pressestelle der Aachener Polizei, warnt davor, in jeder gesunkenen Zahl einen spezifischen Grund ablesen zu wollen, weil die Fallzahlen oft unberechenbar seien. Das liege an hohen Dunkelziffern und am Anzeigeverhalten der Betroffenen selbst. „Allgemein unterliegen viele der Delikte von Jahr zu Jahr hohen Schwankungen“, sagt Schmitz.

Straßenkriminalität, Taschendiebstahl und Einbrüche, das seien Punkte, in die man gut eingreifen könne. Auch deshalb betont die Polizeisprecherin, dass die Bürger doch nicht nur zur Weihnachtszeit auf ihre Portemonnaies achten sollten – denn auch Taschendiebe „arbeiten“ das ganze Jahr über. Immer wieder lädt die Aachener Polizei deshalb zu Informationsveranstaltungen ein, in welchen sie auf Möglichkeiten zur Einbruchssicherung hinweist und die Bürger zur Wachsamkeit aufruft. Eines der Beispiele ist die Aktion „Riegel vor! Sicher ist sicherer“.

Deutlich ist die Arbeit der Polizei auch anhand der Drogendelikte erkennbar. Eine steigende Fallzahl in der Statistik ist nicht immer gleichbedeutend mit einer steigenden Täterzahl: „Die gestiegenen Rauschgiftdelikte in Herzogenrath, Baesweiler und Würselen sind vor allem ein Zeichen dafür, dass mehr Kontrollen durchgeführt wurden“, sagt Schmitz.

Grenzüberschreitende Täter

Ebenso unspektakulär seien die Rückgänge im Autodiebstahl zu werten. „Es handelt sich hierbei um grenzüberschreitend tätige Diebe. Auch hier ändern sich die Zahlen von Jahr zu Jahr.“ Zumindest im Aachener Zuständigkeitsbereich geben die Zahlen derzeit keinen Hinweis darauf, ob sich die Schwerpunkte der Täter auf andere Städte verlegt hätten. „Auch in Aachen haben die Zahlen der Autodiebstähle abgenommen. Insgesamt sind sie aber trotzdem noch sehr hoch.“

Die erschreckend stark angestiegenen Zahlen von Vergewaltigungen in Alsdorf um 100 Prozent auf zehn Menschen und in Würselen um 600 Prozent auf sieben Opfer seien weniger leicht zu erklären. „Gerade solche Verbrechen unterliegen hohen Schwankungen. Das liegt auch an den hohen Dunkelziffern und dem Anzeigeverhalten“, erklärt Schmitz.

Auch an der Aufklärungsquote lasse sich erkennen, dass es sich hier vor allem um Beziehungsdelikte handele. Solche Taten verändern sich häufig dann, wenn die Thematik in der Öffentlichkeit diskutiert wird, wie nach den sexuellen Übergriffen in Köln in der Silvesternacht auf den 1. Januar 2016. „Wenn die Taten nicht angezeigt werden, können wir wenig machen, sie finden oft im familiären Umfeld und hinter verschlossenen Türen statt“, erklärt Schmitz.

Als auffällig bewertet die Polizei auch die vier Mordversuche im vergangenen Jahr nicht. „Darunter fallen zwei Brandstiftungen.“ Weil das deutsche Recht in besonders schweren Fällen unterstellt, dass der Täter den Tod von Menschen im Gebäude einfach in Kauf nimmt, gilt die Tat als versuchter Mord oder Mord. Darunter fällt auch der Brandanschlag auf die Puffendorfer Feuerwache, am 27. Mai 2016, bei dem zwei Feuerwehrmänner nur mit Glück überlebten. Der 30-jährige mutmaßliche Täter wurde im September vergangenen Jahres gefasst. Das Tatmotiv ist bisher noch unklar. Die Staatsanwaltschaft hofft, diese Frage in der Hauptverhandlung klären zu können.

Ein weiterer Fall, der viel Aufmerksamkeit auf sich zog, ist jener eines 16-Jährigen, dem vorgeworfen wird, für 39 Straftaten in Nordrhein-Westfalen verantwortlich zu sein. Am 30. Mai vergangenen Jahres wurde der Junge nach einer rasanten Verfolgungsjagd durch die Polizei gefasst. In Herzogenrath war der Junge mit einem ebenfalls sehr jungen Kollegen bei einem Einbruch auffällig geworden. Die Jugendlichen fuhren der Polizei mit einem Auto davon. Die Verfolgung endete in einem Unfall, wobei vier parkende Fahrzeuge beschädigt wurden. Die beiden Jungen wurden gefasst und gaben an, zwölf und 13 Jahre alt zu sein.

39 Delikte in ganz NRW

Die Polizei führte aufgrund erheblicher Zweifel ein Altersfeststellungsverfahren durch und konnte den Beifahrer auf 15, den Fahrer des Fluchtwagens auf 16 Jahre datieren. Dem Fahrer wurden außerdem die 39 Delikte zugeschrieben. Der Jugendliche sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

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