Im Mittelpunkt des Heimatautors: Die Menschen und ihre Geschichten

Von: mabie
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Jürgen und Horst

Herzogenrath. Es ist das neueste Projekt des in Boscheln lebenden Heimatautors Jürgen Klosa: das erste Buch über die Grube Adolf in Merkstein. Am 13. September soll es offiziell erscheinen, und so machte bei seiner Vorstellung in der AWO-Begegnungsstätte an der Römerstraße zunächst eine provisorisch gebundene Probeausgabe die Runde.

Wie aufwendig Recherche und Materialauswahl gewesen sein müssen, beweisen die Fakten. „Ich habe 115 Menschen interviewt, ihre 220 Geschichten sind Herzstück des Buchs“, verriet Klosa. Absprachen, Termine und Gespräche machten für den ehemaligen Stadtschreiber Übach-Palenbergs ein ganzes Jahr Arbeit aus. Doch es hat sich gelohnt: Letztlich wird das Buch ein Hardcover-Werk mit 304 großformatigen Seiten.

Natürlich hatte auch der Vorsitzende des AWO-Ortsvereins Merkstein, Horst Herberg, seine Freude an dieser Aufarbeitung. Denn auch für die örtliche AWO hatte die Zeche große Bedeutung, wurde der Ortsverein doch von den „Zugereisten“, die in der Grube Arbeit fanden, 1923 gegründet.

Viele Namen und die passenden Fotos hat Klosa zusammengetragen. „Eine Schweinearbeit“, resümiert der Autor augenzwinkernd. Aber er liebt solche Herausforderungen, sich Aufgaben zu stellen, die andere vielleicht als zu umfangreich oder unbedeutend empfinden. So seien auch seine Werke über Boscheln, Frelenberg und Zweibrüggen oder „Die letzte Förderung“ über die frühere Gewerkschaft Carolus Magnus in Übach-Palenberg „weggegangen wie warme Semmeln“.

Es ist der schiere Eindruck von Information, der das Buch nicht nur beim ersten Durchblättern zu einer Art Grube-Adolf-Nachschlagewerk macht. „Bei mir finden Sie keine weißen Stellen, denn ich bin Autor und Setzer zugleich“, sagt Klosa. Stellen, die in anderen Werken vielleicht frei bleiben, hat er entweder mit einem der über 1000 – übrigens zu 90 Prozent unveröffentlichten – Fotos besetzt. Oder Sinnsprüche über die Zeche und kleine lyrische Momente untergebracht, die er selbst verfasst hat. „Ich habe darauf geachtet, keine alten Geschichten aufzuwärmen, sondern nur neues Material zu liefern“, sagt er.

Stolz kann er darauf sein, was er in den gut eineinhalb Jahren seit Projektstart geschafft hat. Die Mitglieder des Vereins Bergbaudenkmal Adolf halfen ihm, öffneten unter anderem Türen, von denen der Autor dachte, dass sie für immer verschlossen seien. Ein Aufruf für Zeitzeugen war zunächst fast folgenlos, bis der Verein seine Verbindungen spielen ließ. „Ich wollte 100 Zeitzeugen befragen, mit weniger hätte ich mich nicht zufrieden gegeben“, betont Klosa.

Dank der „Türöffner“ beim Verein und vielen Kontakten, die manchmal auch noch in seine Zeit als Verwaltungsmitarbeiter der Zeche Anna in Alsdorf zurückreichten, wurde das ehrgeizige Ziel erreicht. Nach den intensiven Recherchen musste der riesige Berg an Material über das Leben unter Tage und in den Siedlungen geordnet werden. Das gelang Klosa nach eigener Aussage mit einer „gelungenen Verquickung persönlicher Geschichten und historischer Fakten“: „In so einem Buch soll es nicht so tierisch ernst zugehen, es soll auch schon mal etwas zum Schmunzeln dabei sein.“

So berichtet er ebenso intensiv vom Abteufen des Schachts – es brauchte ganze neun Jahre für die ersten 140 Meter –, wie von persönlichen Erlebnissen der Kumpel. Auch Geschichten der Menschen, die teils von weit her nach Merkstein kamen, um „auf Adolf“ Arbeitund ein neues Zuhause zu finden, sind dabei. Sie sind es, die Klosas Werk tragen. „Die Menschen stehen im Mittelpunkt, liefern Wissen, Hintergründe und beschreiben ihr Milieu“, sagt Klosa. Und sie lieferten ihm auch die unverblümte Sprache unter Tage.

Tag des Offenen Denkmals

Jetzt freut sich Jürgen Klosa auf den Moment, in dem seine jüngste „Förderung“ das Licht der Welt erblickt: Am Sonntag, 13. September, dem „Tag des Offenen Denkmals“, wird der Autor sein neuestes Werk den ganzen Tag über im früheren Fördermaschinenhaus im Grube-Adolf-Park persönlich ausgeben – und dabei bestimmt auf großes Interesse stoßen.

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