Im Bautrupp haben Lehrer nicht das Sagen

Von: Stefan Schaum
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Werkeln wie die Profis: Mit Mundschutz ausgestattet, verpassen die Schüler den Holzbänken einen neuen Anstrich. Foto: Stefan Schaum
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Neuer Chic für die SV: Als Koordinatorinnen der Projekttage sind Juliane Imm (l.) und Barbara Kockerols mit ihren roten Shirts gut zu erkennen.

Baesweiler. Dass Schüler bei Projekttagen ein buntes Bild auf ihre Pausenhalle pinseln oder ein Hüpfkästchen auf den Schulhof, kommt schon mal vor. Dass sie sich aber anschicken, gleich das ganze Schulgebäude – oder zumindest einen guten Teil davon – auf Vordermann zu bringen, ist neu.

Derzeit sind die 750 Schüler der Settericher Realschule ein einziger Bautrupp. Und das Kommando haben dabei nicht etwa die Lehrer, sondern die Schüler selbst.

Genauer sind es Juliane Imm, Schülersprecherin Barbara Kockerols und der Rest der Schülervertretung, die das Ruder in die Hand genommen haben. Während einer SV-Fahrt hatten sie die Idee, sich für ihre Schule ins Zeug zu legen. „Wir haben uns gedacht, dass es auch das Wir-Gefühl der Schüler stärkt, wenn alle gemeinsam anpacken“, sagt Barbara Kockerols.

Mit ihrem Konzept sind sie zunächst ins Lehrerzimmer gestiefelt – und erst wieder rausgegangen, als sie die Erwachsenen überzeugt hatten. Auch Eltern und zahlreiche Baesweiler Firmen haben sie für die Idee gewinnen können – was nicht zuletzt gut für die Kasse war. Material im Wert von 8000 Euro konnten die Schüler sich besorgen. Von Farbeimern über Werkzeug bis hin zu Hölzern, aus denen neue Bänke werden. Weitere 7000 Euro – beigesteuert auch von der Aachener Kathy-Beys-Stiftung und der Sparkasse – wurden genutzt, um ein paar Profis zu engagieren. Sebastian Schmidt vom „Kunstwerkstattmobil“ etwa, oder eine Schulhofarchitektin, die dem SV-Team vor Beginn der heißen Phase den ein oder anderen Tipp zur Umgestaltung gegeben hatte.

Pauker sind bloß Handlanger

Den Rest machen die Schüler im Alleingang. Lehrer sind bei den Arbeiten zwar zugegen, doch sind sie eher Handlanger, wenn es darum geht, neue Pflanzen in Beete zu bringen oder Mosaiksteinchen an den Schulbrunnen zu kleben. Vier Tage lang sind sie das Kommando los. Dass bei so vielen helfenden Händen der Zeitplan stimmt, liegt an guter Planung, die im SV-Raum geschieht. Juliane Imm: „Wir arbeiten im Zwei-Schicht-Betrieb und alle Einsatzpläne hängen an Tafeln im Schulfoyer.“ Die erste „Schicht“ dauert von 8.15 bis 10.30 Uhr, die zweite von 11 bis 13.15 Uhr. So ist es effektiver. „Wenn nur jeweils die Hälfte der Schüler im Einsatz ist, haben alle was zu tun. Sonst stehen vor lauter Leuten viele rum und langweilen sich“, sagt Barbara Kockerols. Von Langeweile ist aber keine Spur. Überall auf dem Gelände wird gestrichen, gesägt, gehämmert. Und so gibt es bereits ein bunt designtes Völkerballfeld auf dem Schulhof, viele neue Sitzgelegenheiten, frisch gestrichene Schulflure und etliche Details mehr.

Auch die Wände ihrer Mensa haben die Schüler veredelt. Mit berühmten Sprüchen der Welt- und Songgeschichte. Frei nach Shakespeare liest sich dort „To eat – or not to eat“, ein Metallica-Song stand Pate für „Muffin else matters“.

Einen neuen Namen suchen die Schüler ebenfalls für ihre Schule, die bislang eher schlicht „Realschule für Jungen und Mädchen“ heißt. Noch steht der künftige Titel nicht fest – doch ist zu vermuten, dass er deutlich besser klingen wird.

Ob es für die Lehrer wohl schwer war, die Verantwortung abzugeben? Ja. „Das war schon eine schwierige Entscheidung“, sagt Schulleiter Michael Göbbels. Aber was er derzeit an Engagement seitens der Schüler sieht, gefällt ihm sehr. „Ich bin froh, dass ich den Mut hatte, das zuzulassen!“

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