„Ihr müsst Verantwortung übernehmen und zuhören”

Von: sh
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Landrat Carl Meulenbergh besuchte die Klasse 9a der Realschule in Kohlscheid und stand den Schülerinnen und Schüler Rede und Antwort.

Kohlscheid. Überraschung für Landrat Carl Meulenbergh. Regelmäßig sucht er in den Schulen das Gespräch mit den Jugendlichen, will erfahren, wo der jungen Generation drückt, wie und was sie denkt.

Aber bei seinem Besuch der Klasse 9a der Realschule Kohlscheid gab es erstmals ein gemeinsames Frühstück. „In den letzten 14 Jahren bin ich noch nicht zum Frühstück in einer Schulklasse eingeladen worden”, schmunzelte der Landrat, der von Schulleiter Hans-Helmut Paffen begrüßt und begleitet wurde.

Altersschnitt zu hoch

Er traf auf 28 bestens vorbereitete Schülerinnen und Schüler, die ihn mit Fragen überhäuften. Klassenlehrer Andreas Urban: „Wir haben Expertengruppen im Unterricht gebildet und uns intensiv mit Themen auseinander gesetzt. So kamen rund 60 Fragen zustande.”

Beispiele: Was macht eigentlich ein Landrat? Wozu wird das Geld des Kreises Aachen ausgegeben? Was bedeutet kommunale Selbstverwaltung? Was ist eine Kommunalaufsicht? Fragen über Fragen prasselten auf Meulenbergh ein, der souverän Rede und Antwort stand.

Es liege wohl an seinen Genen, dass er politisch engagiert sei, antwortete der Landrat auf eine entsprechende Frage. Er habe seinerzeit mit seiner Frau Ahnenforschung betrieben. Dabei sei als Ergebnis herausgekommen, dass sich ununterbrochen seit 1670 alle seiner Vorfahren politisch betätigt haben.

Kritisch äußerte sich Meulenbergh indes zum hohen Altersdurchschnitt der Mandatsträger aller etablierten Parteien. Seine Forderung und Hoffnung: „Es müssen mehr junge Leute bereit sein, in die Politik zu gehen. Da sind die Parteien gefordert, sich Gedanken zu machen.”

Die 25- bis 40-Jährigen seien im Kreistag und in den Räten unterrepräsentiert. Für diese Altersgruppe stünden, wofür er natürlich auch Verständnis zeige, die berufliche Entwicklung, die Gründung einer Familie und der Bau eines Hauses im Vordergrund. Trotzdem halte er die derzeitige Altersstruktur für eine Katastrophe. Ehrenamtliches Engagement, egal in welchen Bereichen, zahle sich aus und sei sehr wichtig, meinte der Chef der Aachener Kreisverwaltung.

Breiten Raum im Verlauf der zwei für alle Beteiligten kurzweiligen Schulstunden nahm auch der schreckliche Amoklauf von Winnenden ein. „Soll man überall auf Schulgelände Kameras anbringen oder einen Zaun um die Schule ziehen? Das kann doch nicht der Weg sein”, sagte der Landrat.

Allein im vergangenen Jahr habe es an Schulen in Nordrhein-Westfalen rund 630 Amokdrohungen gegeben. Auch Schulen in Herzogenrath und Stolberg seien davon betroffen gewesen.

Und seit dem Vorfall in Winnenden seien innerhalb kürzester Zeit erneut 70 Drohungen in NRW ausgesprochen worden. Meulenbergh appellierte an die jungen Leute, Auffälligkeiten bei Mitschülern den Lehrern oder den Eltern zu melden. Er gab den Rat: „Ihr selber müsst Verantwortung übernehmen und aufmerksam zuhören, was Mitschüler so von sich geben.”

Jugendparlament einrichten

Auch das Lieblingsthema des Landrates, die Städteregion Aachen, kam nicht zu kurz. „Wir werden eine starke Region sein”, beteuerte Meulenbergh auf Nachfrage. Für Kapitalanleger werde es sich lohnen, in der Städteregion zu investieren. Als eine interessante und überlegenswerte Idee stufte der Landrat den Vorschlag der Klasse ein, auf städteregionaler Ebene ein Jugendparlament einzurichten.
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