Hundekot: Für Ekel und Abscheu bleibt auf der Straße keine Zeit

Von: Verena Müller
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Steffen Paprotka (27) und Volker Emondts (47) auf ihrer „Wochenendtour“ durch Alsdorf. Foto: V. Müller

Alsdorf. Dass das Hundekot-Problem in Alsdorf seit dem Bereitstellen von Plastiktütchen und speziellen Mülleimern gelöst sei, können Steffen Paprotka und Volker Emondts nicht gerade behaupten.

Die gefüllten Tüten machen den beiden Mitarbeitern des Eigenbetriebs Technische Dienste (früher Bauhof) eher noch mehr Arbeit: Wenn sie nämlich nicht in die Mülleimer, sondern in Grünflächen geworfen, wenn sie wie in der Kellersberger Schlucht in Bäume geschleudert oder in Gullys gesteckt werden, wo sie den Abfluss verstopfen.

An anderen Stellen ignorieren die Hundebesitzer die sogenannten Hundeklos einfach und die Tiere dürfen weiter die Grünstreifen und Parkanlagen verschmutzen. „Besonders unschön ist es, wenn wir mit dem Freischneider arbeiten und auf Hundekot treffen, den wir im hohen Gras nicht gesehen haben“, erzählt Steffen Paprotka. Er erspart einem die Details, spricht aber von den Vorzügen der Schutzbrillen und der Notwendigkeit, ab und an die Arbeiten zum Waschen und Umziehen unterbrechen zu müssen. Ekelhaft.

Manchmal hat Volker Emondts gerade erst Plastiktütchen nachgefüllt, da klingelt beim Eigenbetrieb schon das Telefon: Die Metallbox sei leer, meldet ein Anwohner. Emondts weiß auch wieso: Manche horten die Tütchen, an anderen Stellen, beispielsweise in Schulnähe, werden die Säckchen rausgezogen und verstreut.

An die acht Stationen gibt es (noch) im Stadtgebiet. „An manchen Standorten haben wir es schlicht aufgegeben. Da wurden die Hundeklos zerstört oder immer wieder alle Tüten auf einmal rausgenommen“, sagt Stephan Maaßen, Leiter des Eigenbetriebs. An die Stelle von Unverständnis und Ärger ist Resignation getreten. Und das betrifft nicht nur Tierexkremente.

Auf ihrer sogenannten Wochenendtour, jeden Freitag, fahren Paprotka und Emondts rund 50 Kilometer Alsdorfer Stadtgebiet ab, nur, um wilden Müll einzusammeln. Eigentlich sind die beiden, 27 und 47 Jahre alt, Landschaftsgärtner und an den anderen Wochentagen mit Grünschnitt beschäftigt. „Aber ich habe das Gefühl, dass das mit dem Müll immer schlimmer wird“, sagt Emondts. Vor allem Hausmüll werde einfach in die Grünstreifen geworfen, beispielsweise am Nordfriedhof. „Die Leute meinen wahrscheinlich, dass sie damit Müllgebühren sparen“, sagt Paprotka, „aber das ist ein Irrglauben. Es ist es viel teurer, wenn wir den Müll einsammeln müssen. Und die Kosten werden auf die Allgemeinheit umgelegt.“

Sperrmüll wird sogar kostenlos von der Regio-Entsorgung abgeholt, bequem, direkt vor der Tür. Ist es Unwissenheit oder Bequemlichkeit? Für solche Überlegungen haben die Mitarbeiter keine Zeit. Jede Woche finden die Männer Möbelteile und anderen Sperrmüll auf den Feldwegen. Beliebte Abladeplätze sind auch Glascontainer.

Die Ausbeute einer halben Stunde am: Ein Sack Müll an den Containern in der Hunsrückstraße, mehrere Aquarien, Glasplatten, eine Papppalette sowie ein Katzenkorb mit Katzenstreu hinter den Containern am Toom-Markt, am Nordfriedhof Richtung Boscheln mit Müll gefüllte Einkaufstüten und Filzbahnen, ein Heizkörper an der Grünfläche Im Haag, eine Fritteuse mit weiterem Elektroschrott und Tüten mit Glas und Keramikscherben zwischen den Glascontainern am Ohligsweg, Heizungsrohre und mit Abfall gefüllte Farbeimer an der Hoengener Straße.

All das landet hinten auf der Ladefläche des Eigenbetrieb-Fahrzeugs und wird später auf dem Hof des Eigenbetriebs in getrennte Container geworfen. Vorsicht ist da geboten, man weiß ja nie, was in Plastiktüten drin ist. „Ein Kollege hat einen Sack hochgehoben, der ist aufgeplatzt und drin war Glas. Der hatte Schnittverletzungen am Brustkorb“, erzählt Paprotka.

Früher habe man sich mal die Mühe gemacht, die Fundorte zu notieren und nach den Verursachern zu suchen. Man wollte Exempel statuieren. Und tatsächlich: Vereinzeilt konnten Schuldige ausgemacht werden. „Aber die behaupteten, der Müll sei aus ihren Wohnungen gestohlen worden.“ Aufwand und Erfolge standen im Missverhältnis, also beschränkt sich der Eigenbetrieb wieder nur aufs Einsammeln.

Keine Botschaft, die man verbreiten sollte, eigentlich. Aber ein Ausdruck für ein Problem, dessen der Eigenbetrieb einfach nicht Herr werden kann.

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