Hund stirbt an Vergiftung: „Wer tut einem Tier so Grausames an?“

Von: Thomas Thelen
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Paul, Australian Shepherd Collie Mix, wurde vergiftet. Foto: privat/stock-chromorange/Montage: Horst Thomas
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Andrea Kick (44), Erzieherin aus Baesweiler: Ihr Hund Paul wurde vergiftet. Foto: Thomas Thelen

Baesweiler. Paul war ein guter Kerl. Und mit seinen acht Jahren im besten Hundealter. „Mein Mann, die drei Jungs und ich hatten viel Freude an ihm“, sagt Andrea Kick, Erzieherin aus Baesweiler. Vor anderthalb Wochen ist Paul eingeschläfert worden. Es gab keine Hoffnung mehr für den Collie Mix. Jemand hat Paul vergiftet.

Was Andrea Kick selbst schon vermutete, wurde vom Tierarzt bestätigt: Rattengift. Das Blut kam aus Maul und Ohren. „Der Abschied war unendlich traurig, doch für Paul war es am Ende besser so“, sagt die 44-Jährige. Er sei nur noch ein kleines Häufchen Elend gewesen. Irgendwo da draußen vermutet Andrea Kick jemanden, der das Gift ausgelegt hat. Und sie fragt entsetzt: „Wer tut einem Tier so etwas Grausames an?“

Mit Ködern vergiftete Hunde: Es gibt keine Zahlen, die belegen, dass sich die Fälle gehäuft haben in den vergangenen Monaten. „Wir können das nicht bestätigen “, sagt Aachens Polizeipressesprecher Paul Kemen, der jedoch vermutet, dass es eine Dunkelziffer gibt.

Denn längst nicht alle Hundehalter melden ihren Fall oder bringen ihn zu einer Anzeige. Auch beim Veterinäramt der Städteregion Aachen gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die Zahl der Tiere, die durch eine Vergiftung zu Tode gekommen sind, gehäuft hat. „Uns liegen keine entsprechenden Erkenntnisse vor“, sagt Robert Flader von der Pressestelle der Städteregion Aachen.

Auch er gibt aber zu bedenken, dass möglicherweise nicht alle Fälle tatsächlich aktenkundig würden, weil sich die betroffenen Halter nicht bei der Polizei oder den Ordnungsämtern meldeten. „Auf Betreiben des Halters kann die Polizei bei uns eine Analyse eines Giftköders in Auftrag geben, die dann beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper in Krefeld erfolgt“, sagt Flader.

Allerdings koste eine Analyse, die der Halter zu tragen habe, bis zu 400 Euro. „Vielleicht hält das den einen oder anderen ja davon ab, der Sache genauer auf den Grund zu gehen.“ Das würde natürlich erklären, warum es vielleicht eine Häufung von Fällen gibt, die einfach nicht bekannt sind.

Kommt man mit Hundehaltern ins Gespräch, dann drängt sich folgender Eindruck auf: Seit Monaten treibt das Thema offenbar die Besitzer der Vierbeiner um. „Viele Hundebesitzer sind verunsichert, das ist deutlich zu spüren“, sagt Michaela Hannes aus Baesweiler, selbst Besitzerin zweier Hunde. „Jetzt hört der Spaß auf, es muss endlich etwas geschehen“, sagt die 55-Jährige.

Von Zufall will sie nichts wissen: „Da steckt eine einzelne Person hinter, die ganz gezielt Hunde vergiften will“, mutmaßt die Geschäftsführerin einer Zeitarbeitsfirma. Gerade hat sie sich mit einer Anfrage an die Stadt Baesweiler gewandt, weil sie nicht länger untätig zusehen will. „Seit fast einem Jahr gibt es im Stadtgebiet einen Übeltäter, der, warum auch immer, Rattengift in erheblichem Umfang auslegt. Nach meinen Recherchen hat das zum Tod von 15 Hunden geführt“, heißt es in dem Schreiben an die Stadt. Nun will sie wissen, welche Maßnahmen die Verwaltung ergreifen will.

Die Reaktion aus dem Rathaus, wo man sich der Problematik sehr wohl bewusst ist, kommt prompt: „Wir sind bei diesem Thema in den letzten Tagen noch sensibler geworden und bitten alle Bürgerinnen und Bürger, sich beim Ordnungsamt oder der Polizei zu melden, wenn ihnen unsachgemäße Verwendung von Gift oder sogar Giftködern im öffentlichen Bereich auffällt“, sagt Bürgermeister Dr. Willi Linkens. Denn auf die Hinweise aus der Bevölkerung ist man dringend angewiesen.

„Wir können wirklich nur jeden, dem so etwas Schreckliches mit seinem Hund widerfährt, freundlich auffordern, sich direkt bei uns zu melden“, bittet Pierre Froesch, Leiter des Ordnungsamts, um Mithilfe. „Sollte jemand Giftköder auslegen, um die Tiere vorsätzlich zu schädigen, dann ist das eine Straftat, die unbedingt zur Anzeige gebracht werden muss“, sagt Froesch, der von einem Alptraum für jeden Tierfreund spricht.

Ein weiterer Hinweis geht an alle Tierhalter, besonders die Hundebesitzer: „Behalten Sie Ihren Hund beim ‚Gassi gehen‘ unbedingt im Auge. Im Stadtgebiet ist eine Anleinpflicht zwingend vorgesehen, aber auch durch ein Anleinen Ihres Hundes beispielsweise auf Wirtschaftswegen können Sie eher vermeiden, dass Ihr Hund etwas vom Boden frisst.“

Kann man sich überhaupt schützen? „Nein“, sagt der Baesweiler Tierarzt Andreas Bücken. Höchstens, indem man seinen Hund zu jeder Minute angeleint und immer im Blick hat. Das ist kaum machbar. Er selbst lasse seinen Hund ja auch gern frei laufen. „Passieren kann da leider immer etwas.“ In seiner Praxis werde er in letzter Zeit häufiger auf das Thema Rattengift angesprochen, sagt Bücken. „Man merkt schon, dass es bei den Hundebesitzern eine Verunsicherung gibt.“ Gleichwohl kann auch er – zumindest in seiner Praxis – keine Häufung von Fällen feststellen.“

Erst im Februar waren im Baesweiler Stadtteil Loverich zwei Hunde gestorben, die einen Giftköder geschluckt hatten. Die beiden Fälle hatten seinerzeit hohe Wellen geschlagen. Auch dem Baesweiler Tierarzt Robert Fasselt ist das Thema nicht fremd, die Anfragen von Hundebesitzern häufen sich. „Es hat auf jeden Fall mehr Fälle gegeben, wobei gerade in den letzten beiden Wochen wieder eine gewisse Ruhe in das Thema gekommen ist“, so Fasselts Eindruck. Wie seine Kollegen rät auch er dazu, die Hunde an der Leine zu führen und sehr genau hinzuschauen, wenn sie im Gebüsch oder hinter einem Busch verschwinden.

Rudolf Groß, Besitzer einer tierärztlichen Klinik in Geilenkirchen, beobachtet seit ungefähr zehn Jahren eine leichte Zunahme von Hundevergiftungen. „Es gibt Vermutungen, dass die Vergiftungen eher durch den Einsatz von Mitteln in der Landwirtschaft verursacht werden“, sagt der Mediziner und verweist auf eine ähnliche Wirkungsweise wie sie das Pflanzenschutzmittel Parathion – besser bekannt als E605 – hervorruft, ein hochgiftiges Insektizid, das seit 2001 EU-weit verboten ist.

Paul, der verstorbene Hund von Andrea Kick, muss sich wohl das Rattengift einverleibt haben, als seine Halterin im Bereich Friedensschule und Gymnasium Baesweiler ihre tägliche Runde mit ihm drehte. „Da muss es passiert sein.“ In der Tat: Ordnungsamtsleiter Froesch räumt ein, dass es in diesem Bereich ein Problem mit Ratten gebe, „wir wissen, dass wir da etwas unternehmen müssen.“

Allerdings kann die Stadt seit dem 1. Januar 2013 nicht mehr in Eigenregie Gift auslegen, sondern muss professionelle Kammerjäger beauftragen. Mit Hilfe von so genannten Giftboxen, die in der Regel auch im Kanal aufgestellt werden, ist so ausgeschlossen, dass Menschen oder Tiere giftige Substanzen zu sich nehmen. „Das ist veranlasst und wird in Kürze geschehen“, sagt Froesch. Möglicherweise, das ist aber nur eine Vermutung, ist dem Kammerjäger jemand zuvor gekommen...

Für Hundehalterin Michaela Hannes steht fest, dass der jüngste Fall im Zusammenhang mit etlichen anderen steht. So sehr bringt sie das Thema in Rage, dass sie sich zu einer eher ungewöhnlichen Maßnahme entschlossen hat: „Derjenige, der Hinweise liefert, die zur Ergreifung des Täters führen, bekommt von mir 500 Euro.“ Sachdienliche Hinweise bitte an das Ordnungsamt unter Telefon 02401/8001-07.

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