Herzogenrath - Hubert Bürschgens: Unermüdlicher Werber für die Bewegung

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Hubert Bürschgens: Unermüdlicher Werber für die Bewegung

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Sportabzeichen in vielen Farben und Größen: Hubert Bürschgens hat ein Dachzimmer ganz der Verwaltung der vielen Anstecker gewidmet. Foto: Stefan Schaum

Herzogenrath. Eigentlich müsste Hubert Bürschgens viel bekannter sein. Goldmedaillen hat er gesammelt, in New York, Barcelona und Seoul. Doch im ganz großen Rampenlicht stand der Sportler nie – wie so viele, die nicht bei den Olympischen Spielen antreten können, sondern bei den Paralympics starten. Aber der Merksteiner ist keiner, der die große Bühne braucht.

Er ist eher einer, der anderen eine große Bühne bereiten möchte. Der ehemalige Leistungssportler wirbt seit vielen Jahren für das Deutsche Sportabzeichen. Für die Städteregion ist er der Mann, der die Abnahme koordiniert.

Er hat gut zu tun

Damit hat er gut zu tun. Jeden, der das Abzeichen erwerben will, muss Bürschgens zunächst mal in eine elektronische Kartei eingeben. Gut 3900 Menschen waren es im vergangenen Jahr. „4000“, sagt er, „hab‘ ich bis jetzt noch nicht motiviert, aber diese Marke will ich noch knacken.“ Dazu muss er möglichst viele Vereine und Schulen für die Teilnahme begeistern. Das kann er gut. Weil jeder gleich merkt, dass der kräftige Mann mit Herzblut dabei ist. Er ist das, was man einen geborenen Motivator nennt. „Ich kann halt gut quatschen“, sagt er. War schon immer so.

Eine Frohnatur ist er, trotz des furchtbaren Unglücks am 15. Dezember 1964. Er war in der Ausbildung bei der Deutschen Bahn, im Wagenmeisterdienst. Von einem langsam rollenden Zug ist er gesprungen, irgendwie falsch aufgekommen und unter die Räder geraten. „Ich hatte noch Glück, dass der Arzt die Beine nicht gleich unterm Knie sondern weiter unten amputiert hat“, sagt Bürschgens. So braucht er bis heute nur kurze Prothesen, konnte viel seiner Bewegungskraft erhalten. Er hat keinen einzigen Tag im Rollstuhl gesessen – darauf ist er stolz. Mit der Handball-Karriere – damals spielte er für den SVS Merkstein in der Verbandsliga – war es jedoch vorbei. „Wer weiß, wie weit ich es noch geschafft hätte“, sagt er. „Ach, egal.“ Denn die großen Triumphe kamen ja noch – und das ganz unerwartet.

Zunächst trat er der Behindertensportgemeinschaft in Alsdorf bei und spielte Sitzball. Dass noch etwas anderes in ihm steckte, merkte er 1983. „In einer Reha-Klinik fragte mich einer der Betreuer, ob ich dort nicht das Deutsche Sportabzeichen machen wolle.“ Er wollte und musste dazu auch eine Kugel stoßen – die auf Anhieb glatt elf Meter weit flog. „Der Rekord lag seinerzeit bei 10,34 Metern“, sagt Hubert Bürschgens. Offenbar ein Naturtalent. Noch im gleichen Jahr nahm er an der Landesmeisterschaft teil, und weil er ordentlich Kraft in den Armen hat, warf er auch noch Speer und Diskus. Ergebnis: drei Meistertitel! Und noch mal drei bei der Deutschen Meisterschaft im gleichen Jahr. So kam er 1984 zu den Paralympics in New York, holte Gold mit dem Speer und Silber mit der Kugel. 1988 gab es in Seoul Gold in beiden Disziplinen, dazu noch Bronze beim Diskuswurf. „Eine Wahnsinnszeit“, sagt er heute.

Zu Besuch in Schloss Bellevue

Diese Zeit hat ihn zum fleißigen Werber für den Sport werden lassen. Und der Mann kommt rum. Neulich wieder. Da war er in Berlin, auf Einladung von Bundespräsident Joachim Gauck, bei dessen Bürgerfest im Schlosspark Bellevue. Zwar hat er Gauck nicht die Hand schütteln können – im Gegensatz zum ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, den Bürschgens zwei Mal getroffen hatte – aber die Einladung allein zeugt davon, dass der Merksteiner jemand ist, der richtig viel auf die Beine stellt. „Ich freu‘ mich immer, wenn ich Leuten Lust auf Sport machen kann“, sagt er.

Er selbst hat das Deutsche Sportabzeichen übrigens 32 mal abgelegt und ist somit das beste Aushängeschild für sein Anliegen. So erfolgreich zu sein trotz Handicap – das ist schon beeindruckend.

Nur eins ärgert ihn: Seit ein paar Jahren gibt es das Deutsche Sportabzeichen nicht mehr aus Stoff zum Aufnähen. „Das wollten die Leute immer besonders gern fürs Trikot haben.“ Das neue, größere aus Metall ist manchem schon zu sperrig. Aber auch dieses Ding wird Hubert Bürschgens den Sportlern schon schmackhaft machen.

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