Hospizdienst St. Anna: Qualifizierte Versorgung nur im Netzwerk möglich

Von: Ilona Rütten-Sieben
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Verabschiedung von den Toten: v.l. Palliativ Care Pflegekraft Ilona Jaworski und Pflegedienstleiterin Birgit Thomas wissen, Rituale sind wichtig. Foto: Ilona Rütten-Sieben

Alsdorf. Im Eingangsbereich des Seniorenzentrums St. Anna liegt das große Verabschiedungsbuch. Fotografien der verstorbenen Senioren, ein kurzer Text über den Menschen, seine Hobbys, persönliche kleine Dinge, wie etwa ein Karnevalsorden, schmücken die Seiten.

Ist einer der Bewohner verstorben, brennt bis zu 72 Stunden eine Kerze daneben. Der Tod ist etwas Selbstverständliches in dem Seniorenzentrum, nicht erst seitdem der ambulante Hospizdienst St. Anna ergänzend eingerichtet wurde.

Mit dem Gesundheitsreformgesetz wurde Anfang 2007 der Anspruch gesetzlich Versicherter auf spezialisiert ambulante Palliativversorgung festgelegt, um Sterben in vertrauter Umgebung, wie es die meisten Menschen wünschen, zu ermöglichen. Eine Gesetz, das die Verantwortlichen von Hospizdienst und Hospizarbeit im Seniorenzentrum bestärkt.

Bereits seit vielen Jahren arbeitet die Koordinatorin des Hospizdienstes St. Anna, Beatrix Hillermann, mit den Pflegefachkräften des Seniorenheims zusammen. Im Vordergrund steht dabei den sterbenden Menschen eine Begleitung zu sein, individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse ausgerichtet, eine Hand zu reichen, um den Weg zu erleichtern.

Dazu gehört auch, dass Bedingungen geschaffen werden müssen, damit eine Krankenhauseinweisung verhindert werden kann. „Wir möchten die Senioren nicht in ihren letzten Stunden aus dem Haus geben. Es ist wichtig, dass sie in ihrer gewohnten Umgebung sterben können - auch für die Angehörigen”, sagt Pflegedienstleiterin Birgit Thomas.

Um die Qualität der Arbeit sicherzustellen, ist ein multiprofessionelles Team notwendig. Die Zusammenarbeit mit einem Schmerztherapeuten und Palliativmediziner, der die Pflegemitarbeiter schult, nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein.

Zwei ausgebildete Palliativ-Care-Pflegekräfte in den Teams - die dritte beginnt gerade die Ausbildung - überwachen unter anderem, ob die Patienten medikamentös richtig eingestellt sind.

Ilona Jaworski ist eine von ihnen. „Wir haben engen Kontakt zu den Bewohnern, kennen sie. Es ist wichtig, sie ganz sensibel zu beobachten, vor allem wenn sie sich nicht mehr äußern können.”

In unterschiedlichen Fortbildungen haben auch die anderen Pflegemitarbeiter palliativpflegerische Grundkenntnisse erworben. Die Kooperation zwischen Pflegekräften und den ehrenamtlichen Helferinnen des Hospizdienstes ist ein weiterer Aspekt.

„Oft ist es nötig, die Situation des sterbenden Menschen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu sehen, um ihm die bestmögliche Unterstützung zu geben”, sagt Ilona Jaworski. Wesentlich ist dabei auch die Abstimmung mit den Angehörigen und deren Begleitung.

Die letzten Stunden verlangen gute Vorbereitung. Biographiearbeit gehört dazu. So wird über längere Zeit schriftlich festgehalten, was den Senioren wichtig in ihrem Leben ist. Birgit Thomas erinnert sich an einen Bewohner, der eine Leidenschaft für Busse hegte: „Wir haben Geräusche von fahrenden Bussen aufgenommen und sie ihm vorgespielt.”

Qualifizierte palliative Versorgung sei allerdings nur im Netzwerk unterschiedlicher Berufsgruppen möglich, erklärt Beatrix Hillermann. Über den Hospizdienst ist das Seniorenzentrum St. Anna deshalb etwa am Aachener Palliativnetzwerk beteiligt.
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