Horst Gießler wird mit dem Rheinlandtaler gewürdigt

Von: Stefan Schaum
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Archiviert: Auch die Chronik „seiner“ Junggesellen findet Horst Gießler im Fundus des Baesweiler Geschichtsvereins. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Ein eifriger Sammler war Horst Gießler schon als Jugendlicher. Damals hat er alte Wehrpässe vom Vater und Großvater aufgehoben und Urkunden, Fotos, Kalender archiviert. „Alles, was irgendwie mit Heimatgeschichte zu tun hatte, fand ich ungeheuer spannend.“ So ist es heute noch, viele Jahre später.

Wie gut, dass der 66-Jährige genau am richtigen Platz ist: Als Archivar des Geschichtsvereins Baesweiler betreut er einen riesigen – und immer größer werdenden – Fundus. Das bedeutet viel ehrenamtliche Arbeit, die jetzt besonders gewürdigt wird. Am Mittwoch wird er vom Landschaftsverband Rheinland mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet.

Im Dezember lag unverhofft das entsprechende Schreiben in seinem Briefkasten. „Ich war komplett überrascht. Eine Riesenehre!“ Nach Kurt Faßbinder, der den Rheinlandtaler 1999 bekommen hatte, ist Gießler der zweite Baesweiler, der ihn erhält. Um für die Auszeichnung überhaupt in Frage zu kommen, muss man großen Tatendrang haben – und an dem hat es Horst Gießler nie gemangelt.

1968 trat er als 22-Jähriger dem Junggesellenverein Baesweiler bei. „Im Herbst des Jahres war ich bereits der Vorsitzende.“ Das war damals keine dankbare Aufgabe. „Der Verein hatte eine ziemliche Flaute, es lief auch finanziell nicht gut.“ Bloß 385 D-Mark fand Gießler beim Amtsantritt in der Vereinskasse. Da hat er beschlossen, einiges neu und anders auf die Beine zu stellen.

Ringen um das Festzelt

„Ich wollte die Festabende aus der Tonhalle Jorgas rausholen und in einem Festzelt mehr Besuchern Platz bieten.“ Das ging nicht ohne harte Diskussionen ab, erinnert er sich an eine besonders hitzige Versammlung. Die Vorstellung von einem Ortswechsel gefiel vielen älteren Mitglieder nämlich gar nicht. Am Ende stand aber doch ein Zelt im Kirchwinkel, auf der Wiese von Landwirt Keller. „1969 hatten wir den ersten Ball im Zelt. Da waren die Besucherzahlen zwar noch nicht super, aber schon ganz ordentlich.“

Und in den folgenden Jahren kamen immer mehr Gäste. Als Gießler vier Jahre später durch sein kirchliches Jawort aus dem Amt des Vorsitzenden „herausgeheiratet“ wurde, waren 10.000 D-Mark in der Vereinskasse. Das war 1972, im Jahr des 100-jährigen Bestehens des Junggesellenvereins. „Die Feiern im Zelt sind seitdem ein Renner, und immer noch up-to-date.“ Auch als inaktiver Junggeselle hat er sich stets im erweiterten Vorstand engagiert.

All die Dinge aus dem Familienkreis, die Horst Gießler als Heranwachsender sammelte, waren der Grundstein für eine Leidenschaft, die er gerne anderen nahebringt: die Familienforschung. Als er 1985 in Baesweiler den ersten Infoabend zum Thema Genealogie anbot, saßen 40 Interessierte vor ihm. „Zu erfahren, wie die Vorfahren hießen, wo sie lebten und wie – das ist der Reiz bei vielen Gleichgesinnten.“ Ein Arbeitskreis zu diesem Thema gehört zum Geschichtsverein, den er 2003 mitgegründet hat. „Derzeit versuchen wir, möglichst alle alten Bücher aus den Standesämtern in der Region zu digitalisieren“, nennt Horst Gießler eine Aufgabe, der er sich mit sechs Mitstreitern im Team stellt.

Das sei ein Gewinn für alle Seiten. „Wir erstellen ein leicht zugängliches Archiv und auch die Standesämter bekommen die Daten und müssen ihre alten Bücher dann nicht mehr hervorholen.“ Alle Kirchenbücher aus Baesweiler haben sie bereits auf Festplatte gebannt. Aber es gibt noch viel Arbeit in den Vereinsräumen an der Alexanderstraße 14. Sammeln, ordnen, archivieren – „ich werde hoffentlich 100 Jahre, damit ich das alles schaffe“, sagt er lachend. Die Lust daran wird ihm jedenfalls nicht vergehen.

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