Homogen und einfach nur herausragend

Von: jope
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Meisterlich: Die Musiker boten
Meisterlich: Die Musiker boten im Würselener „Dom” herausragende Leistungen. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Würselen. Im Aachener Dom sind Sinfonieorchester, Sinfonischer Chor und Opernchor bei Sonderkonzerten oft zu hören. Doch in den vergangenen Jahren haben erwähnte Ensembles auch Geschmack an Auftritten im Würselener „Dom” gefunden.

Im Rahmen der Reihe „Messe plus” gastierten sie erneut in der vollbesetzten Hauptpfarrkirche St. Sebastian. Geboten wurden die Messe C-Dur (Opus 88) von Ludwig van Beethoven und die „Suite médiéval” des erst 1991 verstorbenen französischen Orgelkomponisten Jean Langlais.

Echtes Hörerlebnis

Die 1807 vollendete Beethoven-Messe ist in ihrer Verbindung von subjektivem Glaubenskenntnis in der Musik und traditionellem Fundament der Ordinariums-Texte Vorläufer der bahnbrechenden „Missa Solemnis”. Schon vom zeitlichen Abstand her liegen zwischen ihr und der 1947 beendeten Orgel-Suite von Jean Langlais Welten. Bildete also schon die Kombination ein Hörwagnis an sich, umso mehr dann noch die Anordnung des Programms. Auf einen Messteil Beethovens folgte jeweils eine Suite.

Doch diese ungewöhnliche Verzahnung führte nicht zu Zerfaserungen des Hörerlebnisses, sondern zu „Verzahnungen”, welche den spirituellen Kern geistlicher Musik über die Jahrhunderte nachvollziehbar machte. Eine vielleicht zeitgemäße, aber alles andere als geistlose Form des „Zappens” und „Beamens”, wenn diese Wortwahl im Rahmen eines klassischen Konzertes erlaubt sein darf.

Auf jeden Fall erlaubt sein darf ein hohes Lob für die Vokal- und Instrumentalsolisten. Nur selten im Rahmen professioneller Konzerte zuletzt hat der Rezensent ein so homogenes Gesangsquartett erleben können. So sehr Antonella Schiazza (Sopran), Annika van Dyk (Alt), Patricio Arroyo (Tenor) und Pawel Lareszuk (Bass) bei ihren Soli glänzten - „unter die Haut” gingen am stärksten die gemeinsamen Tableaux: so beim bezaubernd intimen Credo-„Incarnatus” vor dem auftrumpfenden „Et resurrexit” und der Fuge der Chöre, so beim sanften „Benedictus”. Von Beginn an - mit dem lieblich beginnenden „Kyrie”, das sich dann im Wechsel zwischen Solisten und Chor klangfarblich rasch „eindunkelte” - waren die Besucher gebannt von einer Chorleistung mit klarer Artikulation und voll wechselnder Dynamik, die auch vom Orchester bestens nachvollzogen wurde. Über all dem vokalen und instrumentalen Jubeln, Klagen und Fugato-Weben waltete Chordirektor Andreas Klippert als engagierter und klare Linien vorgebender Dirigent.

Die Orgel meisterlich gespielt

Der große Schluss-Applaus für die Solisten galt nicht nur den erwähnten Personen, sondern auch dem dann an den Altar hinzukommenden Domkapellmeister Berthold Botzet. Hatte er schon bei der Einweihungswoche der neuen Eule-Orgel viele Register seinen Könnens gezogen, so setzte er bei der Interpretation der Langlais-Suite Maßstäbe für das neue Instrument. Es ist zwar unstrittig, dass der Organist bisweilen nur so gut sein kann wie seine Orgel. Doch der Umkehrschluss gilt genauso: Nur ein Meister seines Fachs kann aus „Meister-Orgeln” das Optimale herausholen. Eine gute Orgel und dazu ein Stück moderner Virtuosität, verwoben mit der „archaischen” Gregorianik: Das Langlais-Werk war Berthold Botzet mit seinem erwiesenen Können, seinen früheren Zusatzstudien im Fach „Gregoranik” und seiner vieljährigen Tätigkeit an der kirchenmusikalischen Vorbild-Pfarre St. Sebastian Nettetal sprichwörtlich auf den Leib geschnitten. Beim „Prelude” sowie den „Acclamations” mit Quart- und Quintklängen sowie den freiwechselnden Metren erinnerte Berthold Botzets Interpretation unmittelbar an die Musik der „Notre-Dame”-Epoche.

Und wie im Aachener Dom der Organist bei einem der Höhepunkte des Karlsfestes die Litanei „Christus vinxit” anstimmt, so bestritt Berthold Botzet im Würselener Dom mit der Langlais-Version des karolingischen Hymnus das rauschende Finale einer beeindruckenden Abendstunde.
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