Holzknappheit ist hier noch kein Thema

Von: Beatrix Oprée
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Hat auch die 400 Hektar Würselener Wald im Blick: Försterin Susanne Gohde. Foto: Beatrix Oprée/Stock/Drei K

Nordkreis. Für immer neue Schlagzeilen und tiefe Sorgenfalten bei Holzhändlern und Politikern ist ein „österreichischer Holzmulti“ verantwortlich, der den gesamten Fichteneinschlag der Staatsforste in NRW für sich beansprucht.

Der Tiroler Klausner Group ist vom Oberlandesgericht Hamm eine entsprechende einstweilige Verfügung gegen das Land NRW zwar versagt worden, doch im Ergebnis gilt eine Einigung, dass in den kommenden sechs Monaten immerhin 195.000 Festmeter Fichtenstammholz für die Österreicher bereitstehen müssen. Was übrig bleibe, dürfe der Landesbetrieb Wald und Holz NRW dann „uneingeschränkt“ an andere Sägewerke liefern. Doch in der heimischen Branche ist die Luft zum Überleben aus Mangel an Rundholz bereits dünn geworden, mehrere Betriebe im Land sind vom Aus bedroht.

200.000 Kubikmeter im Jahr

In diesem Punkt getrost zurücklehnen kann sich der einzige Global Player unter den Sägewerken in der Region: Die teils bedrohlichen Auswirkungen des Klausner-Vertrags reichen nicht in den äußersten Westen des Landes. „Das Holzaufkommen in unserer Region ist so hoch, dass es für die kleineren Sägewerke – etwa in Stolberg – ohnehin ausreicht“, sagt Rolf Eigelshoven, mit seinem Bruder Geschäftsführer des gleichnamigen Holzunternehmens in Broichweiden. Bei einem Verarbeitungsvolumen von 200.000 Kubikmetern pro Jahr muss Eigelshoven allerdings beim Rohstoffnachschub über den Tellerrand hinaus schauen. „Unser Einkaufsradius beträgt rund 300 Kilometer.“ Über Eifel und Ardennen bis zum Hunsrück, ins Sauer- und Bergische Land. Im Norden werde es etwas dünner, dafür aber in den Niederlanden, im Mergelland, wieder ergiebiger. 50 Prozent des verarbeiteten Holzes stammt aus Belgien.

Schnittholz in jeder Form und Farbe liefert Eigelshoven an die Verpackungs- und hauptsächlich die Bauindustrie. Weltweit. Großkunden sitzen in Belgien, den Niederlanden, England, Irland und Frankreich, aber auch Japan und den USA. Mit „German Timber“ – Qualitätsholz aus Deutschland – wird dort gerne geworben.

Eine im Vergleich zum Bedarf des Werkes verschwindend geringe Menge Holz stammt aus dem rund 400 Hektar umfassenden Würselener Forst, wie Revierförsterin Susanne Gohde auf Anfrage berichtet. Wie ihr für den Herzogenrather Wald zuständiger Kollege Herbert Koch vom Gemeindeforstamt Aachen auch sieht sie sich in der „glücklichen Lage“, eigene Verträge machen zu können. Völlig unabhängig vom Land und dessen Zwangslage. Betriebe in der Region sind die Abnehmer für Fichten, hauptsächlich das in Luftlinie nur fünf Kilometer entfernte Werk an der Broichweidener Hauptstraße. Und Pappeln gehen nach Belgien. „Wir haben leider nicht das allerschönste Holz“, sagt Gohde. Stolberger Fichten etwa seien begehrter, gerader und höher gewachsen. Gerade 500 bis 600 Festmeter Rundholz sind es, die in Würselen jährlich veräußert werden, macht etwa zehn bis zwölf Lkw-Ladungen. Der Holzerlös in 2012: 80.447,37 Euro, davon entfielen 24.771,78 Euro auf den Verkauf von Brennholz.

Naturwaldgemeinde

Auf kurze Lieferwege legt auch Revierförster Herbert Koch Wert: Zehn bis zwölf kleine heimische Säger werden mit dem beliefert, was bei den vergleichsweise kleinen Einschlägen in der „Naturwaldgemeinde“ Herzogenrath anfällt. Der insgesamt 230 Hektar messende schmale Waldstreifen – fast alles Nachkriegs-Aufforstungen – zieht sich vom Paulinenwäldchen an der Wurm entlang bis nach Merkstein. Borkenkäferbefallene Fichte war bei den Verkäufen in 2012, zudem Pappeln, die am Weiher und an Parkplätzen aus Sicherheitsgründen gefällt werden mussten, sowie Brennholz aus Pflegemaßnahmen in Jungholzbeständen. Auf Pflege liegt der Schwerpunkt in Rodas Forst, in älteren Beständen auch auf der Verkehrssicherung. Relativ gering daher der Erlös: 10 856,72 Euro in 2012.

Größte Aufforstungsfläche

Gerade einmal 70 Hektar der Stadt Alsdorf sind bewaldet. Immerhin 3100 Euro wurden im vergangenen Jahr damit erlöst. „Wir sind kein Wirtschaftswald“, erklärt Karl Becher, Leiter des Fachgebiets Sonderaufgaben und Umwelt im Rathaus. Die Waldfläche reicht vom Naturschutzgebiet Broichtal bis zur Broicher Siedlung und einer Aufforstung aus den 80er Jahren in Blumenrath. Am Mariapark im Bereich Siedlung Ost ist im Zuge von Ausgleichspflanzungen die größte Aufforstungsfläche im Nordkreis seit 1945 gewachsen. „Darauf sind wir stolz“, sagt Becher. Alsdorf legt Wert auf eine Mischung aus ökologischem und Erholungswald. So fällt zu veräußerndes Holz allenfalls bei Auslichtungen von Aufforstungen an, und wenn Pappeln gefällt werden müssen. Anders als Würselen und Herzogenrath hat sich Alsdorf einer Forstbetriebsgemeinschaft aus größeren und kleineren privaten Waldbesitzern angeschlossen.

1000 Euro durch Rückschnitt

Auch das unbewaldete Baesweiler hat Erlöse aus Holzverkauf. Immerhin rund 1000 Euro kamen 2012 aus Pflege- und Rückschnitten des Bauhofs in Parks und an Straßenbäumen zusammen, die Bürger als Schüttgut (2 Kubikmeter à 75 Euro) für den Kamin erwerben können. Die Warteliste ist lang, sagt Sprecherin Birgit Kremer-Hodok.

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