Hohe Hürden für Autobahn-Lärmschutz

Von: Beatrix Oprée
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A44 bei Begau an einem Vormittag in der Woche: Der Lärm auf der Brücke ist trotz der relativ wenige Fahrzeuge bereits ohrenbetäubend. Foto: Holger Bubel
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Hat den Lärm „im Blick“: Stefan Kadansky-Sommer. Foto: B. Oprée

Nordkreis. Gute Resonanz hat die interaktive Lärmkarte auf unserer Homepage gefunden. Am meisten genannter Problempunkt: die Autobahn 44 nahe Warden, Begau und dem Neubaugebiet Müschekamp.

„In manchen Bereichen ist eine Unterhaltung so ,gut‘ möglich wie auf einem Autobahnrastplatz. Das macht krank! Eine Wohltat ist‘s, wenn durch einen Unfall die Bahn gesperrt ist“, heißt es in einem Leserbeitrag fast verzweifelt. Eine „massive Zunahme des Lärmpegels in den vergangenen Jahren“ konstatiert ein anderer Leser. „Flüsterasphalt oder Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 km/h zwischen 19 und 6 Uhr“ schlägt ein weiterer Anwohner vor. „Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100/120 km/h“ oder „weitere Lärmschutzwälle“ heißt es als Vorschlag in einem anderen Eintrag.

„Der Lärm ist gut nachvollziehbar“, sagt Stefan Kadansky-Sommer, Schallgutachter und Inhaber des Büros IBK Schallimmissionsschutz in Hoengen. Der ausgewiesene Experte hat auch in der Region bereits zahlreiche Schallprognosen errechnet und entsprechende Gutachten geschrieben – für Baugebiete, Straßen, Gewerbeunternehmen. Soll ein Neubaugebiet ausgewiesen werden, sind stets neutrale Sachverständige wie er gefragt, die bei der Aufstellung der Bebauungspläne beratend zur Seite stehen.

Zur Situation in Warden erläutert Kadansky-Sommer: „Der Bau der A 44 stellte seinerzeit eine Zerschneidung der Ortslage dar, deswegen gibt es hier auch relativ viele Brücken.“ Mit und mit bauten die Menschen an die Autobahn heran, wurden auch Gebiete wie Müschekamp entwickelt.

Die A 44 indessen genießt Bestandsschutz gemäß Baurecht, darauf und auf das einstige Planfeststellungsverfahren kann sich der Straßenbaulastträger jederzeit zurückziehen, wenn es um Forderungen zur Aufrüstung des Schallschutzes geht. Das bedeutet im Umkehrschluss: Soll in der Nähe einer Autobahn oder anderer schallintensiver Bereiche, etwa einem Gewerbegebiet, gebaut werden, sind die Bauwilligen ihrerseits gefordert, für die entsprechende Abschirmung zu sorgen.

An der A 44, so erläutert Kadansky-Sommer, „gibt es schon weitreichenden Lärmschutz durch Wände und Wälle, weswegen eine so nahe Bebauung überhaupt möglich ist.“ Derartiger „offener Lärmschutz“ lasse allerdings nur eine Geräuschminderung bis zu einer bestimmten Größenordnung zu. Stiller würde es allenfalls durch eine Einhausung, wie sie etwa derzeit in dicht bebauter Stadtlage bei Köln-Lövenich als europäisches Pilotprojekt verwirklich werde. Der Fachmann betont: „Die verschiedenen Schutzmaßnahmen entlang einer Straße bedeuten keinesfalls, dass man nichts mehr von ihr hören darf. Man wird neben einer Autobahn immer eine größere Geräuschkulisse haben als in weiter entfernten Gebieten.“

Orientierungs- und Grenzwerte

Kadansky-Sommer stellt klar: „Bei der Ausweisung von Baugebieten geht es nur um Orientierungswerte. Beim Neubau oder einer wesentlichen Änderung einer Straße, etwa mehrstreifigem Ausbau muss der Straßenbaulastträger hingegen gesetzlich festgelegte Grenzwerte einhalten.“ Beispiel Eschweiler: „Hier haben die Menschen Jahrzehnte ohne aktiven Lärmschutz gelebt, dann wurde die Autobahn 4 sechsspurig – und es musste entsprechend nachgerüstet werden. Die Bewohner der anliegenden Ortsteile haben davon provitiert.“

Die Immissionssituation hängt fundamental von der Topografie ab. „Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob eine Autobahn in einem Einschnitt, auf dem Gelände oder in Dammlage verläuft“, erklärt der Experte. Entsprechend variieren die Lärmanteile, muss die Herangehensweise angepasst werden.

Jede bauwillige Kommune muss anhand von Gutachten abwägen, wie nah sie ein Baugebiet an eine Autobahn heranrücken kann, ohne dass übergeordnete Stellen Bedenken einlegen – gegebenenfalls unter Berücksichtigung „baulichen Selbstschutzes“, sprich Schallschutzfenster und Ähnlichem. Und jeder Bauherr muss überlegen, ob er tatsächlich nahe einer Autobahn wohnen will, ob sich sein Lärmempfinden im Lauf der Zeit nicht verstärken wird.

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