Herzogenrath - Historische Glocke zurück auf der Grube

Historische Glocke zurück auf der Grube

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Franz-Josef Küppers bemüht sich um das Erinnern an die Bergbauzeit. Foto: Kristina Toussaint

Herzogenrath. Anfang August bekommen die Merksteiner ein Relikt aus ihrer Bergbauvergangenheit zurück. Auf der Grube Adolf hat die Glocke von St. Thekla zwar nie im Schacht gehangen, warum sie für die Erinnerung an die Zeit der Kumpel aber dennoch eine große Rolle spielt, erklärt der Vorsitzende des Vereins Bergbaudenkmal Grube Adolf, Franz-Josef Küppers, im Gespräch mit Kristina Toussaint.

Herr Küppers, am 5. August kehrt eine besondere Glocke zurück auf die Grube Adolf. Was hat es damit auf sich?

Küppers: Die Glocke wurde 1854 in Bochum gegossen und war dann wahrscheinlich zunächst in Eschweiler als Schachtglocke im Einsatz. Wir vermuten, dass sie 1913 zur Inbetriebnahme hier nach Merkstein gekommen ist. Hier gab es aber anscheinend kein geeignetes Gebäude, in dem man die Glocke hätte aufhängen können, denn sie ist 260 Kilo schwer, hat 80 Zentimeter Durchmesser und ist 60 Zentimeter hoch – für eine Schachtglocke eigentlich viel zu groß und schwer. Die Glocke landete also hier im Magazin und hat auf Adolf nie gehangen. In den folgenden Jahren fanden sich dann durch den großen Bergarbeiterzuzug immer mehr Menschen, die sich auch religiös betätigen wollten. So entstand unter anderem die Pfarrgemeinde St. Thekla. Hier fand die Glocke einen neuen Platz.

War sie aufgrund ihrer Ausmaße vielleicht ursprünglich eher für eine Kirche gedacht?

Küppers: Das ist sehr gut möglich. Die Glocke hat die Gemeindemitglieder von St. Thekla jedenfalls 30 Jahre lang, von 1926 bis 1956, als Kirchenglocke zur Messe gerufen. Als die Gemeinde neue Kirchenglocken kaufte, kam die St.-Thekla-Glocke im neu hergerichteten Glockenturm auf dem Friedhof Plitschard zum Einsatz. Dann starb aber der Friedhofswärter, die Glocke wurde nicht mehr geschlagen und auch nicht gewartet. Die Gemeinde Plitschard wollte den Glockenschlag elektrifizieren und ein Läutwerk einbauen, dann stellte man aber fest, dass im Glockenturm kein Strom lag und die Glocke in miserablem Zustand war. 2009 stellte ein Sachverständiger bei der Begutachtung fest, dass die Lager gerostet waren und der Glockenstuhl insgesamt baufällig war. Die Stadt Herzogenrath entfernte die Glocke also und lagerte sie ein.

Wie ist die Glocke hier gelandet?

Küppers: 2016 kam die Anfrage der Stadt, ob die Glocke nicht auf der Grube Adolf Platz finden könne. Da wir nicht wollten, dass die Glocke verschrottet wird, haben wir als Verein beschlossen, uns darum zu kümmern.

Was musste alles gemacht werden?

Küppers: Der Schlossermeister Josef Dovern hat die Lager wieder gangbar gemacht, das alte Joch herausgenommen und einen neuen Glockenstuhl mit Handanschlag gebaut. Am 5. August wird die Glocke nun mit einer Feierstunde an die Merksteiner zurückgegeben. Platziert im Barbarastollen, ehren wir mit der Glocke und einem Kondolenzbuch die 119 verunglückten Bergleute der Gruben Adolf und Nordstern. Bisher gibt es keinen vergleichbaren Ort des Gedenkens für diese Menschen. Die Feierstunde soll dann zu gewissen Anlässen, zum Beispiel zur Barbarafeier, wiederholt werden.

Was ist eine Schachtglocke?

Küppers: Die Schachtglocke hat die Bergleute zur Schicht gerufen und ist auch als Alarmglocke zum Einsatz gekommen. Das ist der Zweck, den sie vermutlich in Eschweiler erfüllte. Wir stecken aber noch mitten in der Recherche und sind dankbar, wenn jemand hier noch Hinweise geben kann.

Sie sind seit März Vorsitzender des Vereins Bergbaudenkmal Adolf. Was leistet der Verein, das Sie dazu bewegt, sich hier zu engagieren?

Küppers: Laut unserer Satzung haben wir ganz klar die Aufgabe, die Bergbautradition zu erhalten und zu pflegen. Dem habe ich mich auch selbst verschrieben. Ich bin mit 15 Jahren beim Eschweiler Bergwerks-Verein in die Ausbildung gegangen und habe bis 1992 als Elektrohauer unter Tage für den EBV auf Grube Anna gearbeitet. Ab 1993 wechselte ich in den Braunkohlen-Tagebau Inden von Rheinbraun heute RWE. Dadurch kenne ich mich sowohl im Unter- wie auch im Übertagebau sehr gut aus. Da liegt es sehr nahe, dass ich mich bemühe, die Bergbautradition in der Region so lang wie möglich aufrecht zu erhalten.

Wieso ist es Ihrer Meinung nach so wichtig, die Erinnerung an den Bergbau lebendig zu halten?

Küppers: Man sollte nie vergessen, woher man kommt. Ich bin vierfacher Großvater. Und die positive Entwicklung meiner Familie liegt im größten Teil darin, dass ich im Bergbau 40 Jahre lang mein Geld verdienen konnte. Man verdankt dem Bergbau in dieser Region sehr viel. Meine Kinder und Enkel profitieren noch immer vom einstigen wirtschaftlichen Boom. Viele Vereine, Siedlergemeinschaften und soziale Verbände, das alles ist durch Bergleute entstanden, alles „auf Kumpels Rücken“. Dass zum Beispiel die Gaststättenlandschaft so floriert hat, lag ja nur daran, dass die Bergleute ihren Lohn dort ausgegeben haben. Von unseren Vereinsmitgliedern sind viele ehemalige Bergbau-Arbeiter. Auch jetzt, 25 Jahre nach Zechenschließung, wird die Kameradschaft noch immer hochgehalten.

Welche Aktionen gibt es noch um die Grube Adolf und den Verein?

Küppers: Wir haben sehr viele feste Programmpunkte im Jahr, wie das Lichterfest im November, die Mettenschicht mit der Verleihung des Grube-Adolf-Preises im Dezember, unseren Tag der offenen Tür im Juni oder unsere Erzählabende an jedem dritten Mittwoch im Monat. Am ersten Sonntag im Monat führen wir unsere alte Dampfmaschine vor. Wir bieten Räume zur Vermietung an, auch inklusive Dampfmaschinen-Vorführung, das wird für Geburtstage, Tagungen oder für Hochzeiten genutzt. Als außerschulischer Lernort bieten wir altersgerechte Führungen an und stellen den Kinderspielplatz auf unserem Gelände Kindergärten und Schulen zur Verfügung. Wir pflegen zudem Kontakte zu Bergbau-Vereinen in Belgien und den Niederlanden. 2018 fahren wir zur Schließung der letzten Steinkohlezeche im Ruhrgebiet.

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