„Histörrische Frauen” widersetzen sich

Von: Hanna Sturm
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Auf Tuchfühlung mit dem Publikum: Als Coco Chanel inszenierte sich Schauspielerin Jeanette Giese vom Theater fortepiano als aufgedrehte und ein wenig dreiste Modeschöpferin bei einem Theaterbesuch. Foto: Hanna Sturm

Herzogenrath. Zwölf Frauen. Sie lebten in verschiedenen Ländern und verschiedenen Jahrhunderten. Sie waren Sängerinnen, Königinnen oder Mätressen. Ihre Leben verliefen völlig unterschiedlich - manche machte eine große Kariere, eine andere wurde zum Tode verurteilt.

Doch sie haben auch Gemeinsamkeiten. Jede dieser Frauen hat sich den herrschenden Normen ihrer Zeit widersetzt, um ihre ganz persönliche Vorstellung vom Leben zu verwirklichen. Mit der Revue „Histörrische Frauen - Europas Töchter” erinnert das Theater fortepiano an Frauen, die mit ihrem Leben Europa ein wenig verändert haben.

Der Theaterabend im Eurode-Bahnhof in Herzogenrath war Auftakt der Veranstaltungsreihe zum internationalen Frauentag unter dem Motto „Frauen verändern Europa - Europa verändert Frauen”. „Das Stück vom Theater fortepiano passt einfach perfekt zu unserem diesjährigen Motto”, sagte Birgit Kuballa, die als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Herzogenrath die Veranstaltungsreihe mit organisierte.

Schauspielerin und Sängerin Jeanette Giese nähert sich den zwölf Frauen in Monologen, Gedichten und Liedern. Selbstironisch ließ sie die Figuren über ihr Leben reflektieren. So gibt ihre Marlene Dietrich freimütig zu, ihre Sinnlichkeit schon immer bewusst für ihre Zwecke eingesetzt und sowohl ihr privates als auch ihr Leinwand-Ich völlig nach dem „Mythos Marlene” konstruiert zu haben.

Die - nach einem bekannten Schlager - angeblich so schöne Isabella von Kastilien verkündet dagegen rundheraus: „Für Schönheit habe ich gar keine Zeit. Dafür habe ich aber andere und wichtigere Fähigkeiten.” Sie war stärker als die Männer, die sie benutzen wollten, und verfolgte mit eiserner Hand und gnadenlos ihr Ziel von einem geeinigten spanischen Königreich.

Auch Olymp de Gouge hatte mit Schönheit nichts am Hut. Die Frauenrechtlerin und französische Revolutionärin verachtete Frauen, die sich nur wegen ihres Dekollets einen Platz in der Gesellschaft sicherten. Sie forderte in Schriften und bei öffentlichen Auftritten wahre Gleichheit für Männer und Frauen und wurde schließlich hingerichtet.

So führt Jeanette Giese ihr Publikum kreuz und quer durch mehrere Jahrhunderte und zeigt auf humorvolle Weise, gegen welche Widerstände sie sich durchsetzen mussten, seien es nun Restriktionen und Verbote in einer durch Männer geprägten Gesellschaft vergangener Zeiten oder der stetige Klatsch und Tratsch in der modernen Boulevardpresse.

Ein sehr vergnüglicher Abend, bei dem die Zuschauer gleichzeitig einiges über europäische Geschichte lernen konnten. Denn wer hätte vorher damit gerechnet, dass die griechischstämmige Operndiva Maria Callas neben ihrem Vornamen noch andere Gemeinsamkeiten mit Maria Magdalena hatte?
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