Würselen - Hilfe für Nepal: „Diese Solidarität erwärmt mein Herz“

Hilfe für Nepal: „Diese Solidarität erwärmt mein Herz“

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Der Weg führt über Trümmer: Nach aktueller Schätzung hat das Beben in Nepal rund 260.000 Häuser zerstört. Foto: Stock
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Hilfe aus Würselen: Peter Kiefer leitet den Verein „Himalaya Karuna“.

Würselen. Auch gut zwei Wochen nach dem Erdbeben im Himalaya klettert die Zahl der zerstörten Häuser in Nepal, wartet gut ein Viertel der Bevölkerung auf Nahrung, Wasser und andere nötige Dinge. Auf Unterstützung wird das Land noch sehr lange Zeit angewiesen sein. Darüber spricht Peter Kiefer, Vorsitzender des Würselener Hilfsvereins „Himalaya Karuna Deutschland“, im Wochenendinterview.

Wie erleben Sie die Bilder, die derzeit täglich aus Nepal um die Welt gehen?

Kiefer: Jedes einzelne ist erschütternd. Das ist eines der ärmsten Länder der Welt – die Menschen dort haben im Grunde keine Chance, aus eigener Kraft eine solche Katastrophe zu bewältigen. Ein wenig zwiegespalten bin ich, was die aktuelle internationale Hilfsbereitschaft betrifft. Sicher: Die ist jetzt unbedingt nötig, das ist keine Frage. Und es erwärmt auch mein Herz, dass die Solidarität jetzt so groß ist. Man spürt einen echten Willen, da was zu tun. Aber gleichzeitig frage ich mich auch: Muss immer erst solch eine Katastrophe passieren, damit die Menschen auf das Leid anderswo aufmerksam werden?

Das sagen Sie, weil Ihr Verein sich schon seit geraumer Zeit engagiert?

Kiefer: Nicht deshalb. Aber eine kontinuierliche Unterstützung ist einfach wichtig. Wir tun seit 2008 unser Möglichstes. Damit die Hilfe aber nicht womöglich in zu weiten Kanälen versickert, konzentrieren wir uns speziell um eine abgelegene Region im Norden Nepals, um das Manang-Tal. Von dort stammt der Gelehrte Lama Acharya Sönam Rabye, der seit 2001 in dem Eifelkloster Kamalashila lebt und sich gemeinsam mit uns darum kümmert, dass Gelder an den richtigen Stellen eingesetzt werden.

War auch die Manang-Region vom Beben betroffen?

Kiefer: Zum Glück nur wenig. Die Erschütterungen waren aber auch dort beängstigend deutlich zu spüren, haben wir gehört – doch die Häuser sind stehen geblieben. Wenn es anders gewesen wäre, wäre es verheerend gewesen. Denn die entlegenen Bergdörfer in Nepal sind geradezu von den Hilfswegen abgeschnitten. Und von solchen Dörfern gibt es etliche, es ist alles unglaublich weit verstreut. Es gibt in Nepal nur den Ballungsraum um Kathmandu – und dann gibt es Regionen, zu denen man kaum hinkommt. Von Kathmandu bis ins Manang-Tal kann man schon mal fünf Tage zu Fuß oder mit dem Pferd einrechnen. Straßen wie wir sie kennen, gibt es dort ja nicht.

Wie helfen Sie mit den Spendengeldern?

Kiefer: Wir bemühen uns, den Menschen dort Arztbesuche zu ermöglichen und den Kindern Schulbildung. Auch den Bau von Gebäuden wie den eines Tempels unterstützen wir. Tempel bieten den Menschen dort viel mehr als Religion. Sie sind oft Mittelpunkt des sozialen Lebens, Treffpunkte, und sichern den Zusammenhalt der Gemeinschaft. Aber in der aktuellen Situation setzen alles daran, dass mehr Geld in die vom Beben betroffenen Regionen fließt. Wir haben vor Ort ein breites Netz von Menschen, die wissen, wo Hilfe nötig ist.

Ist dieses Netz denn derzeit überhaupt funktionstüchtig?

Kiefer: Nur zum Teil. Auch uns erreichen nicht ständig Nachrichten aus dem Gebiet oder neue Bilder. Da ist einfach zu vieles zusammengebrochen – und so wirklich gut war die Infrastruktur ja nun auch vor der Katastrophe nicht. Man muss deshalb realistisch sein: Es kann einige Wochen dauern, bis die Hilfe wirklich dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Aber gebraucht wird sie in jedem Fall. Bereits nächste Woche fliegt ein Vertrauter nach Nepal und wird Hilfe vor Ort koordinieren.

Wie lange wird es wohl dauern, bis Nepal sich von der Katastrophe erholt?

Kiefer: Das kann ich nicht sagen. Das kann derzeit vermutlich niemand. Ich fürchte, dass nicht einmal alle Gebiete wirklich bekannt geworden sind, in denen das Beben für Verwüstung gesorgt hat. Aber es ist sicher eine Frage von Jahren und so lange wird auch weiter Hilfe nötig sein.

Wie häufig werden Sie derzeit auf das Beben angesprochen?

Kiefer: Sehr häufig. Viele Menschen entdecken unseren Verein derzeit, rufen bei uns an, fragen nach. Diese Anteilnahme bewegt mich sehr und ist fantastisch. Ich hoffe sehr, dass dies auch eine nachhaltige Hilfsbereitschaft in Gang setzt.

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