Herzogenraths Gewerbegebiete: Global Player finden genug Platz

Von: Beatrix Oprée
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Das Flaggschiff an der Konrad-
Das Flaggschiff an der Konrad-Zuse-Straße: Aixtron, Weltmarktführer im Bereich Anlagenbau für die Halbleiterindustrie. Das Gewerbegebiet Dornkaul soll in seiner Ausrichtung von Technologie-Unternehmen geprägt bleiben. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Rundum zufrieden kann Bürgermeister Christoph von den Driesch mit der Gewerbeansiedlung in seiner Stadt sein: Das 23.000 Quadratmeter große Gebiet am Wasserturm in Merkstein ist mit dem Einzug des Technischen Hilfswerks (THW) nunmehr voll - ohne groß Werbung dafür betrieben zu haben.

Die zuletzt entwickelte Fläche Nordstern am Rande der Weißen Siedlung in Merkstein hat sich in kürzester Zeit mit diversen gut frequentierten Einzelhandelsunternehmen gefüllt.

Knapp 30.000 Quadratmeter wurden hier seit 2009 an zwölf Unternehmen veräußert, 2017 soll der zweite Abschnitt in Richtung Halde mit weiteren 20.000 Quadratmetern folgen. Bis dahin, so die Prognose, habe sich das Grundwasser gesetzt, wie Wirtschaftsförderer Ingo Klein erläutert.

28.389 Quadratmeter Gewerbefläche wurden in 2011 veräußert. Längst ausgelastet waren da schon Boscheler Berg, Industriestraße, Straßer Feld und der Technologiepark.

Auch die Technologie-Park-Erweiterungsfläche Dornkaul in Kohlscheid hat rund um das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum des weltweit führenden Anlagenbauers für die Halbleiter-Industrie, Aixtron, eine erfreuliche Entwicklung gezeigt. Die Grundstücke rechts der Konrad-Zuse-Straße sind bis auf einen Rest von 2500 Quadratmetern bebaut oder optioniert.

Linksseitig hat sich ein anderer Herzogenrather Global Player zwar wieder zurückgezogen, doch Rodas Bürgermeister ist zuversichtlich, auch diese Fläche schnell von Ackerland in High-Tech-Betriebe verwandeln zu können. „Rund 15.000 Quadratmeter sind hier sofort verfügbar.” Vermarktet wird über die WfG, Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft der Städteregion Aachen.

Fußend auf derart begründetem Optimismus hat von den Driesch auch schon die Ausdehnung des TPH-Erweiterungsstandorts im Visier: „Der Flächennutzungsplan macht noch eine Expansion nach Süden und Osten möglich.” Erste Grundstücksgespräche hat er bereits begonnen, allerdings: „Nicht um jeden Preis! Die Flächenentwicklung muss für uns wirtschaftlich darstellbar sein.” Mit einem Veräußerungspreis von 82 Euro pro Quadratmeter sei Dornkaul schon hochpreisig.

Zum Vergleich: Flächen an Nordstern gab es zum Quadratmeterpreis von 25 Euro, was in etwa den Größenordnungen in Baesweiler oder Übach-Palenberg entspreche. Dornkaul aber besteche durch die bessere Lage (unter anderem Nähe zu Oberzentrum, Autobahn, Nachbarland sowie den entstehenden Campus) und soll seine Technologieorientierung behalten.

Dennoch gelte es, konkurrenzfähig zu bleiben, richtet von den Driesch seinen Blick ins Oberzentrum und dessen Dauer-Sorgenkind „Avantis”. Denn hier würden zurzeit die Standards gesenkt, „auch das Preisniveau ist hier in Diskussion”. Das gelte es genau zu beobachten.

Aachens Politik hat für das einst als „European Science & Business Park” an den Start gegangene grenzüberschreitende Avantis-Projekt noch vor der Sommerpause eine „Anpassung an die Realität” vorgenommen, wie SPD-Ratsherr Karl Schultheis es bei der eigens einberufenen Sondersitzung der Fachausschüsse auf den Punkt brachte.

Will heißen: Avantis rückt ab von der puren High-Tech-Ausrichtung, öffnet sich auch Richtung Handel und der Veräußerung großer Grundstücksflächen respektive der Möglichkeit zu unterschiedlichen Gebäudegrößen. Das Interesse eines Logistik-Riesen hat hier offenbar katalysierend gewirkt.

Herzogenrath will in Dornkaul vom Technologie-Anspruch keinesfalls abrücken. Der jüngste Ansiedlungs-Coup gibt dem Recht: Intravis, Weltmarktführer im Bereich Inspektion von Kunststoffverpackungen, möchte hier - mit Option auf Erweiterung - auf 10 000 Quadratmetern Grundstücksfläche den Firmensitz errichten. Rund 80 Mitarbeiter wandern dann vom für das Unternehmen zu eng gewordenen Aachener Rotter Bruch an die Kohlscheider Konrad-Zuse-Straße. Sicher zum Bedauern der Aachener, aber, so sagt von den Driesch: „Es ist besser, eine Lösung in der Region zu finden, als dass Betriebe ganz abwandern.”

Dabei blickt Rodas Bürgermeister weit über den Tellerrand hinaus: „Ich mache mir Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt in der Region, wenn ich sehe, wie sich die Rheinschiene zusammenschließt - zwar informell, aber wirkungsvoll. Wenn Köln und Düsseldorf mal an einem Strang ziehen, wird die Rheinschiene noch attraktiver als sie schon ist.” Folgerichtig seine Forderung: „Die Städteregion muss den Schulterschluss üben. Aachen alleine kann gegen die Entwicklung an der Rheinschiene nicht gegenhalten. Und wir Kleinen schon gar nicht.”
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