Herzogenrather Weiher: Hochwasserschutz zu Lasten der Tiere?

Von: Katrin Fuhrmann
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Idylle und Naherholungsgebiet mitten in der Stadt: Das Gebiet rund um den Herzogenrather Weiher und das Hochwasserrückhaltebecken (im Bild) sind sehr beliebt. Wenn die Geruchsbelästigung nicht wäre. Foto: Katrin Fuhrmann
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Profitiert von der Optimierung: Der Broicher Bach, der am Hochwasserrückhaltebecken vorbeiführt. Foto: Katrin Fuhrmann

Herzogenrath. Der Broicher Bach in Herzogenrath soll am dort gelegenen Hochwasserrückhaltebecken vorbeigeführt werden. Ebenso ist die Optimierung dieses Rückhaltebeckens geplant. Kosten: etwa 800.000 Euro. Aber der Reihe nach.

Der Herzogenrather Weiher ist für viele ein Ort der Entspannung, der im Sommer wie im Winter rege genutzt wird. Ein Naherholungsgebiet eben. Damit das so bleibt, werden jetzt Maßnahmen nötig, die das Gebiet erhalten und vor allem die Stadt Herzogenrath vor Hochwasser schützen soll. In den 80er Jahren wurde die Anlage entsprechend der neuen Erkenntnisse aus dem Hochwasserschutzkonzept für die Wurm und den Regeln der Technik angepasst.

Zur Erklärung: Das Hochwasserschutzkonzept und der Betrieb des Beckens sind auf ein sogenanntes 50-jährliches Hochwasserereignis ausgelegt worden. Man geht von einem theoretischen Hochwasserereignis aus, das auf Grundlage von Abflussmessungen statistisch alle 50 Jahre auftritt.

Nach den Hochwasserereignissen in den vergangenen Jahrzehnten an Rhein, Oder und Elbe, aber auch an kleineren Bächen, ist man auch in Herzogenrath zumindest hellhörig geworden. Dem Hochwasserschutz wurde in den vergangenen Jahren immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt, und die Hochwassersicherheit soll nach Möglichkeit auf ein 100-jährliches Hochwasserereignis ausgelegt werden.

Laut Wasserverband Eifel-Rur dienten die Umplanung des Hochwasserrückhaltebeckens und zwei weiteren Planungen am Euchener Bach in Euchen zur Aktivierung von natürlichen Überschwemmungsflächen. „Mit diesen Maßnahmen kann für die Stadt Herzogenrath eine entsprechende 100-jährliche Hochwassersicherheit gewährleistet werden“, sagt Erfried Lorenz vom Wasserverband.

Wie wahrscheinlich es ist, dass es in Herzogenrath wirklich zu einem Hochwasser kommt, das können die Verantwortlichen nicht sagen. Dennoch gab es in Herzogenrath laut Wasserverband immer mal wieder kleinere Hochwasserereignisse, bei denen die Innenstadt von Herzogenrath ohne das Hochwasserrückhaltebecken überschwemmt worden wäre. Gerade die Starkregen sorgen für kurze aber heftige Hochwasserabflüsse, die durch das Becken gepuffert werden.

Das jetzige Hochwasserrückhaltebecken erfüllt also seinen Dienst – seit etwa den 20er Jahren. So alt das Becken ist, so alt sind aber auch die Probleme. Der Broicher Bach führt viele Nährstoffe, insbesondere Phosphor, die zu einer Eutrophierung (Überdüngung) des Beckens führen. Außerdem gibt es Ablagerungen am Boden. Das führt wiederum zu Algenbildung, die in der Vergangenheit zeitweise zu einer unangenehmen Geruchsbelästigung geführt haben.

Laut Wasserverband gibt es mehrere Faktoren, die die Wasserqualität des Beckens beeinflussen. Unter anderem sind die nährstoffreichen Ablagerungen am Boden, insbesondere Phosphate, die Fische, die das Sediment immer wieder aufwühlen und so den Algenwuchs beschleunigen sowie die Brutflöße der unzähligen Kanadagänse, für die schlechte Wasserqualität und den damit zusammenhängende Gerüchen verantwortlich.

Im Zuge der Modifizierung, will der Wasserverband die Ökologie optimieren. Soll heißen: Unter anderem müssten die Brutflöße der Gänse verschwinden, denn die Ausscheidungen der Tiere verschlechterten die Qualität des Wassers. Ebenso müsste der Fischbestand angepasst werden.

Eine weitere Veränderung wäre die Struktur des Baches sowie die Optimierung des Wasserrückhaltebeckens: Der Broicher Bach durchfließt das Becken in Herzogenrath und hält bei Starkregen Wasser zurück. Zurzeit verfügt das Becken über einen Dauer-Einstau und hat eine Rückhaltekapazität von 97.000 Kubikmetern. Zu wenig, meint der Wasserverband. Der Wasserspiegel werde durch die Umgestaltung des Beckenablaufs um einen halben Meter abgesenkt. Dadurch, so Lorenz, werde das Rückhaltevolumen auf 118.000 Kubikmeter erhöht.

„Um den Hochwasserschutz weiter zu verbessern, planen wir, zusätzlich das Hochwasserrückhaltebecken in Euchen zu optimieren“, sagt Lorenz. Dies würde sich nämlich positiv auf den Broicher Bach auswirken, da der wiederum in diesen mündet. Ebenso gebe es Planungen, das Rückhaltebecken im oberen Bereich des Broicher Bachs zu installieren.

Dadurch sollten wiederum früher aufgefüllte Auenflächen teilweise abgegraben werden, um Retentionsraum (ein Gebiet, in dem zeitweilig ein Wasser- oder Stoffrückhalt durch natürliche Gegebenheiten oder künstliche Baumaßnahmen erfolgen kann) zu schaffen. „Mit diesen Planungen soll der vorgeschriebene hundertjährige Hochwasserschutz sichergestellt werden und die Ökologie verbessert werden“, sagt Lorenz.

Was nach einem Großprojekt klingt, ist es auch.

Nutzung des Wiesengeländes

Allerdings könnte der Broicher Bach in seinem neuen Verlauf neben dem Herzogenrather Becken nur geringfügig naturnah gestaltet werden. Es fehlt an Platz. Deswegen, so der Verband, strebe man die Nutzung eines Wiesengeländes am Becken entlang der Ruifer Straße an, um dort den Bach im Sinne der Vorgaben der europäischen Wasserrahmenlinien hinsichtlich eines guten ökologischen Zustands weiterentwickeln zu können. Die Stadt begrüßt entsprechende Planungen und würde das Grundstück gegebenenfalls zur Verfügung stellen.

Entsprechende Detailplanungen müssten allerdings noch erstellt werden und die vorgegeben Verwaltungsschritte unter anderem ein Planfeststellungsverfahren durchlaufen. Bedeutet konkret: Mit einem Baubeginn kann nicht vor 2020 gerechnet werden.

Im Bau- und Verkehrsausschuss wurde jetzt über das Vorhaben diskutiert. Die Fraktionen sind sich einig darüber, dass an dem Becken dringend etwas getan werden muss. Zur Sicherheit. Und, weil die Geruchsbelästigung schon immer ein Thema war. Allerdings haben sie auch Bedenken.

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Gerhard Neitzke, merkt an, dass das Naherholungsgebiet als solches für die Bürger auch mit den Gehwegen erhalten bleiben müsste. Und: „Es müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die Geruchsbelästigung zu minimieren“, sagt er.

Der Fraktionsvorsitzende der CDU Dieter Gronowski, sieht das ähnlich. „Es ist wichtig, dass wir dieses Projekt realisieren“, sagt er. Er äußert aber auch Skepsis, was die Dauer und die Umsetzung des Vorhabens betrifft. Hintergrund ist die Entschlammung des Beckens im Herbst 2010. Diese hatte anderthalb Jahre gedauert und mehr als eine Million Euro gekostet. Laut Wasserverband hätte man damals Kosten sparen wollen und sei deswegen auf eine andere Technik bei der Entschlammung umgeschwenkt.

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