Herzogenrather Rathaus soll für das Ja-Wort attraktiver werden

Von: Beatrix Oprée
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Auch die standsamtliche Eheschließung soll der schönste Tag im Leben sein. Burg Rode bietet ein passendes Ambiente. Foto: Colourbox/Oprée
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Auch die standsamtliche Eheschließung soll der schönste Tag im Leben sein. Burg Rode bietet ein passendes Ambiente. Foto: Colourbox/Oprée

Herzogenrath. Kleinvieh macht auch Mist: So oder so ähnlich ist wohl die Empfehlung der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) zu interpretieren, das Trauzimmer im Rathaus zu modernisieren – mit dem Hauptziel, Heiratswillige in den Räumen am Rathausplatz und nicht etwa auf der Burg Rode in den Stand der Ehe zu versetzen.

Der Grund: Fahrt- und Präsenzzeiten in der Burg für das Personal des Standesamtes „deutlich zu reduzieren“.

Mit Blick auf den zusätzlich zu den vom Land vorgegebenen regulären Standesamtsgebühren zu zahlenden „Aufpreis“ fürs Heiraten in historischen Mauern stellt sich da glatt die Frage nach dem Warum? „Ich weiß es nicht“, sagt Jürgen Venohr, der zuständige Fachbereichsleiter, auf Anfrage unserer Zeitung.

„Unterdurchschnittliche Werte“

Zur Verdeutlichung: Montags bis freitags fallen für Trauungen im Rathaus Verwaltungsgebühren von 40 Euro an, bei Auslandsbeteilung, also falls einer oder beide Ehepartner Nichtdeutsche sind, kostet es 66 Euro. Möchte sich das Paar an einem Freitag auf der Burg das Ja-Wort geben, werden zusätzliche 120 Euro für den erhöhten Aufwand und das Raumnutzungsentgelt an den Verein Burg Rode fällig.

Soll samstags auf der Burg geheiratet werden, sind zusätzliche 66 Euro Verwaltungsgebühr zu zahlen, weil der Zeitpunkt außerhalb der regulären Öffnungszeiten des Standesamtes liegt.

Fallen vielleicht Überstunden an, weil Arbeit aufgrund von burgbedingten Abwesenheiten der Mitarbeiter liegen bleibt? Nein, sagt Jürgen Venohr. „Das ist alles zu schaffen.“

Blieben noch die Fahrtkosten der Standesbeamten vom Rathaus zur Burgstraße. „Die haben die Kolleginnen bislang gar nicht in Rechnung gestellt“, sagt Venohr.

Besonders interessant wird das Ganze vor dem Hintergrund, dass die GPA für den Untersuchungszeitraum 2013/14 „unterdurchschnittliche Werte“ bei der „Fallintensität im Standesamt“ ausgemacht hat. Sprich: Aus Sicht der GPA fanden zu wenig Trauungen in Herzogenrath statt. Mögliche Hintergründe erläutert der Fachbereichsleiter: „Seit 2010 verzeichnen wir jährlich im Schnitt 250 Anmeldungen zu Eheschließungen. Es gilt ja das Örtlichkeitsprinzip: Auch wer von vornherein vorhat, in einer anderen Stadt zu heiraten, muss das zunächst in seinem Wohnort anmelden.“

Über einen Zeitraum von rund drei Jahren hinweg macht Venohr ein durch Krankheit und schließlich Pensionierung bedingtes Personalproblem geltend, so dass bis vor einiger Zeit nur zwei Standesbeamte zur Verfügung gestanden hätten. Parallele Eheschließungen auf der Burg und im Rathaus seien dadurch nicht mehr möglich gewesen, da stets ein Mitarbeiter des Standesamtes für die anderen Aufgaben zur Verfügung stehen muss, unter anderem auch als Präsenzdienst bei Sterbefällen.

So wurden in Herzogenrath im Jahr 2014 letztlich insgesamt 173 Paare getraut, 105 auf der Burg und 68 im Rathaus. 2015 waren es 152 Eheschließungen, wiederum 105 auf der Burg und nur noch 47 im Rathaus.

Das Trauzimmer, vor 13 Jahren mit Sponsorenhilfe aufwendig eingerichtet, „ist tatsächlich renovierungsbedürftig“, weist Venohr unter anderem auf einen abgewetzten Teppichboden hin – und ist froh, dass die Anmerkungen der GPA dazu geführt haben, dass mit der Planung zur Modernisierung des Trauzimmers im kommenden Jahr begonnen werde, ein entsprechender Haushaltsansatz eingeplant werden soll.

Dennoch sieht Venohr die Burg quasi als Pfund, mit dem man wuchern sollte: gerade, um die Zahl der Hochzeiten in der Stadt wieder zu erhöhen – und auch Heiratswillige von außerhalb anzulocken. „Wo findet man solch eine Kulisse? So waren wir bereits in Überlegung, die Termine auf der Burg auszuweiten – natürlich in Kooperation mit dem Verein Burg Rode.“ Denn der Trend ist nicht nur in Herzogenrath eindeutig, den amtlichen Schritt ins Eheleben auch an einem besonderen Ort zu zelebrieren.

Die Homepage burgrode.de wirbt denn auch mit einem „stilvollen, mittelalterlichen Ambiente“ des Trauzimmers hoch oben über der Stadt. Eheschließungen sind im Saal des 900 Jahre alten rodastädtischen Wahrzeichens bisher freitagmorgens und jeden ersten Samstag im Monat möglich.

Zum Gesamtpaket „Heiraten in der Burg“ gehört im Anschluss an die Trauungszeremonie auch noch die Möglichkeit zur Feier in „unvergleichlicher Atmosphäre“, wie sie historische Mauern bieten.

Ob Brautleute in der Rodastadt aber nun auf Empfehlung der GPA künftig vermehrt angehalten werden, den Aufwand der Anfahrt der Standesbeamtin vom Rathausplatz zur Burgstraße mit Blick auf die städtischen Finanzen zu vermeiden? Wohl kaum.

Für Jürgen Venohr zählt der Servicegedanke, und so kündigt er vielmehr eine Erhebung an: „Wir haben vor, die Paare bei ihrer Eheanmeldung demnächst auch zu fragen, welchen Termin respektive Wochentag sie sich am liebsten wünschen würden, wenn sie es denn könnten – um zu sehen, wie man sich darauf am besten einstellen kann.“

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