Herzogenrather Handschelle: Mechthild Borrmann ausgezeichnet

Von: mabie
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Der Vorsitzende des Fördervereins „pro stadtbücherei“, Professor Dr. Wolfram Hamann (l.), und Bürgermeister Christoph von den Driesch (r.) freuten sich mit Mechthild Borrmann über die Verleihung der Herzogenrather Handschelle. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. In Handschellen gelegt wurde Mechthild Borrmann am Freitagabend nicht. Dennoch dürfte sie das Accessoire, das unbedingt zur Verleihung der inzwischen achten Herzogenrather Handschelle gehörte, gerne in Empfang genommen haben.

Ist die Auszeichnung doch ein inzwischen über die Region hinaus anerkannter Preis für Autoren, die sich spannenden, gut erzählten Geschichten eines Milieus widmen. Das bestätigte der Vorsitzende des Fördervereins „pro stadtbücherei“, Professor Dr. Wolfram Hamann bei der Preisverleihung gerne.

Aktuelles Werk „Der Geiger“

Und mehr noch, schließlich greift die in Bielefeld lebende und arbeitende Mechthild Borrmann in ihrem aktuellen Werk „Der Geiger“ nicht das sattsam bekannte Klischee eines alternden, mürrischen Kommissars auf, der in einer atemberaubend-nordischen Landschaft eher durchschaubare Fälle mit einer nur kleinen Variation von möglichen Auflösungen bearbeitet. „Wir haben nie einen so engen Krimi-Begriff gehabt“, machte Hamann klar, der sich auch über Bürgermeister Christoph von den Driesch als Zaungast freute. die Handschelle war immer ein weiter gefasster Begriff eines Krimipreises.

Kurz und knapp war die Antwort, die die Geehrte auf die fiktive Frage, wie sie sich denn fühle, von sich gab: „Ausgezeichnet.“ Diese kleine Reminiszenz an den Kabarettisten Dieter Hildebrandt blieb aber die einzige kurze Äußerung von Borrmann. Vielmehr ließ sie lieber die wohl gewählten Worte aus ihrem neuesten Buch „Der Geiger“ erklingen. Eindrucksvoll zeigte sie, wie sich zwei Handlungsstränge, die ein Zeitraum von sechzig Jahren trennt, auf magische Art und Weise wieder zusammenfinden. Ganz so, als habe es die Zeit dazwischen nicht gegeben, erzählt sie ruhig und beeindruckend die Geschichte des Geigers Ilja Grenko und seiner Nachfahren. Grenko verliert im Mai 1948 in Moskau nicht nur seine Familie und seine geliebte Stradivari, sondern auch die Hoffnung und den Glauben an das System.

Faszinierend eindringlich und spannender als jedes nur denkbare TV-Format, das sich Krimi schimpft, zoomte sich die Autorin wie mit einem literarischen Weitwinkel ausgestattet in die Gehirnwindungen und Sinneswahrnehmungen ihres Protagonisten. So weiß der begnadete Instrumentalist eigentlich schon bei seiner Festnahme und Inhaftierung durch die Staatsmacht, dass es kein Entrinnen gibt. Doch mit einer nicht sezierenden, sondern durchdringenden Genauigkeit der Beschreibung schafft es Borrmann, die wahre Verzweiflung des Gefangenen in der Einsamkeit der Einzelhaft zu beschreiben. Gefangen ist auch der im Köln des Jahres 2008 lebende Enkel Iljas, Sascha, in seinem Leben. Er scheint zwanghaft dem Eigensinn verfallen zu sein, doch ihm gelingt es, durch Standhaftigkeit und Akribie Licht in das Dunkel der Geschichte seines Opas zu bringen. Faszinierend, fesselnd und gar nicht mit den üblichen Handschellen kriminalistischen Schreibens behaftet, erwies sich Hildegard Borrmann damit als würdige Preisträgerin, was die gut 40 Gäste in der Stadtbücherei auch mit viel Beifall reichlich goutierten.

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