Herzogenrath vergibt erstmals den Integrationspreis

Von: Andrea Thomas
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Ausgezeichnet: die Träger des
Ausgezeichnet: die Träger des Herzogenrather Integrationspreises 2011. Auch Bürgermeister Christoph von den Driesch (5.v.l.), MdL Eva-Maria Voigt-Küppers (3.v.r.) und MdB Helmut Brandt (r.) gratulierten. Foto: Andrea Thomas

Herzogenrath. In der Öffentlichkeit stehen, das ist Annette Schölzels Sache nicht. Herzogenraths erste Integrationspreisträgerin ist mehr eine Frau der Tat.

Ohne großes Aufsehen setzt sich die Kohlscheiderin seit 1989 für Flüchtlingsfamilien ein, hilft ihnen hier anzukommen, hat ein offenes Ohr für Fragen und Probleme und leistet ganz konkrete Hilfe, wo sie gebraucht wird. Dazu gehört, neben der Begleitung bei Behörden oder Arztbesuchen, insbesondere der Abbau von Sprachbarrieren, wenn Englisch und Französisch nicht mehr weiterhelfen, auch mit Händen, Füßen und selbst gemalten Bildern.

Geschafft und glücklich

Gemeinsam mit anderen Ehrenamtlern engagiert sich Annette Schölzel im Ökumenischen Arbeitskreis „Hand in Hand”, dem auch ihr Preisgeld zugute kommen soll. „Ich wollte eigentlich nicht geehrt werden, aber unsere Gruppe kann das Geld brauchen.” Das charakterisiert die Preisträgerin ebenso wie eine Anekdote, die Bürgermeister Christoph von den Driesch in seiner Laudatio erzählte. Es sei Weihnachten gewesen, als sie erfahren habe, dass in einem Flüchtlingsheim zwei Kühlschränke nicht funktionieren. In den Räumen lebten Mütter mit Babys, die obendrein in den Schlafräumen keine Beleuchtung hatten. Spontan habe sie zu Hause alle verfügbaren Lampen eingesammelt und diese im Heim angeschlossen, erinnerte der Bürgermeister. Abends habe sie in der Christmette neben ihrem Mann gesessen, geschafft, aber unheimlich glücklich. Von den Driesch: „Genau das zeichnet unsere heutige Preisträgerin aus: Selbstloses Handeln, das unser aller Respekt verdient.” Ihr Einsatz habe nachhaltig zu einem besseren Verständnis von Integration beigetragen.

Auf einem guten Weg

Annette Schölzel selbst gab den Anwesenden in der Aula des Gymnasiums, wo der Integrationspreis im Rahmen des ersten Integrationsfestes verliehen wurde, in ihren Dankesworten folgenden Gedanken mit auf den Weg: „Man bleibt jung, solange man lernen, neue Gewohnheiten annehmen und Widerspruch ertragen kann.” Das gelte auch für das Zusammenleben von Nationalitäten und Kulturen.

Integration bedeute nicht, Land und Leute so zu verändern, dass andere Völker oder Kulturen sich dort zu Hause fühlen, sondern diesen Menschen zu helfen, sich an Neues zu gewöhnen, hatte zuvor der Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt Herzogenrath, Fehmi Tarasi, Sinn und Verantwortung beschrieben, die im Begriff „Inte-gration” stecken. Bürgermeister von den Driesch erinnerte daran, dass dies in Herzogenrath eine lange Tradition habe, beginnend mit den Menschen, die der Bergbau als sogenannte Gastarbeiter angeworben habe. Integration, betonten sie in ihrer gemeinsamen Rede, gehe nicht von heute auf morgen und funktioniere nicht ohne Unterstützung. Als Beispiele führten sie Bildungs- und Sprachförderungskonzepte an oder das Sportprojekt „Durcheinander - Miteinander”. Herzogenrath sei mit seinen Bürgern gemeinsam auf einem guten Weg.

Das unterstrich auch die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers, die die Glückwünsche der Landesregierung überbrachte. Nordrhein-Westfalen sei wie kein anderes Bundesland von Einwanderung geprägt. Der Preis knüpfe mit seinem aktiven Einsatz für Integration an eine lange Tradition in NRW an.

Unermüdliches Engagement

Positive Beispiele sind auch die weiteren Träger des Integrationspreises - wie „Die Falken” aus Merkstein, die für ihre vielfältigen Projekte mit und für Jugendliche unterschiedlicher Nationalitäten sowie ihr unermüdliches Engagement für Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit ausgezeichnet wurden. Der Sonderpreis Integration ging an die Moscheegemeinde der Emir-Sultan-Moschee, die sich nicht abkapselt, sondern sich Nicht-Muslimen öffnet und das Gespräch mit ihnen sucht. Längst seien aus den Iftar-Essen mit Politik und Verwaltung „Essen unter Freunden” geworden, bedankte sich der Bürgermeister.

Essen, Musik, Tanz und Feiern unter Freunden bildeten mit dem Integrationsfest den Rahmen für die Preisverleihung und die Feier der Einbürgerung neuer Herzogenrather, die die stellvertretende Städteregionsrätin Elisabeth Paul begrüßte. Die deutsche Staatsbürgerschaft bedeute nicht, Traditionen, Sprache oder Religion ihres Heimatlandes abzulegen. Gerade dieser Einfluss anderer Kulturen mache die Region so liebenswert, betonte sie.

Da Einbürgerungsurkunden zeitnah übergeben werden müssen und es keine aktuelle Einbürgerung gab, überreichten Bürgermeister und Integrationsratsvorsitzender einem von 36 Menschen, die in diesem Jahr eingebürgert worden sind, symbolisch und stellvertretend für alle eine eigene „Willkommens-Urkunde”.
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