Herzogenrath prüft jetzt 8000 Elektrogeräte

Von: Beatrix Oprée
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Viel Wind, aber (zum Glück) kein Schaden: Auch in Roda werden künftig dienstliche wie private mobile E-Geräte regelmäßig unter die Lupe genommen. Nur ortsfeste Anlagen wie Schaltschränke und Verteilerkästen waren bisher Gegenstand zyklischer Kontrollen. Foto: Bienwald/Collage: Thomas Foto: Bienwald/Collage: Thomas

Herzogenrath. Eine Espressomaschine, der Ventilator, ein Zimmerbrunnen oder die Dockingstation für Musikberieselung durch den Mp3-Player – was das Mitbringen privater Elektrogeräte betrifft, ging es im Herzogenrather Rathaus bisher recht liberal zu. Bis ausgerechnet die Liberalen neue Elektrogeräte für ihr Fraktionszimmer anschafften und sich die Frage stellten, ob diese gemeldet werden müssten?

Dabei stellten sie fest: Ortsveränderliche elektrische Anlagen sind in den städtischen Einrichtungen bisher offenbar nie systematisch geprüft worden. Die Unfallverhütungsvorschrift BGV A3 besagt im Paragraf 5: „Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass die elektrischen Anlagen und Betriebsmittel auf ihren ordnungsgemäßen Zustand geprüft werden.“ Zum Schutz der Mitarbeiter und letztlich aller, die sich in öffentlichen Gebäuden aufhalten.

Klare Anweisung: Stecker ziehen

Prompt reagierte die FDP mit einem Antrag auf Erfüllen dieser Prüfpflicht, auch um einen „eventuellen Verlust des Versicherungsschutzes zu vermeiden“, wie Fraktionschef Björn Bock erläutert.

„Das Thema ist tatsächlich bei uns etwas untergegangen“, gesteht Bürgermeister Christoph von den Driesch frank und frei ein. Die ortsfesten Anlagen unterliegen zwar längst einer zyklischen Prüfung, die systematische Kontrolle mobiler Geräte sollte in jüngster Zeit erst umfassend anpackt werden. Durch die FDP nahm das Ganze nun noch mehr Fahrt auf: Ergänzend zur bereits laufenden Submission des Prüfauftrags folgte eine bürgermeisterliche Anweisung an die Bediensteten: So dürfen die städtischen Computer, Drucker und Scanner nicht mehr an die Einzelsteckdosen in der Wand, sondern nur noch an die längst installierten Steckdosenleisten angeschlossen werden, die bei Dienstende abzuschalten sind. Sämtliche anderen Geräte, eben auch Kaffeemaschinen und Ventilatoren, sind „ausschließlich unter Aufsicht an das Stromnetz anzuschließen“. Nach Nutzung muss der Stecker gezogen werden. Ausdrücklich macht der Bürgermeister auf „erhebliche Haftungsrisiken aufmerksam, die bei Nichtbeachten erwachsen“ könnten: „Damit ist zumindest verhindert, dass ein Elektrogerät unbeaufsichtigt läuft.“ Prompt aber habe es Einsprüche gegeben: Einige Geräte dürften nicht abgeschaltet werden, etwa Fax, Server, zentrale Anrufbeantworter, Kühlschränke und Ladestationen für Handys des Präsenzdienstes. „Diese Reaktion war durchaus provoziert“, sagt von den Driesch: „So haben wir jetzt eine Liste der Geräte, die sofort geprüft werden müssen.“

Da die im Zuge der Ausschreibung beauftragte Fachfirma GMN-Services aus dem schleswig-holsteinischen Bartgeheide erst im Oktober antreten kann, laufen zurzeit als erste Maßnahme Sichtungsprüfungen durch Fachleute in allen städtischen Gebäuden. Und diese Momentaufnahme sei zufriedenstellend, wie Ragnar Migenda, als neuer Technischer Beigeordneter gleich mit diesem Themenkomplex betraut, erläutert. Rathaus, Kitas und Schwimmbad sind bereits begutachtet. Die Stadtbücherei und die zurzeit leeren Schulen sind als nächstes dran, zu guter Letzt die Feuerwehr. Bisherige Bilanz: Eine Kabelverlängerung musste gezogen werden, ein Lötkolben in einem Jugendtreff wurde einkassiert. Aufgefallen sind zudem ein Haartrockner im Freibad und ein Suppenwärmer in einer Küche sowie einige Telefondosen. „Diese Geräte mussten aber nicht aus dem Verkehr genommen werden“, sagt Migenda. Verlängerungskabel mit Kippschalter haben sich als Schwachpunkte herausgestellt, was auch im Eigenheim zum Nachdenken Anlass gibt. Migenda: „Oft handelt es sich um preiswerte Produkte, die zwar stromlos schalten, aber das Brandrisiko nicht minimieren.“

Wenn schließlich im Oktober die Fachfirma die Vermessung der rund 8000 Geräte in 50 Liegenschaften angeht und mittels Barcode in die Datenbank einpflegt – als beste Basis für die künftigen Prüfungen –, sehen dem Bürgermeister und Beigeordneter gelassen entgegen: EDV-Geräte seien ein kleiner Gefahrenherd und würden ohnehin wie weitere Geräte auf Leasingbasis regelmäßig ausgetauscht. Zudem trage, was im Handel sei oder von der Stadt angeschafft wurde, VdS- und CE-Label. In den Schulen erwarten beide aufgrund des ehrgeizigen Medienentwicklungsplans wenig Überraschungen bei der EDV-Ausstattung, höchstens „alte Schätzchen“ aufgrund von Spenden, die noch nicht erfasst worden sind.

Was private Geräte angeht, soll künftig Anmelde- und Prüfpflicht auf eigene Kosten (rund 2 Euro pro Gerät) herrschen. Eine Alternative wäre die Einrichtung von Teeküchen auf den Etagen. Eine bauliche Investition, die sich schnell amortisieren könnte: durch den Stromspareffekt zentralisierten Kaffeekochens. Überhaupt ist die Verwaltungsspitze nach der Abschaltanweisung auf die Energiebilanz gespannt. Migenda: „Die abendliche Stromlos-Schaltung dient der Gefahrenreduzierung und schont zudem Geldbeutel und Umwelt.“

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