Herzogenrath-Mitte: Das Zentrum der kurzen Wege stärken

Von: Beatrix Oprée
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Wenig einladend: Ein Wohn- und Geschäftshaus schwebt den Planern anstelle des tristen Flachbaus an der Eisenbahnbrücke Kleikstraße vor. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Schon das beschauliche Treiben donnerstags beim Wochenmarkt auf dem Ferdinand-Schmetz-Platz ist Hinweis genug: Die Menschen treffen sich gerne im Zentrum der Stadt, zum Einkaufen, zum Flanieren, zum Plausch. Aber: Es sollte auch ohne Marktstände Spaß machen, sich in der City aufzuhalten.

Doch da gibt es erheblichen Nachholbedarf. Mit Hochdruck arbeitet die Stadtverwaltung an einem integrierten Handlungskonzept für Herzogenrath-Mitte, um nötige und gewünschte Maßnahmen zu benennen und letztlich auch in einen Förderantrag fließen zu lassen, wie der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda darlegt.

Die Ausarbeitung der Details obliegt den städtischen Planern Manuela Heß und Markus Sordon. Heß hat das Strukturkonzept mit neuen Ideen und alternativen Vorschlägen jetzt in der gemeinsamen Sondersitzung des Wirtschafts- und des Umwelt- und Planungsausschusses vorgetragen – und viel Lob dafür geerntet.

Welchen Bereich umfasst das Untersuchungsgebiet?

Die umfangreiche Bestandsaufnahme und -analysehat sich auf ein Gebiet bezogen, das im Süden bis zur Schütz-von-Rode-Straße reicht, im Westen bis zur niederländischen Grenze, im Osten bis zum Naherholungsgebiet Broichbachtal und im Norden bis jenseits des St.-Gobain-Geländes. Nach der Bürgerversammlung im Dezember vergangenen Jahres war eine regelmäßig tagende Arbeitsgruppe auch mit Bürgern und Geschäftsleuten gebildet worden, zwecks Begehung der City und Entwicklung eines Leitbilds.

Was sind die Hauptziele?

Die Stadtmitte wieder „nach vorne zu bringen“, wie die Planerin es formuliert. Das heißt: Durch eine Steigerung der Attraktivität auch zur Belebung der Innenstadt beitragen und gleichzeitig den Einzelhandel zu stärken. Das Handlungskonzept ist als roter Faden zu verstehen für die Entwicklung der nächsten 10 bis 15 Jahre – und zwar als „Selbstverpflichtung“, wie Heß erläutert, letztlich auch unabhängig von Fördermitteln.

Auf welche städtebaulichen Vorzüge können die Planer in Herzogenrath setzen?

Alles Wesentliche liegt kompakt beieinander, wie Manuela Heß darlegt: Einkaufen, Arbeiten, Wohnen und Erholen in einem „Zentrum der kurzen Wege – das ist etwas, das andere Kommunen sich wünschen“. Diese Standortvorteile gelte es nun auszubauen. Entsprechend sind fünf Entwicklungsbereiche herausgearbeitet worden: 1. „Einzelhandel und Wohnen“ – u.a. zur Verknüpfung von Kaufland und Bahnhof mit dem Geschäftszentrum, zur Aufwertung der Achse Kleikstraße, besonders des Kreisverkehrs unter der Bahnbrücke, und mit einer Revitalisierung des Bockreiterzentrums, das nach Auffassung der Planer als innenstadtprägend erhalten bleiben sollte.

Überplant werden sollen auch das Postgelände und der vakante Supermarkt-Komplex; 2. „Altstadt“ – u.a. mit einer Platzgestaltung vor St. Marien; 3. „Wohnen“ – u.a. mit einer baulichen Nutzung des Glaswerke-Parkplatzes; 4. „Gewerbe“ – mit der Revitalisierung des ehemaligen Vetrotex-Terrains, einer Arrondierung des Bereichs rund um Schmetz und der Gestaltung eines „Entrees“ zu den Glaswerken; 5. „Grünvernetzung“ – u.a. mit einer Aufwertung und Gestaltung des Umfelds der Dammstraße und der Erkensmühle samt Wegeverbindungen in die Innenstadt.

Welche übergreifenden Maßnahmen werden vorgeschlagen?

Ein Parkraumkonzept, das die kleinteiligen, oft unübersichtlichen Regelungen, teilweise auf potenziellen Baulücken, vereinheitlicht und so lästige Parksuchverkehre ausbremst. Vor allem soll die Konkurrenzsituation von Bewohnern, Besuchern, Kunden und Pendlern minimiert werden. Ein einheitliches Beleuchtungskonzept soll die City erhellen. Auch die veraltete und teils unzureichende Stadtmöblierung gilt es zu erneuern, um die Aufenthaltsbereiche angenehmer zu gestalten. Barrierearmut bei Wegeführungen und Übergängen soll dem demografischen Wandel Rechnung tragen. Ein Leerstandsmanagement als „Beratungsoffensive“ für Eigentümer und zur Vermarktung vakanter Immobilien ist anzustreben.

Überdies eine Gestaltungssatzung mit Gestaltungsfibel, u.a., um Hinweise zur Gebäudegestaltung zu geben, aber auch, um etwa Werbeanlagen und historische Fassaden in Einklang zu bringen. Zahlreiche Gebäude in der City haben Sanierungsbedarf, ein Fassadenprogramm soll diesbezüglich Anreize für Privateigentümer bieten. Eine Standort- und Interessengemeinschaft soll Immobilieneigentümer und Gewerbetreibende aktivieren, gemeinsam den Einzelhandelsstandort zu profilieren und verschiedene Interessenlagen zusammenzuführen. Um der mangelnden Investitionsbereitschaft entgegenzuwirken, wird ein Verfügungsfonds als opportun angesehen, um angestrebte Maßnahmen zu realisieren und Privatleute für Investitionen zu gewinnen.

Überhaupt: Private Investoren, so betonte auch die Planerin, braucht es, die anpacken, abreißen und neu bauen. Etwa im Bereich des Platzes An der Wurm. Um das Herz der Stadt wieder schlagen zu lassen, wäre vieles denkbar, vier Alternativen wurden erarbeitet: etwa die Entwicklung des Ferdinand-Schmetz-Platzes zum Haupteinkaufsbereich mit der Ansiedlung „potenzieller Frequenzbringer“. Oder ein Schwergewicht auf innerstädtischem Wohnen, was automatisch neue Kunden in die City brächte. Oder aber eine Mischnutzung aus Wohnen, Einzelhandel und Service.

Zu überlegen wäre auch, dass die Stadt selbst als Investorin auftritt, mit der Errichtung eines neuen Rathauses mitten im Zentrum, dazu weiterer öffentlicher Einrichtungen, etwa der VHS. Alles ließe sich mit der Öffnung der Wurm wirkungsvoll kombinieren.

Was sind die nächsten Schritte?

Nach den strukturellen Analysen und Vorarbeiten werden nun Textteil und Pläne für das Konzept ausgearbeitet und die sich daraus ergebenden Maßnahmen konkret dargestellt. Dann gilt es, die notwendigen Beschlüsse durch die Politik vorzubereiten, voraussichtlich im Dezember soll dies der Fall sein. Und schließlich könne der Förderantrag gestellt werden. Parallel führt die Stadtverwaltung bereits Gespräche mit möglichen Investoren, wie Beigeordneter Migenda erläuterte.

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