Herzogenrath hat seinen Moses wieder

Von: Christoph Hahn
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Großes Interesse an Moses: Der alte Sockel erinnert nebst Schautafel an die Moses-Geschichte. Foto: Wolfgang Sevenich
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Die Steinkünstler Cornel und Sven Bücken sowie David Mannstein und Maria Vill, die die neue Skulptur entwarfen, stehen zu ihrer Arbeit (v.l.n.r.). Foto: Wolfgang Sevenich

Herzogenrath. Die Rode-Stadt hat ihren Moses wieder – zumindest ansatzweise. Denn die neue Skulptur, nach einem Entwurf der Berliner David Mannstein und Maria Vill von deren Herzogenrather Künstlerkollegen Cornel und Sven Bücken geschaffen, zeigt die Figur nicht – sie spart sie mit ihrem Umrissen aus dem Nivelsteiner Sandstein, aus dem sie entstanden ist, aus.

Das Werk verzichtetet auf alles, was irgendwie eingängig oder plakativ wirkt. Und das ließ manchen Beobachter der Enthüllung am Samstagnachmittag, wie den spontanen Meinungsäußerungen zu entnehmen war, zumindest Zurückhaltung üben oder gar fremdeln.

Mit klingendem Spiel

Der Moses, als Darstellung der alttestamentarischen Figur seit mehr als hundert Jahren ein, wenn nicht gar das Wahrzeichen der Stadt, ist auf jeden Fall wieder mitten im Leben der Bürger, im Rondell am Kaufland unweit des Bahnhofs, angekommen.

Willkommen geheißen wurde die Figur so, wie es manch ein verlorener Sohn nicht erfährt: mit einem Festzug unter Beteiligung vor allem der Musikvereine und Schützen, der an Burg Rode Aufstellung genommen hatte und unter klingendem Spiel die Kleikstraße hinunter und die Bahnhofstraße hinauf gezogen war, und einem nachfolgenden Bürgerfest mit Rock- und Popmusik auf dem Ferdinand-Schmetz-Platz.

Noch bevor es mit den allfälligen Festreden losging, hatten sich besonders rund um das Rondell mit dem noch verhüllten neuen Moses viele Neugierige aufgestellt – schon um einen guten Blick auf die Enthüllung, die Bürgermeister Christoph von den Driesch zusammen mit anderen am Zustandekommen dieses Skulpturenprojekts Beteiligten vornahm, zu erhaschen.

Rathaus-Chef von den Driesch ergriff als erster Redner das Wort und hieß nicht nur die zahlreichen Ehrengäste willkommen, sondern pries auch das besondere Engagement von Vertretern der Bürgerstiftung: „Nach dem dreisten Diebstahl der vorherigen bronzenen Moses-Statue in der Nacht vom 22. auf den 23. April des vergangenen Jahres wurden auf Betreiben der Stiftung zahlreiche Aktionen durchgeführt, um eine finanzielle Basis für die Neubeschaffung herzustellen“, lobte von den Driesch. Hinzu komme: „Andere Herzogenrather Vereine beteiligten sich durch einen Sponsorenlauf und Geldsammlungen.“

Alter Sockel mit neuer Funktion

Dr. Heribert Mertens, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer ebenjener Stiftung, entrollte vor seinen zahlreichen Zuhörern zuerst einmal die Geschichte der insgesamt drei Moses-Darstellungen, die es in Herzogenrath zwischen 1852 und heute gegeben hat, Revue passieren. Dabei konnte sich Mertens einen ironischen Seitenhieb auf den Vorsitzenden der Stiftung, Peter Waliczek, und seinen Einsatz nicht verkneifen: „Seine Frau hat ihm als zusätzlichen Vornamen ‚Moses‘ gegeben.“

Mertens ließ aber auch noch mal die Erschütterung, die durch den Diebstahl des Bronze-Moses anno 2014 ausgelöst worden war, lebendig werden: „Der Schock war groß, als der Platz leer war und noch der umgekippte Basaltsockel hier lag.“

Diesem Sockel ist übrigens ein zweites Leben vergönnt: Zusammen mit einer Schautafel erinnert er auf dem Bürgersteig in Höhe des Rondells an die Moses-Geschichte, diese enge Verwobenheit, die sich auch in der Teilnahme der Bürger an der Enthüllung widerspiegelte.

Es könne im übrigens durchaus sein, so Mertens weiter, dass nicht jeder Betrachter mit der im Sandstein bloß ausgesparten Figur zurecht komme: „Es allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“ Trotzdem sehen die Aktiven der Stiftung und ihre Mitstreiter die Chancen für eine Akzeptanz als günstig an: „Wir sind sicher, dass die Skulptur ein Herzogenrather Wahrzeichen bleibt.“

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