Herzogenrath bringt Asylbewerber am Merksteiner Stadion unter

Von: Beatrix Oprée
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Die Arbeiten gehen schnell von der Hand: Hier wird gerade der Sozialraum abgetrennt. In der Halle im Hintergrund sollen bis zu 80 Menschen in eigens aufgebauten Kabinen eine vorübergehende Heimat bekommen. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Bis zu einer Million Flüchtlinge sind im abgelaufenen Jahr nach Deutschland gekommen. Städte und Gemeinden sehen sich am Limit, die kommunalen Spitzenverbände fordern eine Begrenzung der Zahlen. Unterdessen muss weiterhin schnell gehandelt werden.

Herzogenrath etwa hat jetzt in Windeseile die nächste Turnhalle umgebaut: Rund 80 Menschen werden am SVS-Stadion an der Geilenkirchener Straße eine vorübergehende Heimat finden. In nur wenigen Tagen ist aus der 312 Quadratmeter großen Halle ein Camp mit abgetrennten Kabinen für je bis zu acht Leute mit Fluchtwegen und einem Sozialraum entstanden. Es handelt sich hier nicht mehr um eine Notunterkunft in Amtshilfe für das Land Nordrhein-Westfalen, sondern um die Unterbringung dauerhaft zugewiesener Flüchtlinge.

Die Wahl fiel auf die Halle Geilenkirchener Straße, da von dort aus die Verpflegungsinfrastruktur der Notunterkunft an der Waidmühl mitgenutzt werden kann. Mit Hilfe des ÖPNV sollen die künftigen Bewohner der Halle Geilenkirchener Straße dorthin zu den Mahlzeiten pendeln.

Um Obdachlosigkeit zu verhindern, sei am 23. Dezember kurzfristiges Handeln angesagt gewesen, erklärt Jürgen Venohr, Fachbereichsleiter Bürgerdienste. Will heißen: eine Entscheidung zu treffen, wo schnellstmöglich weitere Menschen eine Wohnstatt finden könnten. Und gleichzeitig ein Zeitfenster zu schaffen, um Wohnalternativen für Flüchtlinge außerhalb von Turnhallen zu finden. Venohr: „Das Ziel ist, die Belegung der Turnhallen so schnell wie möglich wieder zurückzufahren.“

Mittlerweile sind in Herzogenrath drei Sporteinrichtungen mit Schutzsuchenden belegt – neben den Hallen am Merksteiner Stadion und an der Waidmühl auch die des Berufskollegs an der Bardenberger Straße, in der die Städteregion eine Notunterkunft betreibt.

Dazu kommt die Tatsache, dass die Schulturnhalle in Pannesheide aus brandschutztechnischen Gründen (fehlender zweiter Fluchtweg) zurzeit gesperrt ist und zwei weitere Hallen (Straß und Bierstraß) nur eingeschränkt nutzbar sind. Dort waren in den 70er Jahren sogenannte Sauerkrautplatten unsachgemäß an den Deckenbalken vernagelt worden und wurden aus Sicherheitsgründen vor Monaten abgenommen. Ballsportarten sind deswegen bis auf weiteres untersagt.

Sportler kooperationsbereit

Erklärtermaßen froh ist Venohr unterdessen über die große Kooperationsbereitschaft seitens des Stadtsportverbands (SSV) und der betroffenen Vereine.

Allmählich aber wird es eng mit Ausweichquartieren, sagt der SSV-Geschäftsführer, Integrationspreisträger Manfred Borgs. Für ihn ist klar: Fairness geht vor. Sollte also noch mehr Hallenplatz benötigt werden, müsse man Vereinen, die bislang keine Einbußen hinnehmen, abverlangen, „sich enger zu setzen“. Wie es etwa der gewöhnlicherweise an der Bardenberger Straße trainierende Basketballclub (BBC) Herzogenrath, höchstklassigster in der Region, sofort getan habe: Intern habe der Verein geregelt, dass mehrere Mannschaften vorerst gemeinsam trainieren. Borgs: „Und zweimal in der Woche bietet der BBC zudem ein betreutes Sportangebot für die Flüchtlinge an.“

Wegen der Neubelegung der Halle am Merksteiner Stadion kurzfristig umorientieren müssen sich die Tennisspieler von Blau Gold Merkstein, die Fußballjugend und die Alten Herren des SVS sowie dessen Volleyball- und Turnerabteilung. Ebenso betroffen sind die Jugend und die Alten Herren der Concordia Merkstein, die ihren Stammsitz eigentlich an der Waidmühl hat. Auch die Jugend von Union Ritzerfeld, die Badmintonspieler der DJK Merkstein sowie die Leichtathleten der LG Euregio und der Boxclub „Bam Bam“ brauchen andere Trainingsmöglichkeiten. Samstags hat in der Stadionhalle überdies eine private 60+-Gruppe gekickt. Auch Nicht-Sportvereine sind betroffen, etwa das Helene-Weber-Haus, die VHS und die Käthe-Kollwitz-Schule mit ihren Angeboten.

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