Aachen/Nordkreis - „Herkulesaufgabe” für die Chefin

„Herkulesaufgabe” für die Chefin

Von: Oliver Schmetz
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Antrittsansprache: Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ging Ursula Verfuß-Eschweiler ihr Amt als Direktorin des Amtsgerichts voller Humor und Optimismus an. Foto: Michael Jaspers

Aachen/Nordkreis. Zeit zum Einarbeiten benötigt sie nicht. Schließlich füllt Ursula Verfuß-Eschweiler wegen der Erkrankung ihres Vorgängers Dr. Ralf Siebert schon seit eineinhalb Jahren das Amt aus, in das sie jetzt offiziell eingeführt wurde: Direktorin des Amtsgerichts Aachen.

Und nicht nur das: Die 58-jährige Richterin ist seit 32 Jahren in Aachen tätig. Flapsig formuliert, könnte man meinen: Sie kennt ihren Laden aus dem Effeff. Sie selber zählt sich denn auch humorvoll „zum Inventar” des Hauses und sagt: „Ich bin in dieses Amt hineingewachsen.”

Das könnte sich als Vorteil erweisen, denn eines wurde bei aller Feierlaune in der Säulenhalle des alten Gerichtsgebäudes vor zahlreichen Gästen aus Justiz, Politik und Gesellschaft deutlich: Die Justiz ächzt unter der Last eines enormen Spardrucks, insbesondere unter Personalabbau in großem Stil. So erwartet die erfahrene Juristin „eine Herkulesaufgabe”, wie Landgerichtspräsident Dr. Stefan Weismann betonte.

Kaum Geld für mehr Bürgernähe

Ähnliche Mahnungen enthielten die meisten Grußworte an die Adresse der neuen Direktorin: Mehr Transparenz statt „Bürgerferne” forderte Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden: „Sie müssen den Menschen erklären, wie etwas geschieht und warum.” Schließlich sei die Justiz „kein Selbstzweck, sondern Teil der Gesellschaft”.

Dass für mehr Bürgernähe indes oft schlicht die Mittel fehlten, beklagte nicht nur der Vorsitzende des Anwaltsvereins Franz-Josef Joußen, der von einer „durch Sparzwänge gegängelten Justiz” sprach. Noch deutlicher wurde die Vorsitzende des Personalrats des Amtsgerichts, Hannelore Woltmann.

„Abstruse Zeiten” herrschten angesichts der „Zumutungen der Politik”, nur durch „Hunderte von Überstunden” könnten die Mitarbeiter den „Zusammenbruch des Systems” verhindern. „Hier ist nicht nur eine Verwaltungschefin und Repräsentantin gefragt, sondern auch eine Krisenmanagerin, Psychologin und Trostspenderin.”

Der altbekannten „Neuen” dürfte dabei zugute kommen, dass sie, so Landgerichtspräsident Weismann, „aufgrund ihrer Kompetenz und Kollegialität höchstes Ansehen genießt”. Dazu passt auch bestens, dass die erste Frau an der Spitze des gut 130-jährigen Hauses auf das „Wir-Gefühl” unter den rund 350 Bediensteten setzt und eine „Teamarbeit im besten Sinne” propagiert.

Und nicht zuletzt hat die passionierte Richterin nach eigenem Bekunden „mittlerweile sogar Gefallen an der Verwaltungstätigkeit gefunden”. Auch da muss sie sich also nicht mehr einarbeiten.
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