Herausforderung: Grenzlandkarnevalisten wollen ihr Archiv erweitern

Von: ehg
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Bei der Jahreshauptversammlung des „Fördervereins Haus des Grenzlandkarnevals“: der geschäftsführender Vorstand mit (v.l.) Geschäftsführer Dieter Schönebeck, Vorsitzender Rainer Spiertz und Schatzmeisterin Stephanie Keßel. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Würselen. Eng ist es im Haus des Grenzlandkarnevals an der Balbinastraße 3 geworden. So eng, dass viele der 90.000 erfassten Archivalien – 10.000 Dokumente sind noch nicht archiviert – nicht mehr sachgerecht und zeitnah untergebracht werden können. Deshalb sei, so der Vorsitzende des Fördervereins, Reiner Spiertz, auf der Jahreshauptversammlung eine Erweiterung unbedingt erforderlich.

„Wir hatten zwar schon im Jahre 2006, als wir dieses Hauses von der Stadt zur Nutzung erhalten haben, damit gerechnet, dass das Platzangebot für die vielen Archivalien auf lange Sicht nicht ausreichen würde. Aber dass dies nach elf Jahren der Falle sein würde, daran haben wir damals nicht gedacht.“

Es müssten die finanziellen Grundlagen geschaffen werden, um das Platzangebot für die Archive deutlich zu erweitern, ja zu verdoppeln. Ob dieses Ziel durch den Erwerb des Nachbarhauses oder durch den Umzug in ein anderes größeres Gebäude erreicht werden könne, werde der Vorstand im Laufe des Jahres erörtern müssen. Erste informelle Gespräche habe er (Spiertz) bereits mit dem Landschaftsverband Rheinland geführt. Er hoffe, auch aus anderen öffentlichen und privaten Töpfen bis hin zum europäischen Kulturfond in Brüssel finanzielle Mittel an Land ziehen zu können.

Die Erweiterung des Hauses des Grenzlandkarnevals ist nicht die einzige Herausforderung, der sich der Vorstand des Förderkreises stellen muss. Hinzu kommt ein weiteres Problem an der Balbinastraße 3, das sich erst kürzlich aufgetan habe, das wohl an Ort und Stelle nicht zu beheben sein werde. Die Kellerräume sind von unten her feucht und die Wände im Keller sind nicht mehr trocken zu legen. Es gebe laut Spiertz keinen wirksamen Schutz gegen sogenanntes „steigendes Wasser“. Es deute sich an, dass das Haus dauerhaft nicht mehr genutzt werden könne.

Wie dieses Problem gelöst werden kann, werden der Vorstand des Förderkreises und das Präsidium des Verbands der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreises unter Heranziehung von Fachleuten im Laufe des Jahres erörtern. Dann wird eine konkrete Entscheidung über einen möglichen Umzug in ein größeres Gebäude innerhalb Würselens oder in einer anderen dem Karneval verbundenen Stadt gefällt werden. Vorsitzender Reiner Spiertz wird sich auch nach seinem Abschied vom Amt des KVAG-Präsidenten nach mehr als 22 Jahren am 7. Juli 2017 weiterhin in die Pflicht nehmen lassen. Und er ist zuversichtlich, dass die aufgetauchten Probleme gelöst werden können. Zu sehr ist ihm das einzigartige Dokumentationszentrum des Verbandes an Herz gewachsen.

Auch wenn im letzten Jahr ein Nettozuwachs von insgesamt 18 Mitgliedern auf 100 zu verzeichnen war, liegt, so Spiertz, die Entwicklung der Mitgliederzahl immer noch weit hinter den Erwartungen zurück. Er beklagte vor allem, dass von den dem Verband angeschlossenen 166 Vereinen nur 39 dem Förderverein bisher beigetreten sind. Dabei gebe es für die Vereine kein preiswerteres Archiv als im KADAG.

Mit Bedauern konstatierte er darüber hinaus, dass nur zwei Wirtschaftsunternehmen aus dem weiten Verbandsgebiet, dem ehemaligen Regierungsbezirk Aachen, zu den Mitgliedern gezählt werden können. Spiertz bedankte sich bei allen Mitgliedern des Fördervereins für die auch im letzten Jahr wieder gewährte Unterstützung. Trotz aller bestehender Unwägbarkeiten hat sich im Haus an der Balbinastraße im letzten Jahr in der Regie von Archivar Bernd Simons mit seinem Team eine ganze Menge getan. Das Konzept der Ausstellung konnte im vergangenen Jahr weiter entwickelt werden. Zahlreiche Besucher zeigten Interesse an der dortigen Arbeit.

Die Archivierung der historischen Exponate erfolgte über ein eigenes, im Jahr 2016 neu strukturiertes und modernisiertes EDV-Programm. Insgesamt wurden 12.000 Archivalien im letzten Jahr bearbeitet. In den letzten Monaten lag der Hauptarbeitsaufwand neben der Archivierung der neuen eingegangenen Sammlungsstücke im Bereich der Presse-, Ordens- und Vereinsarchive. Das gesamte Pressearchiv wurde auf Grund der in den letzten Jahren gesammelten Erkenntnisse neu sortiert und auf die Ablage nach Datum umgestellt, bei 45.000 Presseartikeln ein großer zeitlicher Aufwand. Auch das Ordensarchiv mit seinen 11.000 Exemplaren wurde neu sortiert.

Große Probleme bereitet nach wie vor das Kostümarchiv. Fast 700 verschiedene Kostüme, Ornate, Uniformen und Kopfbedeckungen wurden gereinigt, konserviert und restauriert. Der begehbare Kleiderschrank platzt mittlerweile aus allen Nähten. Nach wie vor große Probleme bereitet auch die fachgerechte Unterbringung der zahlreichen CDs, DVDs, Videos und Schmalfilme. Ein separater antistatischer Raum steht nämlich nicht zur Verfügung.

Verbessert wurden die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter des Ordensarchivs. Im abgelaufenen Berichtsjahr summierte sich die Zahl der von den ehrenamtlichen Mitarbeitern abgeleisteten Stunden auf rund 4000. Hinz kommen noch rund 2100 Stunden von Mitarbeitern, die über das Job-Center der Städteregion zugewiesen worden waren.

In der Versammlung fand die vielseitige Arbeit, die im Haus des Karnevals auch im letzten Jahr wieder „abgeliefert“ wurde, großes Lob und hohe Anerkennung. Zufriedenstellend fiel auch der von Stephanie Keßel vorgelegte Kassenbericht aus. Die ordnungsgemäße Führung der Kassengeschäfte wurde ihr vom Kassenprüfer Wolfgang Eichelmann bestätigt, so dass ohne Bedenken die Entlastung des Vorstands vorgenommen werden konnte.

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