Henry Engel: Abschied nach 36 bewegten Jahren

Von: Karl Stüber
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Henry Engel, Geschäftsführer der VHS Nordkreis Aachen, geht in die passive Phase der Altersteilzeit. Foto: Karl Stüber

Nordkreis. Nach 36 und einem halben Jahr Tätigkeit für die Volkshochschule will Henry Engel ab August erst einmal richtig ausspannen und die Sommerzeit genießen. „Ich bin gerne draußen“, sagt der scheidende Geschäftsführer der Volkshochschule (VHS) Nordkreis Aachen.

Der fast 64-Jährige geht in die passive Phase der Altersteilzeit, scheidet formal letztlich Februar 2017 aus. „Die Vorfreude ist groß“, hat Engel keine Bange, dass Langweile ihn befallen wird, wenn er in den Ruhestand „gleitet“. Die Übergabe an seine Nachfolgerin Jana Blaney ist eingeleitet (siehe Kurzinterview). „Und ich bin ja nicht aus der Welt“, will er ihr mit Rat und Tat bei Bedarf zur Seite stehen.

„Ich wollte kein Lehrer werden“, erinnert sich Engel an seine beruflichen Anfänge. Dass er letztlich bei der Volkshochschule dann viele Jahre lang mit Erwachsenen(fort)bildung zu tun hatte, also neben seiner Organisationsaufgaben doch auch „Lehrender“ war, hat er indes keineswegs bereut. Engel hat an der RWTH im Magisterstudiengang Politische Wissenschaften und Soziologie studiert, war in Aachen eine Weile nebenbei als freier Mitarbeiter unserer Zeitung im Einsatz. Der Einstieg ins Berufsleben erfolgte 1979 in Alsdorf, genauer in der Burg, in der früher die VHS untergebracht war, die damals Klaus Spille leitete.

Es war zunächst eine auf ein Jahr befristete ABM-Stelle als Weiterbildungslehrer. „Das war ganz anderes, intensives Arbeiten mit wenigen Leuten. Das hat richtig Spaß gemacht“, erinnert er sich. Nicht vergessen hat er auch die für ihn damit verbundenen wichtigen wie auch bescheidenen Perspektiven. Wie viel Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld er wohl hat, führte er sich mit Ablauf der befristeten Anstellung immer wieder vor Augen. Das Gefühl hat er Zeit seines Arbeitslebens nicht vergessen. Und daraus auch gelernt, wie wichtig grundlegende Bildung und Weiterbildung ist, um im Berufsleben nachhaltig Fuß zu fassen – und anderen dabei zu helfen.

In der Vor-Computer-Zeit war das Anmeldverfahren für VHS-Bedienstete wie an Kursen Interessierte eine große logistische Herausforderung und erforderte Geduld, erzählt Engel. In der Alsdorfer Burg bildeten sich oft lange Schlangen, um etwa an Handarbeitskursen teilnehmen zu können. Handschriftlich wurden Karteikarten angelegt und geführt.

Richtig ab ging die Post bei der VHS Mitte der 70er Jahre, nachdem das neue Weiterbildungsgesetz in Nordrhein-Westfalen richtig griff. In den ersten Jahren war dies mit jeweils erheblicher Aufstockung der Finanzmittel verbunden. „Das hat entscheidend zur Professionalisierung der Volkshochschulen beigetragen“, erinnert sich Engel. Das galt auch für den VHS-Zweckverband Alsdorf-Baesweiler. Da gab es zum Beispiel das Modellprojekt HASA-ABM, was für Hauptschulabschluss in Verbindung mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen steht. Die Teilnehmer wurden einen halben Arbeitstag beim Bauhof für die Grünpflege eingesetzt, die andere Hälfte wurde für den Hauptschulabschluss gepaukt. „Das war neu. Klaus Spille hat hier und in vielen anderen Projekten immer wieder Pionierarbeit geleistet“, hebt Engel hervor. „Die finanziell projektierten 15 Prozent Wachstum im Jahr hat er als Pflicht aufgefasst“, sagt Engel. In die Zeit der boomenden VHS wurde Engel festangestellt und Fachbereichsleiter für politische Bildung. In den darauf folgenden Jahren hat er praktisch alle Fachbereiche mal betreut.

Besonderes Augenmerk wurde auf die berufliche Bildung gelegt. „Das Berufskolleg wurde gegründet, aber der Begriff leider nicht rechtlich geschützt, so dass später die Berufsbildenden Schulen zu Berufskollegs umbenannt wurden und aus unserem Berufskolleg das Tageskolleg wurde“, erzählt Engel. Das Berufs- und dann Tageskolleg wurde für viele junge Arbeitslose zur entscheidenden Vorbereitung auf den erfolgreichen Übergang ins Berufsleben.

Engel nahm im Jahre 2001 eine Auszeit für ein Jahr, um für den Bergbaumuseumsverein Wurmrevier als Geschäftsführer zu arbeiten, kehrte dann aber zur VHS zurück.

Der Bereich der Drittmittelprojekte gewann immer mehr an Bedeutung. Engel wurde stellvertretender VHS-Leiter. Im Jahre 2006 erfolgte die Fusion von VHS Alsdorf-Baesweiler mit Würselen und Herzogenrath. Die heutige VHS Nordkreis entstand. 2009 ging VHS-Leiter Klaus Peschke in Ruhestand, Engel rückte nach.

Was hat sich verändert in all den Jahren? Was ist Engel wichtig? Zum Beispiel die konstante Förderung durch das Land. „Wenn Aufträge für das Tageskolleg wegfallen, werden wir Probleme bekommen“, befürchtet er. Dabei sieht er die VHS generell in einem ungleichen Wettbewerb mit anderen Anbietern beruflicher Weiterbildung. „Wir sind tarifgebunden. Wir können bei den Kosten mit Trägern, die Mindestlohn zahlen, nicht konkurrieren, wenn es um die reinen Kosten geht.“ Engel befürchtet, dass angesichts knapper Kassen die tatsächlich „gelieferte“ Qualität zugunsten theoretisch formulierter Konzepte und „preiswerter“ Angebote ins Hintertreffen gerät.

Immer noch liegt die VHS Nordkreis bei rund 5000 Teilnehmer und 10.000 Belegungen im Jahr. Mag sein, dass sich in den Jahren viel verändert hat. Während früher Nähkurse hoch im Kurs standen, um in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu lernen, preiswert Kleidung für die ganze Familie zu fertigen, dienen diese Kurse heute eher zur ambitionierten Freizeitbeschäftigung. Dagegen sind Deutschkurse und Integrationskurse angesichts der vielen Flüchtlinge und Asylbewerber der Renner. Trotz Förderung müssen die Teilnehmer einen Teil ihres Taschengeldes dafür aufwenden. Auch die Verbandsumlage der vier Kommunen im Nordkreis wird dafür etwas angezapft, um die Kursgebühren bezahlbar zu halten. Aber das alles hat Grenzen. „Die Politik muss überlegen, wie diese wichtige Arbeit finanziert werden soll.“

Sind Spenden und Sponsoring für Deutschkurse der richtige Weg? Mag sein, dass Engel bald nicht mehr in der Verantwortung als VHS-Geschäftsführer steht. Aber Gedanken um „seine“ VHS macht er sich sehr wohl noch.

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