Helmut Heuschen: „Die Gesundheit ist eine Alltagsaufgabe“

Von: Stefan Schaum
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Fitness geht alle an: Das ist ein Credo von Helmut Heuschen. Foto: Schaum

Baesweiler. Viel Bewegung und Entspannung, Tipps rund um die gesunde Ernährung und die Beweglichkeit im höheren Alter – all das wird erneut zum Baesweiler Aktivurlaub gehören. Über dessen 26. Auflage spricht der Mann, der die ganze Aktion überhaupt erst zum Laufen gebracht hat: Helmut Heuschen.

Nach einem guten Vierteljahrhundert Sport während der Sommerferien: Wird es noch Änderungen geben?

Heuschen: Nein. Zumindest keine grundsätzlichen. Unser Aktivurlaub beruht nach wie vor auf der Charta, die 1986 unter dem Titel „Gesundheit für alle“ in Ottawa verabschiedet wurde. Wir wollen etwas bieten, das wertvolle Grundlagen für die alltägliche Fitness und Gesundheit legt.

Da reicht es nicht, ein paar Runden zu laufen oder ein wenig Tennis zu spielen?

Heuschen: Nicht allein. Die Gesundheit braucht viele Dinge. Da gehört auch das seelische Wohl zu. Was bringt es mir denn, wenn ich vielleicht in einem Verein Fußball spiele, aber von meinen Mitspielern gemobbt werde? Dann bleibe ich doch auch nicht lange gesund. Entspannungsübungen, Yoga und andere Dinge gehören daher auch zum Aktivurlaub.

Also geht es auch darum, ein Bewusstsein für solche Zusammenhänge zu schaffen?

Heuschen: Ja, ganz klar. Gesundheit ist eine Alltagsaufgabe. Die verlangt immer Aufmerksamkeit. Ein Schnuppertraining ist immer gut – aber danach muss dann auch etwas folgen, da muss man am Ball bleiben.

Sorgt der Aktivurlaub denn für Zulauf in den Vereinen, die sich im Programm beteiligen?

Heuschen: Ja. Das höre ich immer wieder. Hier kommen einige auf den Geschmack an der Bewegung. So soll es ja auch sein. Das ist vor allem für Kinder wichtig.

Warum gerade für die?

Heuschen: Weil es immer mehr Kinder gibt, die große motorische Defizite mitbringen. Bei denen macht es wenig Sinn, sie in einen Verein zu stecken, wo es um leistungsorientierten Wettkampf geht. Da werden sie sofort aussortiert und von den anderen abgehängt. Da muss man erst mal ganz früh – und somit rechtzeitig – die Grundlagen für die richtige Bewegung schaffen. Eigentlich müsste dazu der Sportunterricht an den Schulen ganz neu überdacht werden.

Mit welchem Ziel?

Heuschen: Er sollte allgemeiner mit dem Thema Bewegung umgehen. Wer gezielt in einem Bereich trainieren will, kann ja in einen Verein gehen. Ich denke nicht, dass es viel bringt, wenn im Sportunterricht mal für ein paar Monate dieser Schwerpunkt gesetzt wird und dann ein anderer. Wenn also mal Basketball gespielt wird und dann wieder Fußball. Das finde ich zu speziell und das überfordert vielleicht manches Kind. Das müsste vereinfacht werden.

Wieso sind Kinder heute denn so schnell überfordert?

Heuschen: Da gibt es viele Gründe, denke ich. Viele Kinder kommen immer früher in den Kindergarten. Es gibt zwar so genannte Bewegungskindergärten, in denen der Bewegungsdrang gefördert wird, aber in anderen wird zu viel auf den Stühlen gesessen und gespielt oder gemalt. Das ist in diesem Alter Gift für den natürlichen Bewegungsdrang. Und die längere Schulzeit am Tag ist anschließend auch nicht förderlich für die körperliche Entwicklung. Wir Erwachsenen sind auch nicht besser dran: Da wird zu oft nur noch in Büros gesessen. Da fehlt einfach Bewegung.

Haben Sie Probleme, genug Kooperationspartner zu finden?

Heuschen: Nein. Das ist in dieser Stadt ein großer Schatz: Viele sind immer wieder bereit, ehrenamtlich mitzumachen. Bezahlen könnte solch ein Angebot ja kein Mensch. Das ist schon toll. Bei uns kostet es nichts und man muss sich in der Regel auch nicht anmelden – das ist für viele ganz wichtig, so erreicht man die Menschen viel schneller. Und ich habe schon ganz oft erlebt, wie sich während des Aktivurlaubs richtig gute Freundschaften entwickelt haben.

Rollator-Fitness ist auch wieder im Angebot. Hat der Aktivurlaub hier den demografischen Wandel entdeckt?

Heuschen: Sagen wir mal so: Fitness ist auch im höheren Alter wichtig. Und gerade die Rollatoren sind Geräte, mit denen man erst mal umgehen können muss. Viele von denen sind falsch eingestellt und passen gar nicht zur Körpergröße. Und wer nicht weiß, wie man damit eine Kurve fährt oder einen Bordstein hochkommt, fällt schnell hin. Wenn beim Aktivurlaub die Gesundheit an erster Stelle steht, sind eben auch solche Dinge wie der Umgang mit dem Rollator wichtig. Da merkt man ganz schnell, dass diese Teile eine Art Sportgerät sein können, das man sinnvoll nutzen kann.

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