Helleter Feldchen: Aus der Ex-Schule wird eine Unterkunft

Von: ehg
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Aus Klassenräumen werden Schlafsäle: Die Betten sind schon aufgebaut, Hausmeister und Handwerker legen letzte Hand an. Foto: W. Sevenich
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Die Aula war beim Infoabend gut gefüllt.
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Aus Klassenräumen werden Schlafsäle: Die Betten sind schon aufgebaut, Hausmeister und Handwerker legen letzte Hand an. Die Aula war beim Infoabend gut gefüllt. Foto: W. Sevenich

Würselen. Notunterkünfte können nun auch in Kommunen mit weniger als 40.000 Einwohnern geschaffen werden. Allerdings beruhe dies auf Freiwilligkeit, sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung am Dienstag. Mehrere kleinere Kommunen hätten sich ans Land gewandt und bereits Plätze bereitgestellt.

Auch Würselen ist eine der kleineren Kommunen, in der Flüchtlinge unterkommen können. Ein herzliches Willkommen bereiten möchte ihnen Bürgermeister Arno Nelles. Zur Infoveranstaltung hatte er in die Albert-Schweitzer-Schule geladen, die zurzeit zur Unterkunft umgebaut wird.

Verpflichtung zu helfen

Die Resonanz der Nachbarn war so groß, dass die meisten über eineinhalb Stunden mit einem Stehplatz vorlieb nahmen. Denn auch in Würselen ist die Bereitschaft groß, traumatisierten Menschen zu helfen, um in Deutschland sesshaft werden zu können.

Nelles ließ keine Zweifel aufkommen, „dass wir aus der Geschichte unseres Landes heraus die Verpflichtung haben, Menschen, die ihr Heimatland wegen Elend und Verfolgung verlassen haben, unter die Arme zu greifen“. Aus jüngstem eigenen Erleben während seines Urlaubs in der Türkei schilderte er, wie Menschen auf Bürgersteigen und Plätzen unter freiem Himmel ohne sanitäre Einrichtungen und ohne Nahrungsmittel campierten. Noch immer habe er das Bild des kleinen toten Jungen vor Augen, der am Strand lag.

Schließlich berichtete er von der Begegnung mit 15 Flüchtlingen – die Hälfte Kinder –, die jetzt bei ihm am Rathaus angeklopft hatten. Der Bürgermeister: „Wir müssen uns der Herausforderung der Flüchtlingswelle stellen!“ Sein Appell an die Bürger: „Wir brauchen Ihre Unterstützung. Wir brauchen ihre Akzeptanz!“ Er war guten Mutes, dass die Unterbringung von rund 30 Flüchtlingen in der Immobilie am Helleter Feldchen mit Hilfe der Anwohner gemeistert werde. So lange, bis die Bewohner anerkannte Flüchtlinge seien und im privaten Wohnungsmarkt eine Bleibe gefunden hätten: „Wir müssen die Menschen so qualifizieren, bis sie in unsere Gesellschaft integriert werden können.“

Am Montag werden die ersten Flüchtlinge einziehen. Da viele Kinder kommen, brauche es vor allem Kinderkleidung. Aber auch Hygiene-Artikel aller Art. Kindersachen nehmen der Kinderschutzbund an der Lindenstraße und der Malteser Hilfsdienst an der Drischer Straße entgegen. Für Hilfsangebote aller Art sind Fachbereichsleiter Herbert Zierden und die Leiterin des Sozialamts, Jutta Wittke, die Ansprechpartner. Nicht zuletzt auch der Arbeitskreis Asyl an der Kaiserstraße 116. Nelles gab auch zu bedenken, dass sich die Bedarfe rasch ändern werden. Sobald die Menschen umziehen können, werden Herde, Kühlschränke und Waschmaschinen gebraucht. Einzelheiten müssten jedoch stets geklärt werden, damit die Lagerräume nicht irgendwann aus den Nähten platzen. Sehr gefragt sind auch Fahrräder. Die neue Hotline für Helfer: Telefon 02405/67-333. Aktuelle Infos auch unter www.wuerselen.de.

Mit Nachdruck betonte auch Jürgen Hohlfeld vom Arbeitskreis Asyl: „Wir dürfen die Flüchtlinge nicht alleine lassen.“ Es könne aber nicht alles ehrenamtlich geleistet werden. Auf jeden Fall werde ein Ordnungsdienst eingerichtet, versicherte der Bürgermeister. Wie für die Sicherheit gesorgt werde, sei bereits mit den Ordnungsbehörden abgeklärt worden.

Dass die Verständigung – 49 Nationalitäten wurden bisher gezählt – das Wichtigste sei, betonten auch die versammelten Bürger. Positiv bemerkte Nelles, dass die Stadt Unterstützung von Menschen erfahre, die das Asylbewerberverfahren bereits durchlaufen haben. Ein Beispiel mehr dafür, wie sehr Flüchtlinge bemüht seien, etwas von dem zurückzugeben, was sie selbst an Hilfe erfahren hätten.

Alles daran zu setzen, dass die Kinder möglichst schnell in Kitas und Schulen gehen können, ist für Nelles ein Gebot der Stunde. „Ich habe Deutschland viel zu verdanken, meine wunderbaren Kinder, meine wunderbare Frau und meine wunderbaren Freunde“, sorgte ein Somalier, der 22 Jahre in Aachen lebt, für Gänsehaut-Feeling, als er sich spontan zu Wort meldete.

Sobald sich die Flüchtlinge eingerichtet haben, soll es einen Begegnungsabend geben. Denn das Haus am Helleter Feldchen soll eine offene Stätte der Begegnung werden.

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