Helene-Simon-Kindertagesstätte wird Familienzentrum

Von: Andrea Thomas
Letzte Aktualisierung:
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Vor das Zertifikat „Familienzentrum” hat das Land jede Menge Papier gestellt. Jede Kita muss in einem eigenen Ordner dokumentieren, was sie macht und plant. Lena Rongen ist zufrieden:In ihrem Ordner steckt schon viel Material, unter anderem zu den Kursen, die die Einrichtung bereits anbietet.

Kohlscheid. „Unsere Kita wird Familienzentrum”, freute sich das Team der Helene-Simon-Kindertagesstätte in Forensberg September vergangenen Jahres. Mutig, voller Ideen und mit der Überzeugung, etwas für Familien in ihrem Stadtteil bewegen zu können, machte sich die Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) auf den Weg.

Was das eigentlich heißt, das haben Leiterin Lena Rongen und ihre Mitarbeiterinnen allerdings erst in den vorigen Wochen so richtig erfahren.

„Wir dachten, wir müssten jetzt ganz schnell Kursangebote auf den Weg bringen und haben da zunächst etwas unkoordiniert und planlos angefangen, alles Mögliche anzubieten”, schmunzelt Lena Rongen. Licht ins Dunkel bringen jetzt die Fachleute von „In Via” aus Aachen, bei denen die Kohlscheider Kita sich zum Coaching angemeldet hat.

Ein wichtiger Schritt, denn das Land NRW hat zwar einen ganz konkreten Fahrplan entwickelt, wie sich eine Kindereinrichtung zum Familienzentrum weiterentwickelt, doch wie man die Vorgaben mit Leben füllt und worauf es ankommt, das erschließt sich nicht auf den ersten Blick.

Das Coaching hilft auch noch an ganz anderer Stelle, nämlich dabei, wie man Eltern und Umfeld nahe bringt, was sich da tut und was das Ganze soll. Rongen: „Familienzentrum - darunter können sich viele immer noch nichts vorstellen.”

Im Prinzip geht es darum, Familien mit einer Vielzahl unterschiedlicher Angebote zu unterstützen, und zwar nicht nur die mit Kindergartenkindern, sondern alle Familien, die Großelterngeneration eingeschlossen. Ziel ist die Zusammenführung von Bildung und Betreuung als Aufgabe der Kindertageseinrichtungen mit Angeboten der Beratung und Hilfe für Familien.

Die Bandbreite reicht von Angeboten im Freizeitbereich, wie Vater-Kind-Aktivitäten oder Entspannungskurse für gestresste Mütter, über Bildungsangebote für Kinder von der musikalischen Früherziehung oder Sprachkurse bis zu pädagogischen Angeboten, die Eltern bei ihren Erziehungsaufgaben unterstützen sollen, sowie niedrigschwellige Beratung in Kooperation mit Partnern in der Jugendhilfe. Denkbar, so Rongen, seien auch Angebote, die die Generationen wieder stärker miteinander in Kontakt bringen. Die Großfamilie, in der man sich gegenseitig unterstützt und von den Erfahrungen des jeweils anderen profitiert, gehört zu einer aussterbenden Spezies. Ein Familienzentrum versucht das aufzufangen. „Wir öffnen unser Haus für Familien und knüpfen ihnen ein Netz”, beschreibt die Pädagogin das Ziel.

Damit das auf einer soliden Basis geschieht und dem Bedarf angepasst ist, muss eine Kita bestimmte Pflichtaufgaben auf dem Weg zum Zertifikat „Familienzentrum” erfüllen. Dazu gehört zunächst eine Bedarfsabfrage per Fragebogen unter den Eltern der Einrichtung, die derzeit läuft, und die auch auf die Grundschule in Klinkheide ausgedehnt werden soll. Zum anderen ist eine Sozialraumanalyse Pflicht, die aufschlüsselt wie die Alterstruktur in Kohlscheid ist, wie die soziale Schichtung, der Anteil an Alleinerziehenden oder an Senioren.

Dabei wird die Einrichtung von der Stadt unterstützt, wie Lena Rongen dankbar betont. Dafür und für das Gesamtkonzept beziehungsweise die Konzepte der einzelnen geplanten Kurse gibt es Punkte. Erreicht die AWO-Kita bis zum 31. März, ihrem Abgabetermin, eine festgesetzte Zahl und kann mit ihren in einem speziellen Ordner eingereichten Unterlagen beim NRW-Familienministerium überzeugen, ist die erste Hürde genommen.

Als zweiter Schritt folgt im Sommer eine Begehung der Einrichtung. „Klappt auch das, bekommen wir für zwei Jahre unser Zertifikat”, versichert Lena Rongen. Erst dann gehe es erst richtig los, denn Familienzentrum, wie sie und ihre Kolleginnen sich das vorstellten, werde man nicht von heute auf morgen, da wachse man hinein.

Lust macht sich breit

Diese Erkenntnis verdanken sie auch ihren Coaches: Man muss nicht alles auf einmal, sondern das, was man macht, gut machen. „So langsam macht sich auch im Team die Lust breit, sich hier mit Ideen einzubringen.” Anfangs seien einige skeptisch gewesen, neben dem Kinderbildungsgesetz und der Sprachförderung noch weitere Zusatzaufgaben zu übernehmen.

Doch inzwischen sieht das Team den Gestaltungsspielraum, der darin steckt.
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