Baesweiler/Geilenkirchen - Heldenhafter Postbote erhält NRW-Rettungsmedaille

Heldenhafter Postbote erhält NRW-Rettungsmedaille

Von: Stefan Schaum
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Eigentlich mag er keinen Rummel um seine Person: Doch heute darf Luis Miguel Alves Costa sich in Köln feiern lassen. Foto: Stefan Schaum
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Tag des Unglücks: An der Haihover Straße war die Frau auf ihren Retter gefallen. Foto: Georg Schmitz

Baesweiler/Geilenkirchen. Luis Miguel Alves Costa ist ein bescheidener junger Mann. Zwar gibt es nicht wenige, die einen großen Helden in ihm sehen. Doch er tut das nicht. Das sei ja nun wirklich Quatsch, findet er. „Ich hab‘ bloß getan, was ich tun musste.“ Einer Frau das Leben gerettet, das hat er.

Bald zwei Jahre ist das jetzt her. Sie fiel aus dem zweiten Stock, er rannte hin – und fing sie auf! Doch, doch, das darf man getrost heldenhaft nennen. Es hat schon seinen Grund, dass er am Freitag die Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen bekommt.

Es war am Montag, 27. Mai 2013. Der heute 25-Jährige, Springer bei der Post, trug Briefe in Geilenkirchen aus. An der Haihover Straße hörte er die Frau schreien. Sie hing draußen am Balkon, er rannte hin. Sie solle wieder hochklettern, rief er. Sie könne nicht mehr, kam es zurück. Als sie dann losließ, breitete er die Arme aus. „Später hat jemand nachgerechnet, dass die Frau zwar bloß 50 Kilo wog, aber durch den Fall mit gut 250 Kilo auf mich runtergeknallt ist“, sagt er.

Eine ordentliche Wucht, beide schlugen aufs Pflaster, ganz knapp an der Bordsteinkante. Die Frau landete mit dem Gesicht auf dem Boden und mit einem großen Rest auf Luis‘ Nase. Das Riechorgan war ordentlich lädiert, tat ganz schön lange weh, ein Arzt musste die Nase richten. Luis winkt ab. „Ist ja längst wieder verheilt.“

Denkt er noch oft an diesen Tag? „Mittlerweile seltener“, sagt er. Zum Beispiel, wenn er an der Stelle vorbeikommt. Dort trägt er zwar keine Post mehr aus, aber die Freundin arbeitet in der Nähe. „In den ersten Tagen nach dem Sturz war das echt seltsam. Da war sogar noch Blut am Boden.“ Es kommt auch vor, dass jemand nach der Sache fragt.

Selbst in Portugal, wo die Verwandtschaft lebt, in Coimbra. „Da waren damals die Zeitungen voll von mir“, sagt er, das sei schon irre gewesen. „Unser portugiesischer Superheld“ haben sie ihn dort genannt. Als er dort Urlaub machte, hat er „so ungefähr 1000 Mal alles erzählen müssen“. Und klar, da sei er schon so ein bisschen stolz drauf. Aber ein richtiger Held? „Nee, das fand ich schon damals nicht.“

Auch die Freundin, die seinerzeit mit Mädels Urlaub auf Mallorca machte, hat es ihm erst mal nicht geglaubt. „Die hat am Telefon bloß gelacht.“ Doch seine Rettungstat war ziemlich schnell im Internet zu finden. „Als sie zurückkam, hat sie mich ordentlich abgeknutscht!“

Auch die Post hat sich bedankt: Hatte Luis Miguel Alves Costa seinerzeit einen Zeitvertrag, wurde kurz nach der Rettungstat ein unbefristeter daraus. Vor einem Jahr zog er mit seiner Freundin nach Baesweiler, wo er nun in der Regel seine täglichen Zustellrunden dreht. „Ich laufe am Tag einige Kilometer. Aber zum Glück habe ich nie mehr so etwas erleben müssen.“

Ob die Frau, die er gerettet hat, das auch wirklich wollte? Die Polizei hatte damals auch die Möglichkeit eines Suizidversuchs eingeräumt. Luis Miguel weiß, wie es dazu kam. Aber er behält es für sich. Ja, er habe sich einmal mit der Frau getroffen, sie waren was trinken. „Und sie hat sich auch sehr bei mir bedankt.“ Aber wollte sie fallen? Er schweigt dazu.

Nun fährt er nach Köln. Dort wird die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann ihm und 31 weiteren Rettern eine Medaille überreichen. Und zwar nicht irgendwo. Sondern im Aquarium des Kölner Zoos. Ein seltsamer Ort, findet Luis Miguel Alves Costa. „Meine Freundin und ich haben erst mal gelacht. Ob wir da wohl auch Fische gucken dürfen?“ Ist schon außergewöhnlich, sagt er. Aber das war die ganze Rettungsaktion ja auch. Ob er sich nun Held nennen will, oder nicht.

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